Gottesdienst und Nächstendienst
Liturgie und Diakonie/Caritas
Gesprächsunterlage für den
Fachausschuss Liturgie
(und ggf. für den FA-Caritas)
Von "außen" gesehen erleben
Menschen die Kirche häufig als Institution, die sich im caritativen Bereich
engagiert. "Insider" sehen meist den pfarrlichen Sonntagsgottesdienst
als Mittelpunkt christlichen Lebens. Was vielfach als zwei getrennte Bereiche
erlebt werden, sind in Wirklichkeit zwei Seiten derselben Medaille oder wie zwei
Brennpunkte der einen Ellipse. Was über die Einheit von Gottesliebe und
Nächstenliebe, der "Magna Charta" unseres Glaubens, gilt, gilt ebenso
von der Einheit von Gottesdienst und Nächstendienst.
Am deutlichsten werden wir am
Gründonnerstag bei der "Messe vom Letzten Abendmahl" auf den
untrennbaren Zusammenhang von Gottesdienst und Nächstendienst gestoßen. Als Wort
Gottes werden die Einsetzung der Eucharistie und der Bericht von der
Fußwaschung verkündet. Als Zeichen werden die Fußwaschung und für die
Gabenbereitung ein Opfergang für die Armen empfohlen. Texte, Lieder und Zeichen
verkünden die Liebe Gottes. Sie wurde "Fleisch und Blut" in Jesus
Christus - für uns. Und ihn werden die Menschen dort finden, "wo
die Güte und die Liebe wohnt" (Ruf zur Gabenbereitung).
(Für das gemeinsame Gespräch eignet sich
sehr gut der Holzschnitt "Abendmahl" von Thomas Zacharias, in: Th.
Zacharias, Farbholzschnitte zur Bibel, 24 Farbfolien, Kösel-Verlag.)
In unseren Gottesdiensten feiern wir dieses
Geheimnis der Liebe Gottes und lassen uns in sie hinein nehmen und von ihr
beschenken. Die liturgische Gemeinschaft ist selbst Ausdruck gegenseitiger
Zuwendung, und der konkrete Dienst an Mitmenschen macht uns fähig zu einer
aufrichtigen Teilnahme an der Liturgie. Die Aussage der Liturgiekonstitution des
Zweiten Vatikanischen Konzils gilt: "Die Liturgie ist der Höhepunkt, dem
das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der alle ihre Kraft
strömt" (SC 10), denn der Dienst am Nächsten findet in der Feier der
Liturgie seine Begründung und seine Kraft, weil wir uns hier mit den
Quellen des Glaubens verbinden.
Der Gottesdienst und die geschwisterliche
Gemeinschaft leben von einander. "Sie werden beide krank, wenn eines von
beiden verkümmert. Der schönste Gottesdienst 'ist nichts' ohne die Liebe -
aber auch die Caritas, das vornehmste Ziel der Seelsorge, verliert ihren
Charakter und ihre Orientierung, verflacht und verkümmert, wenn sie nicht mehr
mit der Quelle verbunden ist." (Theo Gunkel, ehem. Pfarrer einer
Arbeiterpfarre in Leipzig)
Anregungen und Anfragen aus der Perspektive
der Liturgie
Die folgenden Anregungen möchten die innere
Verbundenheit von Liturgie und Caritas für das gottesdienstliche Leben
konkretisieren.
I. Die Feier der Eucharistie
In der Eucharistie feiern wir in erster
Linie die "Caritas" Gottes an uns. Christus teilt sich aus, um die
Liebe Gottes zu verkünden. Er trägt allen auf, die von diesem Brot essen,
selbst wieder ein Leib zu sein, der von der Liebe und der Verantwortung
füreinander geprägt ist. Je tiefer und ehrlicher wir uns mit Christus
verbinden, desto intensiver wird auch unser
Augenmerk dem Nächsten gelten.
Im Gottesdienst selbst muss diese
angestrebte Gemeinschaft (Kommunion) schon ein Stück weit erfahrbar sein.
Christus selbst hat uns dafür das Zeichen des Mahles gegeben.
Wenn es uns gelingt, das Symbol des Mahles
deutlich erfahrbar zu machen - als Ausdruck der Christusgemeinschaft - werden
davon alle anderen Bemühungen um mehr Mitmenschlichkeit befruchtet.
Wird das Zeichen von Geben und Empfangen,
von Austeilen und Verbundensein in der Messfeier deutlich genug?
