Das Rosenkranzgebet

 

Der Rosenkranz ist eine marianische Gebetsform der katholischen Kirche, bisweilen als das Jesusgebet des Westens bezeichnet.

Der Name kommt vom mittelalterlichen Brauch, Marienstatuen mit einem Kranz aus Rosenblüten zu schmücken. Dieser Blütenkranz aus wirklichen Rosen wurde dann durch einen aus 50 Ave Maria-Gebeten

(= Gegrüßet seist du Maria) ersetzt. Dieses Gebet und die Perlenschnur zum Zählen der Ave Maria wurden dann ebenfalls Rosenkranz genannt.

Das Rosenkranzgebet bildete sich in Parallele zu den 150 Psalmen der Bibel. In mittelalterlichen Mönchskreisen wurden markante Psalmverse entsprechend der biblischen Zahl der Psalmen 150mal wiederholt. Des Lesens unkundige Laien verwendeten stattdessen zunehmend das Ave Maria, gleichsam einen Marienpsalter.

In vielen Religionen ist die beständige Wiederholung heiliger Worte eine bekannte Meditationstechnik und auch Gebetsschnüre sind vielfach bekannt, v. a. in östlichen Religionen. Viele Menschen sind heute von den östlichen Religionen und ihren Ausdrucksformen fasziniert. Dabei kennen sie oftmals den Reichtum der eigenen christlichen Tradition nicht mehr. Beim Rosenkranz handelt es sich nicht um das geistlose Wiederholen immer des gleichen Gebetes, wenn man sich auch dieser Gefahr des mechanischen Herunterleierns bewusst sein muss. Das Rosenkranzbeten ist keine leichte Sache. Das rhythmische Beten soll den/die BeterIn in eine innerliche Entkrampfung und Entspannung bringen, in eine Atmosphäre des Betens. Dabei kann alles aus meinem Innern heraufkommen, das mich bewegt – und ich kann in wesentliche Aspekte des christlichen Heilsgeheimnisses der Menschwerdung, des Leidens und der Erhöhung des Gottessohnes eintauchen. Dass dabei das Mariengebet die Grundlage ist, ist in der Rolle Mariens im Heilsgeschehen begründet.

Das volle Rosenkranzgebet ist eine Einheit von 150 Ave Maria, die in Zehnergruppen gegliedert sind. Jede Zehnergruppe (= Gesätz) betrachtet ein Geheimnis Christi, das dem Namen Jesu im Ave Maria angeschlossen ist. So wird das Christusgeheimnis in 15 Einzelgeheimnisse entfaltet und meditiert. Gewöhnlich wird aber nur ein Drittel, also fünf Geheimnisse, gebetet, wie auch die Rosenkranzschnur nur fünf Gesätze, also fünfzig Perlen, zählt. Diese fünf Geheimnisse werden nach ihrem Inhalt als freudenreicher, schmerzhafter und glorreicher Rosenkranz unterschieden. Es gibt auch eine Erweiterung der traditionellen 15 Gesätze, z. B. einen trostreichen Rosenkranz oder andere freigewählte Geheimnisse. Nähere Hinweise sind im Gotteslob, dem katholischen Gebet- und Gesangbuch, Nr. 33 enthalten.

In Österreich gründete in der Not der Nachkriegszeit 1947 der Franziskanerpater Petrus Pavlicek den Rosenkranz-Sühnekreuzzug, der heute ca. 700.000 Mitglieder in 132 Ländern zählt, und der besonders um den Frieden der Welt betet. (Rosenkranz-Sühnekreuzzug, Franziskanerplatz 4, A – 1011 Wien, Postfach 695, Tel. (01) 512 69 36, Fax (01) 513 01 86.)

Statt ungeduldigen Wartens an der Bushaltestelle, nervösen Rauchens vor einem schwierigen Termin, verzweifelten Ausharrens im Stau oder Aufregung über den überfüllten Zug könnten Sie es einmal mit dem Rosenkranz versuchen – eine ungewöhnliche Alternative, Frieden ins Herz zu bringen.

Nach oben

Die freudenreichen Geheimnisse

Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast

Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast

Jesus, den du, o Jungfrau, (in Betlehem) geboren hast

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast

 

Die schmerzhaften Geheimnisse

Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat

Jesus, der für uns gegeißelt worden ist

Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist

Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat

Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist

 

Die glorreichen Geheimnisse

Jesus, der von den Toten auferstanden ist

Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist

Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat

Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat

Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat

 

Die trostreichen Geheimnisse

Jesus, der als König herrscht

Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt

Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit

Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten

Jesus, der alles vollenden wird

 

Dr. Sebastian Huber OPraem, Innsbruck

(2001)

Nach oben

Ergänzung:

Papst Johannes Paul II. bezeichnet in seinem Apostolischen Schreiben "Der Rosenkranz der Jungfrau Maria" (Rosarium Virginis Mariae) vom 16. Oktober 2002, den Rosenkranz als "Kurzfassung des Evangeliums", und unterstreicht den Wert des Rosenkranzgebetes für die "Gleichgestaltung mit Christus". Er fügt den 15 bisherigen Rosenkranz-Geheimnissen fünf weitere hinzu, die Stationen des öffentliche Leben Jesu umreißen: In diesen Stationen hat Jesus Zeichen seiner göttlichen Natur gesetzt und uns damit den Weg des Heiles gewiesen.

Die fünf Geheimnisse des Lichtreichen Rosenkranzes

1. Jesus, der von Johannes getauft worden ist.

2 .Jesus, der sich bei der Hochzeit zu Kana offenbart hat.

3. Jesus, der das Reich Gottes verkündet hat.

4. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.

5. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

 
 
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:  oeli@liturgie.at
Stand: 07. Oktober 2008