Gottesdienst und Nächstendienst

Liturgie und Diakonie/Caritas

 

Gesprächsunterlage für den Fachausschuss Liturgie
(und ggf. für den FA-Caritas)

 

Von "außen" gesehen erleben Menschen die Kirche häufig als Institution, die sich im caritativen Bereich engagiert. "Insider" sehen meist den pfarrlichen Sonntagsgottesdienst als Mittelpunkt christlichen Lebens. Was vielfach als zwei getrennte Bereiche erlebt werden, sind in Wirklichkeit zwei Seiten derselben Medaille oder wie zwei Brennpunkte der einen Ellipse. Was über die Einheit von Gottesliebe und Nächstenliebe, der "Magna Charta" unseres Glaubens, gilt, gilt ebenso von der Einheit von Gottesdienst und Nächstendienst.

 

Am deutlichsten werden wir am Gründonnerstag bei der "Messe vom Letzten Abendmahl" auf den untrennbaren Zusammenhang von Gottesdienst und Nächstendienst gestoßen. Als Wort Gottes werden die Einsetzung der Eucharistie und der Bericht von der Fußwaschung verkündet. Als Zeichen werden die Fußwaschung und für die Gabenbereitung ein Opfergang für die Armen empfohlen. Texte, Lieder und Zeichen verkünden die Liebe Gottes. Sie wurde "Fleisch und Blut" in Jesus Christus - für uns. Und ihn werden die Menschen dort finden, "wo die Güte und die Liebe wohnt" (Ruf zur Gabenbereitung).

(Für das gemeinsame Gespräch eignet sich sehr gut der Holzschnitt "Abendmahl" von Thomas Zacharias, in: Th. Zacharias, Farbholzschnitte zur Bibel, 24 Farbfolien, Kösel-Verlag.)

 

In unseren Gottesdiensten feiern wir dieses Geheimnis der Liebe Gottes und lassen uns in sie hinein nehmen und von ihr beschenken. Die liturgische Gemeinschaft ist selbst Ausdruck gegenseitiger Zuwendung, und der konkrete Dienst an Mitmenschen macht uns fähig zu einer aufrichtigen Teilnahme an der Liturgie. Die Aussage der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils gilt: "Die Liturgie ist der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der alle ihre Kraft strömt" (SC 10), denn der Dienst am Nächsten findet in der Feier der Liturgie seine Begründung und seine Kraft, weil wir uns hier mit den Quellen des Glaubens verbinden.

Der Gottesdienst und die geschwisterliche Gemeinschaft leben von einander. "Sie werden beide krank, wenn eines von beiden verkümmert. Der schönste Gottesdienst 'ist nichts' ohne die Liebe - aber auch die Caritas, das vornehmste Ziel der Seelsorge, verliert ihren Charakter und ihre Orientierung, verflacht und verkümmert, wenn sie nicht mehr mit der Quelle verbunden ist." (Theo Gunkel, ehem. Pfarrer einer Arbeiterpfarre in Leipzig)

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Anregungen und Anfragen aus der Perspektive der Liturgie

 

Die folgenden Anregungen möchten die innere Verbundenheit von Liturgie und Caritas für das gottesdienstliche Leben konkretisieren.

 

I. Die Feier der Eucharistie

 

In der Eucharistie feiern wir in erster Linie die "Caritas" Gottes an uns. Christus teilt sich aus, um die Liebe Gottes zu verkünden. Er trägt allen auf, die von diesem Brot essen, selbst wieder ein Leib zu sein, der von der Liebe und der Verantwortung füreinander geprägt ist. Je tiefer und ehrlicher wir uns mit Christus

verbinden, desto intensiver wird auch unser Augenmerk dem Nächsten gelten.

Im Gottesdienst selbst muss diese angestrebte Gemeinschaft (Kommunion) schon ein Stück weit erfahrbar sein. Christus selbst hat uns dafür das Zeichen des Mahles gegeben.

Wenn es uns gelingt, das Symbol des Mahles deutlich erfahrbar zu machen - als Ausdruck der Christusgemeinschaft - werden davon alle anderen Bemühungen um mehr Mitmenschlichkeit befruchtet.

 

Wird das Zeichen von Geben und Empfangen, von Austeilen und Verbundensein in der Messfeier deutlich genug?

 

Gabenbereitung - Hochgebet - Brotbrechung – Kommunion

 

Es gilt aufmerksam und sorgfältig zu tun, was Christus zu tun aufgetragen hat, damit unsere Verbindung mit Christus wächst und die Beziehung zum Mitmenschen sich vertieft.

