Liturgische Dienste – Handeln in der Gegenwart Christi

Spiritualität liturgischer Dienste

1. Christologische Grunddimension jeder Liturgiefeier

Jede Gottesdienst feiernde christliche Gemeinde ist eine Versammlung von Getauften, die durch die Taufe bleibend mit Christus verbunden worden sind. Die ganze feiernde Gemeinde ist somit schon Leib Christi. Die Gottesdienste werden von Menschen gefeiert, die zur vollen, bewussten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern berufen sind, zu der das christliche Volk als königliches Priestertum (1 Petr 2,9) berechtigt und verpflichtet ist. Alle Mitfeiernden vollziehen deshalb einen wahrhaft liturgischen Dienst. Alle sind Träger und Adressaten der liturgischen Handlungen, weil sie miteinander der ganze Leib Christi sind, die Gemeinschaft der Gläubigen verbunden mit ihrem Haupt, dem auferstandenen Christus. Die Gemeinschaft mit Gott muss nicht erst erbeten werden, sondern sie ist prägende Gewissheit für die Feier des Glaubens.

In der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzil wurde im Kapitel 7 diese Überzeugung so zum Ausdruck gebracht: "Um dieses große Werk (der Erlösung) zu verwirklichen, ist Christus seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen.

Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht [...], wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten.

Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so dass, wenn immer einer tauft, Christus selber tauft.

Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden.

Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20). [ ...]

Mit Recht gilt also die Liturgie als Vollzug des Priesteramtes Jesu Christi; durch sinnenfällige Zeichen wird in ihr die Heiligung des Menschen bezeichnet und in je eigener Weise bewirkt und vom mystischen Leib Jesu Christi, d.h. dem Haupt und den Gliedern, der gesamte öffentliche Kult vollzogen."

Im Brief des Apostels Paulus an die Kolosser (Kol 3,17) lesen wir Ähnliches: "Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott dem Vater!"

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2. Folgerungen:

Niemand hat in der Beziehung zu Gott eine Sonderstellung. Alle Getauften sind in gleicher Weise in die Gemeinschaft des Leibes Christi aufgenommen.

Jede Liturgie ist Tun Jesu Christi. Er ist der, der in der Liturgiefeier das Heil bewirkt. Träger der Liturgie ist immer der ganze Leib Christi, Christus und die versammelte Gemeinde, die ganze Kirche. Deshalb sollen alle tätig Mitfeiernde sein, weil alles alle angeht und alle alles innerlich mitbeten. Alle sind in diesem Sinne Konzelebranten, Mit-Feiernde.

In der Gottesdienstversammlung werden füreinander Dienste ausgeübt, damit für alle das Wirken Christi, und das Wirken des Dreieinigen Gottes im Gottesdienst konkret erfahren wird: Die LektorInnen üben einen Christusdienst aus, indem sie das Wort Gottes verkünden. Die Kommunionhelfer-Innen üben einen Christusdienst aus, indem sie den Leib Christi den Gläubigen reichen. Die Psalmisten (KantorInnen) üben einen Christusdienst aus, indem sie das Wort Gottes, die Psalmen, singend vorbeten. Die MinistrantInnen üben einen Christusdienst aus, indem sie bei der Verkündigung des Evangeliums durch das Halten der Kerzen den Gläubigen zeigen, dass dieses Wort das Licht der Welt ist. ...

Bischöfe, Priester und Diakone üben als dafür Beauftragte und Geweihte in der Liturgiefeier ihren eigenen Christusdienst aus: Sie machen sakramental (sichtbar, sinnenfällig, zeichenhaft) das Beten Christi in der Versammlung als Heil erfahrbar: Wir beten durch Christus, mit Christus, in Christus.

Die Gegenwart des Herrn ist nicht allein eine Besonderheit der Eucharistiefeier, sondern eine Wirklichkeit bzw. ein Ereignis, das allen Formen christlichen Gottesdienstes gemeinsam ist. Wichtig dabei ist, in welcher Weise im Gottesdienst die Gegenwart Jesu Christi wahrnehmbar bzw. erfahrbar wird: in der Versammlung, in der Wortverkündigung, im Beten und Singen, in der jeweiligen Zeichenhandlung.

Gottesdienst ist als Dienst und Handeln von Menschen immer offen auf Gott hin. Es ist ein Miteinander, welches das Handeln Jesu Christi an seiner Gemeinde auf verschiedene Weise zur erfahrbar heilsvollen Gegenwart werden lässt.

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3. Wie wird der Dienst Christi in der Liturgie deutlich?

a) Unser Beten ist Gebet zum Vater durch Jesus Christus im Heiligen Geist.

- Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

- durch ihn: durch Jesus Christus erfahren wir das Wirken Gottes, er vermittelt Erlösung, befreites Leben, Gemeinschaft mit Gott. Christus betet für uns – wir beten durch Christus zum Vater, Christus ist unser Vorbeter.

- mit ihm: mit Jesus Christus beten wir zu Gott dem Vater.

- in ihm: durch die Taufe sind wir in den Lebensbereich Jesu Christi – den Leib Christi - aufgenommen, wir sind sein Leib. In uns, an uns handelt Jesus Christus, unser Erlöser.

