Prozessionen
Allgemein:
Gott wirkt in unserer Welt. Er hat Interesse
an uns Menschen, unseren Lebensumständen, an unserer Mit- und Umwelt.
Christliche Gemeinde entsteht dort und bleibt dort bestehen, wo diesem Wirken
Gottes Raum gegeben wird: Im Hören der Gläubigen auf Gott (Verkündigung) und in ihrer Zuwendung zueinander, zu den
Notleidenden, Bedrängten und an den Rand gedrängten Menschen (Diakonie).
Jede liturgische Handlung ist eine
symbolische Darstellung unseres realen Lebens und des realen Wirkens Gottes in
unser Leben hinein. Gottesdienste sind Versammlungen von Menschen, die in
Gemeinschaft glauben wollen, mit Christus, in denen ihr Leben, das der Kirche
und der Welt und das Heilshandeln Gottes dargestellt und vergegenwärtigt
werden. Gefeiert wird, dass Gott Großes an uns Menschen und an der Welt getan
hat und immer wieder tut. Weil wir das erfahren haben und Gott kennen, können
wir ihm danken, ihn loben und bitten (Liturgie).
„Was tun wir bei
Prozessionen?“
Prozessionen sind symbolische Handlungen in
denen die Darstellung des Wirkens Gottes in unser Leben hinein und unsere
Sehnsucht nach einem erfüllten Leben sehr konkret und augenscheinlich werden
kann:
 |
·
Menschen, die auf dem Weg
sind:
Prozession kommt vom lateinischen Wort procedere, d.h. voranschreiten.
Gemeinsames Gehen, Weiterkommen, die Ausrichtung nach vorne. In all dem
verdeutlicht sich, was das II. Vatikanische Konzil so eindringlich über die
Kirche ausgesagt hat: Das „pilgernde Gottesvolk unterwegs zur
Vollkommenheit“. Um innerer Unbeweglichkeit vorzubeugen, laden die
Prozessionen ein, sich an manchen Tagen bewusst auf den Weg zu machen.
Worte, Zeichen, Symbole und Riten, die von den Gemeindemitgliedern als
liebende Nähe und Zuwendung Gottes
verstanden werden, sollen den Weg sinnvoll begleiten |
 |
·
Gemeinsam:
Miteinander Gehen wirkt sich immer auch positiv auf die Gemeinschaft
bzw. Gemeinde aus. Es soll weder zu schnell, noch zu langsam gegangen werden
- alle sollen gut mitgehen können.
Für Prozessionen heißt das, dass sich möglichst viele Gruppierungen
gemeindegerecht und liturgiegerecht einbringen können. Wer in der Gemeinde,
in der Pfarre Verantwortung trägt, soll auch in der Prozession für diesen
Bereich (mit-)verantwortlich sein. |
 |
·
Christus in die
Lebenswelt hinausführen: (Eucharistische Prozessionen)
„Ich bin bei Euch alle Tage ...“ Christus ist einer, der mitgeht, der
sich für unser Leben interessiert, bis dahin, dass er sich mit den
Notleidenden, den Armen, den Hungernden, den Gefangenen, Obdachlosen ...
identifiziert und gleichstellt. Unsere Hoffnungen, Sorgen, Ängste und
Freuden sind seine Hoffnungen, Sorgen, Ängste und Freuden. Vom Mahl mit
Christus aufstehend, gehen wir mit ihm zu den Orten unseres Lebens. Seinem
Segen wollen wir die Orte der Gemeinschaft, der Zukunft unserer Kinder, die
Orte des Streites und der Feste, unsere Felder und Wohnungen anvertrauen.