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Gabenbereitung

In den Gaben von Brot und Wein wird Gemeinschaft sichtbar, weil viele bei der Herstellung von Brot und Wein und anderen Lebensmitteln mitgemacht haben.

Mit dem Bringen der Gaben von Brot und Wein erhält auch unsere Bereitschaft zum Mahl einen wahrnehmbaren, einen sinnenhaften Ausdruck. Die Gaben sind nicht nur Symbole, mit denen Christus selbst sein Leben gedeutet hat, sondern verweisen auch auf das menschliche Leben mit seinen schwierigen und schönen Seiten. Sie sind von Seiten der Gemeinde vor allem Zeichen für die innere Bereitschaft, sich auf Christus einzulassen.

 

Zum Überlegen:

Wird bei der Gabenbereitung unterschieden zwischen dem Richten des Altares und dem Bringen der Gaben?

Wer bringt Brot und Wein? VertreterInnen der feiernden Versammlung? Woher kommen die Gaben? Aus dem Bereich des Volkes (Gabentisch)?

Werden wirklich alle zum Mahl benötigten Gaben zum Altar gebracht oder wird vor allem aus der "Reserve" (dem Tabernakel) die Kommunion ausgeteilt?

 

Hochgebet

In jedem Hochgebet findet sich die sogenannte Kommunionepiklese: die Bitte um den Heiligen Geist, er möge uns zum einen Leib Christi verbinden.

Im Hochgebet II heißt es:

"Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut, und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist."

Im dritten Kinderhochgebet lesen wir:

"Vater, du hast uns zu diesem Mahl zusammengerufen. Im Heiligen Geist versammelt, empfangen wir den Leib und das Blut Christi. Gib uns die Kraft, so zu leben, dass du Freude an uns hast."

 

Was der innerste Gehalt der Kommunion ist, wird im Hochgebet verkündet: das Opfer, die Lebenshingabe Christi "für uns". Alle sind eingeladen, sich von dieser Bewegung (des Opfers = der Liebe) erfassen und in sie hineinziehen zu lassen.

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Zum Überlegen:

- Der Fachausschuss selbst könnte in einem ersten Schritt das oft wenig vertraute Hochgebet in seinem Gehalt zu entdecken suchen, z. B. an Hand der drei Kinderhochgebete oder des Hochgebetes III.

- Wie können wir die Gemeinde beim Hochgebet vermehrt einbeziehen? Rufe (vgl. Kinderhochgebete), bei festlichen Gottesdiensten durch ein mehrstimmiges "Amen" am Ende des Hochgebets ...

 

Brotbrechung (Lamm Gottes):

Die gewandelte Gabe wird bereitet, um wieder den Feiernden gegeben zu werden; Christus teilt sich aus und lädt ein in diese Bewegung des Füreinander und Miteinander.

 

Zum Überlegen:

- Besprechen Sie den Ritus der Brotbrechung (mit dem begleitenden Agnus Dei), seine Bedeutung und konkrete Gestaltung.

- Zur Deutung des Vorgangs kann auch der Text aus dem Gotteslob Nr. 375/4 verwendet werden; siehe auch das empfehlenswerte Lied im "Liederbuch Religion" Nr. 366: "Alle Menschen höret".

 

Kommunion(gang):

Zielpunkt der Messfeier ist das gemeinsame Essen am Tisch des Herrn.

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Zum Überlegen:

- Beobachten Sie einmal die Kommunionausteilung. Erweckt sie den sympathischen Eindruck eines Gottesvolkes, das gemeinsam zum Tisch des Herrn kommt, oder müsste man den Kommuniongang eher mit dem nicht zufällig entstandenen Begriff "Abspeisung" charakterisieren?

Alle nun folgenden Anregungen sind letztlich Konsequenzen aus dem ersten Punkt. Je tiefer wir entdeckt haben, mit welchem Maß der Liebe sich Gott uns zuwendet, desto offener und freier werden wir uns den Mitchristen zuwenden und auch umsetzen, was Paulus als Folgerung so formuliert hat:

"Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid 'einer` in Christus Jesus" (Gal 3,28).

II. Das Miteinander innerhalb des Gottesdienstes

(besonders in der Messfeier)

 

Die Nächstenliebe gilt zunächst jenen, die einem am nächsten sind. Daher schauen wir zuallererst auf die GottesdienstteilnehmerInnen selbst.

 

1 . Der Blick auf den Nächsten zwischen Gabenbereitung und Kommunion

 

Im eucharistischen Teil der Messe erkennen wir folgende Bewegung:

wir bringen die Gaben vor Gott (Gabenprozession)

die gebrachten Gaben werden zurückgeschenkt als Leib Christi (Kommunion).