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b) Der Liturgische Gruß macht die Gegenwart Christi bewusst.

Allein innerhalb der Eucharistiefeier wird an vier Stellen der Liturgische Gruß "Der Herr sei mit euch! – "Und mit deinem Geiste!" zugesagt und somit das Geheimnis der Gegenwart Christi den Mitfeiernden bewusst gemacht:

(1) bei der Eröffnung (Gegenwart in der Versammlung);

(2) vor der Verkündigung des Evangeliums (im Wort Christi);

(3) am Beginn des Hochgebets (Einleitungsdialog zur Präfation);

(4)vor dem Schluss-Segen.

c) Die Verkündigung des Wortes Gottes ist ein Heilsereignis in der Gegenwart, denn Christus ist das lebendige Wort Gottes.

Der Gottesdienst lebt ganz aus dem Wort Gottes und wird selbst zu einem neuen Heilsereignis. Er legt das Wort neu aus und lässt es neu wirksam werden. So folgt die Kirche in der Liturgie treu der Art und Weise, wie Jesus Christus die Heiligen Schriften gelesen und ausgelegt hat. Jesus Christus hat dazu aufgefordert, alle Schriften zu ergründen vom "Heute" des Ereignisses, das er selber ist. (Vgl. Pastorale Einführung in das Messlektionar (PEM) Nr. 3)

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d) Jedes Sakrament ist Heilswirken Jesus Christi im Heiligen Geist zur Ehre Gottes, des Vaters.

Bei der Feier der Sakramente macht der Priester bzw. der Diakon das Beten Christi hörbar und sichtbar. (Das Gebet, das deutende Wort und die sakramentale Handlung gehören zusammen. So gilt: wo immer einer tauft, tauft Christus.)

In der sakramentalen Zeichenhandlung wird erfüllt, was im Hochgebet erbeten und im deutenden Wort gesprochen worden ist.

4. Was ist ein liturgischer Dienst auf diesem Hintergrund?

a) Jede liturgische Feier ist eine Begegnung zwischen Gott und den Feiernden: Gott teilt sich den Menschen mit und heiligt sie; die Menschen antworten Gott durch die dankbare Annahme seiner Gaben und loben ihn (Lebenstausch zwischen Gott und Menschen). Alle Ämter und Dienste dienen dieser Begegnung.

b) Die Kirche ordnet je nach Bedeutung und Tragweite manche liturgische Dienste den Amtsträgern zu, manche Dienste liturgischen Rollenträgern mit dauernder oder zeitlich begrenzter Beauftragung durch den Bischof (WortgottesdienstleiterIn, KommunionhelferIn). Andere Dienste erwachsen aufgrund des allgemeinen Priestertums aus der Gemeinschaft der Kirche vor Ort.

c) Alle, die ein Amt oder einen liturgischen Dienst wahrnehmen, vermitteln je nach dem ihnen anvertrauten Amt oder Dienst das heiligende und heilschaffende Wirken Gottes an seinem Volk und die Gott verherrlichende Glaubensantwort der Gemeinde, mit der sie Gottesdienst feiern.

d) Die christologische Grunddimension gilt für alle liturgischen Dienste: In der Feier der Liturgie erfährt die versammelte Kirche durch Jesus Christus die Heil schaffende Zuwendung Gottes auf verschiedene Weise. Das liturgische Handeln in der Person (in der Rolle) Christi ist somit nicht nur Sache des Klerus.

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5. Schlussfolgerung:

All das ist vielen Mitfeiernden nicht (mehr) bewusst. Hier ist in der Bewusstseinsbildung Aufholbedarf. Wer denkt schon daran, dass der Lektorendienst auch ein "Christusdienst" ist, sodass, wenn immer eine Lektorin oder ein Lektor an den Ambo tritt und der versammelten Kirche eine Lesung verkündet, Christus selbst gegenwärtig zu den Versammelten spricht?!

Wer eine Lesung verkündet oder wer das Brot und den Kelch der Eucharistie reicht, handelt letztlich nicht im Namen der Gemeinde, sondern im Namen Gottes an der Gemeinde.

Was kann neben der Katechese helfen, um das sichtbarer und erfahrbarer zu machen?

Viele (nicht nur Spezialisten) tun einen Dienst an der Gemeinde;

sorgsame Rollenverteilung (LektorIn ist nicht KantorIn oder KommunionhelferIn in einem Gottesdienst);

gute inhaltliche Vorbereitung der LektorInnen, KantorInnen, KommunionhelferInnen, MinistrantInnen;

das liturgische Kleid (Albe) macht deutlich, dass die Taufe die Grundlage aller liturgischen Dienste ist;

Taufbewusstsein heben durch Katechese und Feier (vgl. Formen des Taufgedächtnisses);

Gemeinsamer Einzug derer, die in der Gottesdienstfeier einen liturgischen Dienst tun (LektorInnen tragen Lektionar):

Krankenkommunion auch durch KommunionhelferInnen;

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Mag. Erwin Löschberger, Graz 2002

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Stand: 07. Oktober 2008