Gabenbereitung - Hochgebet - Brotbrechung – Kommunion
Es gilt aufmerksam und sorgfältig zu tun,
was Christus zu tun aufgetragen hat, damit unsere Verbindung mit Christus
wächst und die Beziehung zum Mitmenschen sich vertieft.
Gabenbereitung
In den Gaben von Brot und Wein wird
Gemeinschaft sichtbar, weil viele bei der Herstellung von Brot und Wein und
anderen Lebensmitteln mitgemacht haben.
Mit dem Bringen der Gaben von Brot und
Wein erhält auch unsere Bereitschaft zum Mahl einen wahrnehmbaren, einen
sinnenhaften Ausdruck. Die Gaben sind nicht nur Symbole, mit denen Christus
selbst sein Leben gedeutet hat, sondern verweisen auch auf das menschliche Leben
mit seinen schwierigen und schönen Seiten. Sie sind von Seiten der Gemeinde vor
allem Zeichen für die innere Bereitschaft, sich auf Christus einzulassen.
Zum Überlegen:
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Wird bei der Gabenbereitung unterschieden
zwischen dem Richten des Altares und dem Bringen der Gaben? |
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Wer bringt Brot und Wein? VertreterInnen
der feiernden Versammlung? Woher kommen die Gaben? Aus dem Bereich des Volkes
(Gabentisch)? |
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Werden wirklich alle zum Mahl benötigten
Gaben zum Altar gebracht oder wird vor allem aus der "Reserve" (dem
Tabernakel) die Kommunion ausgeteilt? |
Hochgebet
In jedem Hochgebet findet sich die
sogenannte Kommunionepiklese: die Bitte um den Heiligen Geist, er möge
uns zum einen Leib Christi verbinden.
Im Hochgebet II heißt es:
"Schenke uns Anteil an Christi Leib und
Blut, und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist."
Im dritten Kinderhochgebet lesen wir:
"Vater, du hast uns zu diesem Mahl
zusammengerufen. Im Heiligen Geist versammelt, empfangen wir den Leib und das
Blut Christi. Gib uns die Kraft, so zu leben, dass du Freude an uns hast."
Was der innerste Gehalt der Kommunion ist,
wird im Hochgebet verkündet: das Opfer, die Lebenshingabe Christi "für
uns". Alle sind eingeladen, sich von dieser Bewegung (des Opfers = der
Liebe) erfassen und in sie hineinziehen zu lassen.
Zum Überlegen:
- Der
Fachausschuss selbst könnte in einem ersten Schritt das oft wenig vertraute
Hochgebet in seinem Gehalt zu entdecken suchen, z. B. an Hand der drei
Kinderhochgebete oder des Hochgebetes III.
- Wie können wir die Gemeinde beim
Hochgebet vermehrt einbeziehen? Rufe (vgl. Kinderhochgebete), bei festlichen
Gottesdiensten durch ein mehrstimmiges "Amen" am Ende des Hochgebets
...
Brotbrechung (Lamm Gottes):
Die gewandelte Gabe wird bereitet, um wieder
den Feiernden gegeben zu werden; Christus teilt sich aus und lädt ein in diese
Bewegung des Füreinander und Miteinander.
Zum Überlegen:
- Besprechen Sie
den Ritus der Brotbrechung (mit dem begleitenden Agnus Dei), seine Bedeutung
und konkrete Gestaltung.
- Zur Deutung des Vorgangs kann auch der
Text aus dem Gotteslob Nr. 375/4 verwendet werden; siehe auch das
empfehlenswerte Lied im "Liederbuch Religion" Nr. 366: "Alle
Menschen höret".
Kommunion(gang):
Zielpunkt der Messfeier ist das gemeinsame
Essen am Tisch des Herrn.
Zum Überlegen:
- Beobachten Sie einmal die
Kommunionausteilung. Erweckt sie den sympathischen Eindruck eines Gottesvolkes,
das gemeinsam zum Tisch des Herrn kommt, oder müsste man den Kommuniongang eher
mit dem nicht zufällig entstandenen Begriff "Abspeisung"
charakterisieren?
Alle nun folgenden
Anregungen sind letztlich Konsequenzen aus dem ersten Punkt. Je tiefer wir
entdeckt haben, mit welchem Maß der Liebe sich Gott uns zuwendet, desto
offener und freier werden wir uns den Mitchristen zuwenden und auch umsetzen,
was Paulus als Folgerung so formuliert hat:
"Es gibt nicht mehr
Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr
alle seid 'einer` in Christus Jesus" (Gal 3,28).