Doch in diese sehr persönliche Gott-Mensch-Begegnung (in diese "senkrechte" Linie) wird eine Waagrechte eingeführt:

durch die Gaben von Brot und Wein; sie sind auch Zeichen der menschlichen Verbundenheit im menschlichen Alltag: "Frucht der menschlichen Arbeit", Zeichen der Mühe, des Leids und der Freude

durch die Kollekte (das "Absammeln") während der Gabenbereitung. Die Geldgabe unterstreicht die Opfergesinnung der Gemeinde. Schon hier findet die Hingabe an Christus ihren mitmenschlichen Ausdruck. Wird das Absammeln entsprechend gestaltet?

durch die Vater-unser-Bitte um Versöhnung: Erst nach der gegenseitigen Zusicherung von Frieden und Versöhnung kommt das Geschehen in der Kommunion zum Abschluss.

durch das Friedensgebet und den Friedensgruß. Der Friedensgruß ist Zeichen der Zuwendung, des guten Willens, des Aufbruchs zueinander.

Durch die Kommunion findet auch die zwischenmenschliche "Kommunion" einen Ausdruck.

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2. Gesang und Musik

 

Musik schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Solidarität. Sie nimmt den einzelnen in die Feierbewegung hinein. Wir dienen einander, wenn wir den einzelnen durch entsprechende Musik aufnehmen in die Gemeinschaft derer, von der das Konzil sagt: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi". (Pastoralkonstitution Nr. 1) Im gemeinsamen Singen können die persönliche Not und alle Zweifeln getragen werden vom Vertrauen und der Zuversicht der Gemeinde. Vielleicht ist die Musik nicht bloß eine Seitentür, sondern das Hauptportal, durch das die Feiernden ihren oft lieblosen Alltag vor Gott hintragen.

 

Zum Überlegen:

- Entspricht der vielfältigen Gottesdienstgemeinde auch unsere Liedauswahl? Gönnen wir einander in ausreichendem Maß die sehr menschliche, weil ganzheitliche musikalische Gottesdienstteilnahme?

- Wie achtsam wählen wir Gesang und Musik für den Gottesdienst aus? Wer erstellt den

Liedplan? Ist diese Gruppe repräsentativ für die Feiergemeinde bzw. mit ihren Bedürfnissen im Allgemeinen vertraut?

 

3 . Offenheit innerhalb der Gottesdienstgemeinde

 

Jeder, der zum Gottesdienst kommt, ist willkommen. Wie können wir eine herzliche Atmosphäre fördern?

 

Grußriten - die "Sammlung der Versammlung": Wir sind gewohnt, uns vor dem Gottesdienst ehrfürchtig zu verhalten: Kreuzzeichen, Kopfbedeckung abnehmen, Kniebeuge, schweigendes Warten ... Das mitmenschliche Grußverhalten ist weniger ausgeprägt, wird jedoch zunehmend stärker. Es lohnt sich, die verschiedenen (vertikalen und horizontalen) Grußriten zu sichten und der Gemeinde ihren Sinn zu erschließen (Predigt, Kindergarten, Erstkommunionvorbereitung, Religionsunterricht ... )

 

Die gottesdienstliche Sprache: Prüfen wir unser Beten und Reden im Gottesdienst! Grenzt es Menschen aus? Sind die Gebete nachvollziehbar? ...

 

Die Not und das Leid der Menschen hat "Sitz und Stimme". Im Gottesdienst wird keine heile Welt vorgespielt. Ob unsere Feste glaubwürdig sind, hängt sehr am Wahrnehmen dieses Anliegens. Wird konkrete Not im Gottesdienst angesprochen?

 

Gebet um Versöhnung: Der tiefen Gemeinschaft mit Gott und mit den Mitmenschen steht immer wieder die eigene Schwäche und Sündhaftigkeit im Wege. Daher finden wir in der Messfeier die Bitte um Vergebung als ständig wiederkehrenden Ruf. Das Bemühen, Mauern gegenüber Mitmenschen abzubauen, wird vor allem erfahren in der Bußbesinnung am Beginn der Messe und beim Friedensgruß.

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4. Offenheit gegenüber den Abwesenden

 

Das Fürbittgebet: In diesem Gebet bezeugen Christen das Vertrauen, dass Gott tatsächlich in diese Welt helfend eingreifen kann. Dabei stehen nicht die eigenen Sorgen im Vordergrund, sondern die Not und die Probleme anderer.

Sinn und Gestalt der Fürbitten, ihre konkrete Vorbereitung, die Antwort des Volkes usw. sind ein lohnendes Thema für einen Arbeitsschwerpunkt.

