3. Wie wird der Dienst Christi in
der Liturgie deutlich?
a) Unser Beten ist Gebet zum Vater
durch Jesus Christus im Heiligen Geist.
- Darum bitten wir durch Jesus
Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen
Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
- durch ihn: durch Jesus Christus
erfahren wir das Wirken Gottes, er vermittelt Erlösung, befreites Leben,
Gemeinschaft mit Gott. Christus betet für uns – wir beten durch Christus zum
Vater, Christus ist unser Vorbeter.
- mit ihm: mit Jesus Christus
beten wir zu Gott dem Vater.
- in ihm: durch die Taufe sind
wir in den Lebensbereich Jesu Christi – den Leib Christi - aufgenommen, wir
sind sein Leib. In uns, an uns handelt Jesus Christus, unser Erlöser.
b) Der Liturgische Gruß macht die
Gegenwart Christi bewusst.
Allein innerhalb der Eucharistiefeier
wird an vier Stellen der Liturgische Gruß "Der Herr sei mit euch! –
"Und mit deinem Geiste!" zugesagt und somit das Geheimnis der
Gegenwart Christi den Mitfeiernden bewusst gemacht:
(1) bei der Eröffnung (Gegenwart in
der Versammlung);
(2) vor der Verkündigung des
Evangeliums (im Wort Christi);
(3) am Beginn des Hochgebets
(Einleitungsdialog zur Präfation);
(4)vor dem Schluss-Segen.
c) Die Verkündigung des Wortes
Gottes ist ein Heilsereignis in der Gegenwart, denn Christus ist das lebendige
Wort Gottes.
Der Gottesdienst lebt ganz aus dem
Wort Gottes und wird selbst zu einem neuen Heilsereignis. Er legt das
Wort neu aus und lässt es neu wirksam werden. So folgt die Kirche in der
Liturgie treu der Art und Weise, wie Jesus Christus die Heiligen Schriften
gelesen und ausgelegt hat. Jesus Christus hat dazu aufgefordert, alle Schriften
zu ergründen vom "Heute" des Ereignisses, das er selber ist.
(Vgl. Pastorale Einführung in das Messlektionar (PEM) Nr. 3)
d) Jedes Sakrament ist Heilswirken
Jesus Christi im Heiligen Geist zur Ehre Gottes, des Vaters.
Bei der Feier der Sakramente macht
der Priester bzw. der Diakon das Beten Christi hörbar und sichtbar. (Das Gebet,
das deutende Wort und die sakramentale Handlung gehören zusammen. So gilt: wo
immer einer tauft, tauft Christus.)
In der sakramentalen Zeichenhandlung
wird erfüllt, was im Hochgebet erbeten und im deutenden Wort gesprochen worden
ist.
4. Was ist ein liturgischer Dienst
auf diesem Hintergrund?
a) Jede liturgische Feier ist eine
Begegnung zwischen Gott und den Feiernden: Gott teilt sich den Menschen mit und
heiligt sie; die Menschen antworten Gott durch die dankbare Annahme seiner Gaben
und loben ihn (Lebenstausch zwischen Gott und Menschen). Alle Ämter und Dienste
dienen dieser Begegnung.
b) Die Kirche ordnet je nach
Bedeutung und Tragweite manche liturgische Dienste den Amtsträgern zu, manche
Dienste liturgischen Rollenträgern mit dauernder oder zeitlich begrenzter
Beauftragung durch den Bischof (WortgottesdienstleiterIn, KommunionhelferIn).
Andere Dienste erwachsen aufgrund des allgemeinen Priestertums aus der
Gemeinschaft der Kirche vor Ort.
c) Alle, die ein Amt oder einen
liturgischen Dienst wahrnehmen, vermitteln je nach dem ihnen anvertrauten Amt
oder Dienst das heiligende und heilschaffende Wirken Gottes an seinem Volk und
die Gott verherrlichende Glaubensantwort der Gemeinde, mit der sie Gottesdienst
feiern.
d) Die christologische Grunddimension
gilt für alle liturgischen Dienste: In der Feier der Liturgie erfährt die
versammelte Kirche durch Jesus Christus die Heil schaffende Zuwendung Gottes auf
verschiedene Weise. Das liturgische Handeln in der Person (in der Rolle) Christi
ist somit nicht nur Sache des Klerus.
5. Schlussfolgerung:
All das ist vielen Mitfeiernden nicht
(mehr) bewusst. Hier ist in der Bewusstseinsbildung Aufholbedarf. Wer denkt
schon daran, dass der Lektorendienst auch ein "Christusdienst" ist,
sodass, wenn immer eine Lektorin oder ein Lektor an den Ambo tritt und der
versammelten Kirche eine Lesung verkündet, Christus selbst gegenwärtig zu den
Versammelten spricht?!
Wer eine Lesung verkündet oder wer
das Brot und den Kelch der Eucharistie reicht, handelt letztlich nicht im Namen
der Gemeinde, sondern im Namen Gottes an der Gemeinde.
Was kann neben der Katechese helfen,
um das sichtbarer und erfahrbarer zu machen?