II. Das Miteinander innerhalb des Gottesdienstes
(besonders in der Messfeier)
Die Nächstenliebe gilt zunächst
jenen, die einem am nächsten sind. Daher schauen wir zuallererst auf die
GottesdienstteilnehmerInnen selbst.
1 . Der Blick auf den Nächsten zwischen Gabenbereitung
und Kommunion
Im eucharistischen Teil der Messe erkennen
wir folgende Bewegung:
wir bringen die Gaben vor Gott
(Gabenprozession)
die gebrachten Gaben werden zurückgeschenkt
als Leib Christi (Kommunion).
Doch in diese sehr persönliche
Gott-Mensch-Begegnung (in diese "senkrechte" Linie) wird eine
Waagrechte eingeführt:
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durch die Gaben von Brot und Wein;
sie sind auch Zeichen der menschlichen Verbundenheit im menschlichen Alltag:
"Frucht der menschlichen Arbeit", Zeichen der Mühe, des Leids und
der Freude |
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durch die Kollekte
(das "Absammeln") während der Gabenbereitung. Die Geldgabe
unterstreicht die Opfergesinnung der Gemeinde. Schon hier findet die Hingabe
an Christus ihren mitmenschlichen Ausdruck. Wird das Absammeln entsprechend
gestaltet? |
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durch die Vater-unser-Bitte um
Versöhnung: Erst nach der gegenseitigen
Zusicherung von Frieden und Versöhnung kommt das Geschehen in der Kommunion
zum Abschluss. |
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durch das Friedensgebet und den
Friedensgruß. Der Friedensgruß ist Zeichen der
Zuwendung, des guten Willens, des Aufbruchs zueinander. |
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Durch die Kommunion findet auch
die zwischenmenschliche "Kommunion" einen Ausdruck. |
2. Gesang und Musik
Musik schafft ein Gefühl der
Zusammengehörigkeit und Solidarität. Sie nimmt den einzelnen in die
Feierbewegung hinein. Wir dienen einander, wenn wir den einzelnen durch
entsprechende Musik aufnehmen in die Gemeinschaft derer, von der das Konzil
sagt: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute,
besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung,
Trauer und Angst der Jünger Christi". (Pastoralkonstitution Nr. 1) Im
gemeinsamen Singen können die persönliche Not und alle Zweifeln getragen
werden vom Vertrauen und der Zuversicht der Gemeinde. Vielleicht ist die Musik
nicht bloß eine Seitentür, sondern das Hauptportal, durch das die Feiernden
ihren oft lieblosen Alltag vor Gott hintragen.
Zum Überlegen:
- Entspricht der vielfältigen
Gottesdienstgemeinde auch unsere Liedauswahl? Gönnen wir einander in
ausreichendem Maß die sehr menschliche, weil ganzheitliche musikalische
Gottesdienstteilnahme?
- Wie achtsam wählen wir Gesang und Musik
für den Gottesdienst aus? Wer erstellt den
Liedplan? Ist diese Gruppe repräsentativ
für die Feiergemeinde bzw. mit ihren Bedürfnissen im Allgemeinen vertraut?
3 . Offenheit innerhalb der Gottesdienstgemeinde
Jeder, der zum Gottesdienst kommt,
ist willkommen. Wie können wir eine herzliche Atmosphäre fördern?
Grußriten - die "Sammlung der
Versammlung": Wir sind gewohnt, uns vor dem
Gottesdienst ehrfürchtig zu verhalten: Kreuzzeichen, Kopfbedeckung abnehmen,
Kniebeuge, schweigendes Warten ... Das mitmenschliche Grußverhalten ist weniger
ausgeprägt, wird jedoch zunehmend stärker. Es lohnt sich, die verschiedenen
(vertikalen und horizontalen) Grußriten zu sichten und der Gemeinde ihren Sinn
zu erschließen (Predigt, Kindergarten, Erstkommunionvorbereitung,
Religionsunterricht ... )
Die gottesdienstliche Sprache:
Prüfen wir unser Beten und Reden im Gottesdienst! Grenzt es Menschen aus? Sind
die Gebete nachvollziehbar? ...
Die Not und das Leid der Menschen hat
"Sitz und Stimme". Im Gottesdienst wird keine heile Welt vorgespielt.
Ob unsere Feste glaubwürdig sind, hängt sehr am Wahrnehmen dieses Anliegens.
Wird konkrete Not im Gottesdienst angesprochen?