Die Orte unseres Lebens“ sind einerseits konkrete Orte im Dorf/Stadtteil
oder auch auf den Fluren. Andererseits sind „Orte unseres Lebens“ auch
darstellbar und thematisierbar |
 |
·
Ein Stück Weges von
Christus nachgehen und in Bezug zu unserem Leben stellen: (Palmprozessionen,
Kreuzwege)
Wenn biblisch überlieferte Wege Jesu Anlass für Prozessionen sind, wie
dies bei Kreuzweg und Palmprozession der Fall ist, kann ein Grund zum
gemeinsam Gehen in der Begleitung von Jesus liegen. Mit Jesus mitgehen beim
triumphalen Einzug in Jerusalem, aber auch beim Weg nach Golgotha. Wirklich
greifbar und zentral für unser Leben wird dieses Mitgehen aber erst wenn
„sein Jerusalem“ zu „unseren Jerusalems“ und „sein Golgotha“ zu
„unseren Golgothas“ in Bezug gesetzt wird. |
 |
·
Lebenssituationen und
Lebensumfeld einholen: (Nichteucharistische Prozessionen, Bittgänge)
So wie wir nach eucharistischen Prozessionen Christus symbolhaft unsere
Lebenswelt zeigen, so können wir auch umgekehrt unser Leben einholen,
konkrete Anlässe aus unserem Leben in Bezug zum Wirken Gottes stellen, um
diese gemeinsam mit Gott im Gottesdienst betrachten und feiern zu können,
in Dank, Lobpreis und Bitte. Von den Orten unseres Lebens her, folgen wir
der Einladung zum Mahl mit dem Herrn. |
Zur Vorbereitung:
Die Vorbereitung geschieht durch die
Liturgiegruppe. Diese wählt Lebensfelder aus, von denen sie meint, sie seien
wert, öffentlich dargestellt und in Verbindung mit Jesus Christus und dem Wort
Gottes gebracht zu werden. (Beispiele: Zusammenleben, Generationen, Armut,
Arbeitswelt, wir in der Welt, unsere Pfarre (Kirche), Familie, Zukunftssorgen
und -hoffnungen, Orte unseres Alltags...).
Die ausgewählten Lebensfelder werden
nochmals genauer von allen angeschaut und eine kleine Gruppe bereitet dann die
Darstellung vor. Belehren und Moralisieren hat dabei nichts verloren, es geht
immer ums Feiern!
Eine hilfreiche Fragestellung könnte sein:
Was freut uns und was bedrückt uns, wenn wir dieses Lebensfeld betrachten?
Meist genügt eine knappe Auflistung solcher Feststellungen, um deutlich zu
machen, worum es geht.
Nachdem diese Darstellung klar ist, muss
eine Stelle aus der Hl. Schrift entdeckt werden, die den Blickpunkt Gottes zu
dieser Situation ausdrücken kann.
Es ist wesentlich, Wert darauf zu legen,
dass eine Prozession im Ganzen einen
Gottesdienst bildet und nicht eine Abfolge von verschiedenen
albgeschlossenen Gottesdiensten darstellt.
Große Bedeutung kommt der Eröffnung einer Prozession zu. Dabei ist es günstig, eine Eröffnungsstation
zu gestalten, bei der Christus mit hinein genommen wird in die Gemeinschaft der
Teilnehmer/-innen.
Beginnt der Gesamtgottesdienst mit einer
Messe, wie es für eucharistische Prozessionen sinnvoll ist, ist besonders der
Abschluss der Eucharistiefeier so zu gestalten, dass man sich ausgehend vom Mahl
auf den Weg macht.
Bei nichteucharistischen Prozessionen gilt
die Eröffnung als Einführung für den Gesamtgottesdienst mit allen seinen
Teilen.
Wichtig ist das Mitführen eines deutlichen Symbols
für die Gegenwart Christi auf unserem Weg zu seinem Mahl. Dieses soll auch
beim anschließenden Gottesdienst in der Kirche deutlich sichtbar bleiben. Von
der Sache her eignet sich vor allem die Hl. Schrift oder/und ein Kreuz, das dann
auch im Altarraum aufgestellt und verehrt wird. (Die Osterkerze sollte hauptsächlich
in der Osterzeit Verwendung finden.)
Die Stationen
sind am einfachsten zu gestalten, wenn sie alle die gleiche Grundstruktur
aufweisen. (z. B.: Lied, Darstellung des Lebens der Menschen, Schriftlesung,
Bitten, Lied).
Der Abschluss
der Prozession mit Segensgebet und Segen beschließt auch alle einzelnen
Prozessionsteile. Diese können sich darin wiederfinden.
Erwin Löschberger, Graz, 2005
|