Gebet um Versöhnung: Der
tiefen Gemeinschaft mit Gott und mit den Mitmenschen steht immer wieder die
eigene Schwäche und Sündhaftigkeit im Wege. Daher finden wir in der Messfeier
die Bitte um Vergebung als ständig wiederkehrenden Ruf. Das Bemühen, Mauern
gegenüber Mitmenschen abzubauen, wird vor allem erfahren in der Bußbesinnung
am Beginn der Messe und beim Friedensgruß.
4. Offenheit gegenüber den Abwesenden
Das Fürbittgebet:
In diesem Gebet bezeugen Christen das Vertrauen, dass Gott tatsächlich in diese
Welt helfend eingreifen kann. Dabei stehen nicht die eigenen Sorgen im
Vordergrund, sondern die Not und die Probleme anderer.
Sinn und Gestalt der Fürbitten, ihre
konkrete Vorbereitung, die Antwort des Volkes usw. sind ein lohnendes Thema für
einen Arbeitsschwerpunkt.
Alte und kranke Menschen:
im Fürbittgebet, Krankenkommunion am Sonntag, aktuelle Anliegen bei den
Verlautbarungen nennen, Kassette vom Sonntagsgottesdienst überbringen ...
Das Totengedächtnis:
bei den Fürbitten; Formen des Totengedächtnisses im Kirchenjahr.
5. Der gottesdienstliche Raum
Entsprechend dem konziliaren Kirchen- und
Liturgieverständnis ist der Kirchenbau in erster Linie Versammlungsraum für
das Volk Gottes, das vor aller Aufgliederung in verschiedene Ämter und Dienste
durch die Taufe zusammengehört und den einen Leib Christi bildet. Der
Gottesdienstraum soll also schon von seiner Ausgestaltung her das Miteinander
fördern und nicht trennend oder ausgrenzend wirken. Freilich stehen dem oft die
vorhandenen Baukörper entgegen, manches lässt sich aber gut in die
angesprochene Richtung verbessern. Bei all diesen Bemühungen darf man nicht
übersehen, dass jede/r Mitfeiernde in Freiheit selbst seine Nähe oder Distanz
zu den Mitfeiernden und zum Feierzentrum wählen kann.
Zum Überlegen:
- Gibt es noch eine deklarierte oder auch
faktische Frauen- und Männerseite?
- Sind an den Bänken noch Namensschilder
angebracht (mit oder ohne praktische Bedeutung)?
- Belastet das "faktische
Sitzrecht" einzelner das Miteinander?
- Kirchenbänke: Behindern sie das
Miteinander, weil sie etwa zu eng, zu lang, in schlecht einsehbaren Bereichen
aufgestellt sind (tiefe Emporen?)?
- Brauchen wir einen größeren Teil an
beweglicher Bestuhlung?
- Empore: Wie steht es mit dem Sichtkontakt
zum Altar? Haben die "Emporenbewohner" Möglichkeit zum Kommuniongang?
- Rücksichtnahme auf die Schwächeren:
siehe unten: "Die Zusammenarbeit von Liturgiekreis und Fachausschuss für
Soziales (Induktionsschleife, Lautsprecheranlage, rollstuhlgerechte Zugänge,
Beleuchtung, Gotteslob-Großdruck ... )
III. Die Zusammenarbeit der Fachausschüsse Liturgie und
Caritas
Die Arbeit beider Kreise trägt dazu bei,
vorrangige Aufgaben einer Pfarrgemeinde zu erfüllen. Die Zusammenarbeit sollte
daher selbstverständlich sein. Die gemeinsame Arbeit bereichert beide Seiten.
Auf welche Weise können die Fachausschüsse
zusammenarbeiten?
- Eine gemeinsame Sitzung pro
PGR-Arbeitsperiode.
- Nicht wenige Pfarren laden ein- bis
zweimal jährlich zu einem Krankengottesdienst oder/und zur gemeinsamen Feier
der Krankensalbung ein. Sowohl das Verständnis der Krankensalbung (von der
'Letzten Ölung" hin zum Sakrament für Kranke) als auch die konkrete
Gestaltung der Feier (und vielleicht auch des ganzen Tages für und mit den
Kranken) kann in beiden Fachausschüssen besprochen werden.
- Zur Kirche gehören auch die Alten,
Gebrechlichen und Kranken, die nicht mehr zur Messe kommen können. Die
Gottesdienstgemeinde kann und soll sich mit diesen Menschen durch das Bringen
der Kommunion verbinden. Aufgabe des Liturgiekreises wäre es, die Frage der Krankenkommunion
durch KommunionhelferInnen zu überlegen. Der sozialcaritative Arbeitskreis
wiederum weiß oft von Menschen in dieser geistlichen Notlage und kann auch die
nötigen Hilfen für den rechten Umgang mit diesen Menschen geben.
- Ein liturgischer Fixpunkt für die
Caritasarbeit ist der Caritassonntag. Gerade zu diesem Anlass sollen
Frauen und Männer, die bekannter Weise diakonale Aufgaben in der Pfarre
übernehmen, in die Gottesdienstgestaltung einbezogen werden.
- Viele unserer Kirchen sind
nicht behindertengerecht eingerichtet, könnten aber ohne
größeren Aufwand menschenfreundlicher gestaltet werden. Z .B. den
Eingangsbereich für Rollstuhlfahrer richten, Griffleisten bei den
Eingangsstiegen, Induktionsschleifen für Hörbehinderte, Großdruckausgabe des
Gotteslob für Sehbehinderte ... Manche dieser Anliegen können von beiden
Ausschüssen gemeinsam an den Pfarrgemeinderat herangetragen werden.
Wir sind aneinander
verwiesen, aufeinander angewiesen,
füreinander verantwortlich.
Durch die Gemeinschaft im
Hören des Wortes,
im Feiern des Mahles, im
Essen des Brotes wird
jeder jedem wichtig und
wertvoll,
sodass wir versuchen,
einander Gutes zu tun,
einander vor Bösem zu
bewahren, einander zu versöhnen,
einander zurechtzuweisen.
Jesus gibt uns die Kraft, es
im Geist der Liebe zu tun.
K. M. Leicht
Gottesdienst und Nächstendienst
Zitate
Jes 1,10-17: Hört
das Wort des Herrn ... Eure Neumondfeste und Feiertage sind mir in der Seele
verhasst, sie sind mir zur Last geworden ... Hört auf, vor meinen Augen Böses
zu tun! Lernt, Gutes zu tun! ... Helft den Unterdrückten … .
Hosea 6,6: Liebe
will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis, nicht Brandopfer!
Mt 5,23: Wenn du
deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder
etwas gegen dich hat, so lass diese Gabe
dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann
komm und opfere deine Gabe.
Mt 25,31-46: Vom
Weltgericht: "...denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen
gegeben... Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan
habt, das habt ihr auch mir nicht getan."
Lk 13,35: Ein
neues Gebot gebe ich euch, liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt
auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger
seid: wenn ihr einander liebt.
Röm 12,1f:
Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder (und
Schwestern), euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das
Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst.
Röm 13,8: ... Nur
die Liebe schuldet ihr einander immer ... Wer den andern liebt, hat das Gesetz
erfüllt.
Gal 3,26ff: Ihr
alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es
gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und
Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.
1 Joh 3,13-14: Wir
wissen, dass wir vom Tod zum Leben hinübergeschritten sind, weil wir die
Brüder (und Schwestern) lieben.
"Esst, was ihr seid: Leib Christi!
Werdet, was ihr esst: Leib Christi!" (Augustinus)
"Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie
für andere da ist." (Dietrich Bonhoeffer, evang.
Theologe)
"Eine Kirche, die nicht dient, dient zu
nichts."
"Eucharistie ist die Quelle der
Caritas." (Theo Gunkel, ehem. Pfarrer einer
Leipziger Arbeiterpfarre)
"Die Eucharistie ist die Caritas par
excellence, die höchste Form der Diakonie." (Helmut
Schüller, ehem. Caritasdirektor)
"Wir sollten doch einsehen, dass die
Gottlosigkeit (d. h. die christlichen Gemeinden, die "gottlos" galten,
weil sie die Verehrung der römischen Gottheiten ablehnten) nur deshalb Boden
hat gewinnen können, weil sie sich liebevoll um Fremde gekümmert oder auch
für die Bestattung Friedhöfe besorgt hat, zu schweigen von ihrer strengen
Lebensführung, einerlei, ob sie bloß äußerlich war oder nicht!" (Kaiser
Julian (361-363))
"Liturgische Gemeinschaft ist also eine
Lüge, wenn sie nicht Ausdruck gegenseitiger Taten der Liebe ist und zu Taten
der Nächstenliebe führt. Gottesliebe lässt sich nicht von der Liebe zu den
Menschen trennen, und Liebe zu den Menschen ist Gottesliebe. Der konkrete Dienst
an Mitmenschen macht fähig zu aufrichtiger Teilnahme an der Liturgie und zu
glaubwürdiger Verkündigung." (Wilhem Zauner,
Pastoraltheologe)
"Das Brotbrechen und die brüderliche
Gemeinschaft leben voneinander. Sie werden beide krank, wenn eines von beiden
verkümmert. Der schönste Gottesdienst ist nichts ohne die Liebe, aber auch die
Caritas, das vornehmste Ziel der Seelsorge, verliert ihren Charakter und ihre
Orientierung, verflacht und verkümmert, wenn sie nicht mehr mit der Quelle
verbunden ist." (Theo Gunkel)
"Wenn Liturgie nicht Diakonie ist, dann
gerät sie zum Versuch, das Leben durch ein bisschen Feierlichkeit zu verzieren,
wobei es ohne Belang ist, ob in progressiver oder konservativer Form."
(Helmut Schüller)
"Das Schicksal der Kirche wird in der
kommenden Zeit ... abhängen von der Rückkehr der Kirchen zur
"Diakonie": in den Dienst der Menschheit. Und zwar in den Dienst, den
die Not der Menschheit bestimmt, ... Es wird kein Mensch an die Botschaft vom
Heil und vom Heiland glauben, solange wir uns nicht blutig geschunden haben im
Dienst des physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, sittlich oder sonstwie
kranken Menschen ... "Geht hinaus" hat der Meister gesagt, und nicht:
"Setzt euch hin und wartet, ob einer kommt"..."
(Alfred Delp, aus der Gefängniszelle der Gestapo)
"Verachte die Erniedrigten nicht, als
hätten sie keine Würde. Bedenke, wer sie sind, dann findest du ihre Würde.
Sie haben das Aussehen unseres Erlösers angenommen. Denn er hat ihnen in seiner
Liebe zu den Menschen sein eigenes Aussehen geliehen, damit sie dadurch
diejenigen beschämen ..., die mitleidlos sind und sich nicht um die Armen
kümmern." (Gregor von Nyssa (+394),
Bischof)
"Wenn der Nächste aus unserer
Zwiesprache mit Christus verschwindet, dann hat unsere Gottesliebe nicht den
Christus des Evangeliums zum Inhalt." (Frere
Roger, Taize)
"Wir werden
einst nicht nach der Zahl unserer Kommunionen beurteilt werden, sondern danach,
wie wir ihm begegnet sind, in den Geringsten der Brüder. Das ist schwer und
dazu brauchen wir Kraft und Nahrung, und dazu ist uns das Brot gegeben, in dem
wir den Auftrag, aber auch die Kraft empfangen."
(Theo Gunkel)
"Am sozialen Verhalten also misst sich
würdiges Verhalten in der christlichen Eucharistiefeier. Erst danach kommt die
heute meist überbetonte subjektive Hochachtung vor dem heiligen Brot als den
Leib Christi. Die Feier des Abendmahls in der christlichen Gemeinde kennt weder
Rasse noch Klasse, weder Sklaven noch Freie. Aus der speisend-stärkenden Hand
Christi werden hier alle untereinander eins."
(Arno Schilson, Dogmatiker)
"Die christliche Gemeinde wird nur
auferbaut, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat ...
Diese Feier ist aber nur dann aufrichtig und vollständig, wenn sie zu den
verschiedenen Werken der Nächstenliebe und zu gegenseitiger Hilfe ...
führt." (Konzilsdekret über Dienst und Leben der
Priester, Nr.6)
"Durch ihre gottesdienstlichen Feiern
und durch das, was darin geschieht, bekennen sie (die Christen) ihren Glauben,
der sich vollendet, wenn er in der Liebe wirksam wird". (Deutsche
Synode)
"Von der Hoffnung zu singen ist ein
unersetzlicher Dienst an der Menschheit." (Deutsche
Synode)
Nicht nur die Diakonie braucht die
Orientierung am Reich Gottes, an der wirklichen Zukunft der Menschen, ebenso die
Liturgie, in der ja schon ein Stück dieses Reiches Gottes anbricht und dieses
neue Reich schon gefeiert wird. Wird im gottesdienstlichen Feiern und im
Miteinander der Gläubigen nicht schon ein Stück weit erfahrbar, was
Nächstenliebe und Zuwendung heißt, bleibt die Feier unglaubwürdig,
folkloristische, falsch.
Zusammenstellung: Hans
Stockhammer, Linz 2002
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