 

Alte und kranke Menschen: im Fürbittgebet, Krankenkommunion am Sonntag, aktuelle Anliegen bei den Verlautbarungen nennen, Kassette vom Sonntagsgottesdienst überbringen ...

 

Das Totengedächtnis: bei den Fürbitten; Formen des Totengedächtnisses im Kirchenjahr.

 

5. Der gottesdienstliche Raum

 

Entsprechend dem konziliaren Kirchen- und Liturgieverständnis ist der Kirchenbau in erster Linie Versammlungsraum für das Volk Gottes, das vor aller Aufgliederung in verschiedene Ämter und Dienste durch die Taufe zusammengehört und den einen Leib Christi bildet. Der Gottesdienstraum soll also schon von seiner Ausgestaltung her das Miteinander fördern und nicht trennend oder ausgrenzend wirken. Freilich stehen dem oft die vorhandenen Baukörper entgegen, manches lässt sich aber gut in die angesprochene Richtung verbessern. Bei all diesen Bemühungen darf man nicht übersehen, dass jede/r Mitfeiernde in Freiheit selbst seine Nähe oder Distanz zu den Mitfeiernden und zum Feierzentrum wählen kann.

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Zum Überlegen:

- Gibt es noch eine deklarierte oder auch faktische Frauen- und Männerseite?

- Sind an den Bänken noch Namensschilder angebracht (mit oder ohne praktische Bedeutung)?

- Belastet das "faktische Sitzrecht" einzelner das Miteinander?

- Kirchenbänke: Behindern sie das Miteinander, weil sie etwa zu eng, zu lang, in schlecht einsehbaren Bereichen aufgestellt sind (tiefe Emporen?)?

- Brauchen wir einen größeren Teil an beweglicher Bestuhlung?

- Empore: Wie steht es mit dem Sichtkontakt zum Altar? Haben die "Emporenbewohner" Möglichkeit zum Kommuniongang?

- Rücksichtnahme auf die Schwächeren: siehe unten: "Die Zusammenarbeit von Liturgiekreis und Fachausschuss für Soziales (Induktionsschleife, Lautsprecheranlage, rollstuhlgerechte Zugänge, Beleuchtung, Gotteslob-Großdruck ... )

 

 

III. Die Zusammenarbeit der Fachausschüsse Liturgie und Caritas

 

Die Arbeit beider Kreise trägt dazu bei, vorrangige Aufgaben einer Pfarrgemeinde zu erfüllen. Die Zusammenarbeit sollte daher selbstverständlich sein. Die gemeinsame Arbeit bereichert beide Seiten.

 

Auf welche Weise können die Fachausschüsse zusammenarbeiten?

 

- Eine gemeinsame Sitzung pro PGR-Arbeitsperiode.

 

- Nicht wenige Pfarren laden ein- bis zweimal jährlich zu einem Krankengottesdienst oder/und zur gemeinsamen Feier der Krankensalbung ein. Sowohl das Verständnis der Krankensalbung (von der 'Letzten Ölung" hin zum Sakrament für Kranke) als auch die konkrete Gestaltung der Feier (und vielleicht auch des ganzen Tages für und mit den Kranken) kann in beiden Fachausschüssen besprochen werden.

 

- Zur Kirche gehören auch die Alten, Gebrechlichen und Kranken, die nicht mehr zur Messe kommen können. Die Gottesdienstgemeinde kann und soll sich mit diesen Menschen durch das Bringen der Kommunion verbinden. Aufgabe des Liturgiekreises wäre es, die Frage der Krankenkommunion durch KommunionhelferInnen zu überlegen. Der sozialcaritative Arbeitskreis wiederum weiß oft von Menschen in dieser geistlichen Notlage und kann auch die nötigen Hilfen für den rechten Umgang mit diesen Menschen geben.

 

- Ein liturgischer Fixpunkt für die Caritasarbeit ist der Caritassonntag. Gerade zu diesem Anlass sollen Frauen und Männer, die bekannter Weise diakonale Aufgaben in der Pfarre übernehmen, in die Gottesdienstgestaltung einbezogen werden.

 

- Viele unserer Kirchen sind nicht behindertengerecht eingerichtet, könnten aber ohne größeren Aufwand menschenfreundlicher gestaltet werden. Z .B. den Eingangsbereich für Rollstuhlfahrer richten, Griffleisten bei den Eingangsstiegen, Induktionsschleifen für Hörbehinderte, Großdruckausgabe des Gotteslob für Sehbehinderte ... Manche dieser Anliegen können von beiden Ausschüssen gemeinsam an den Pfarrgemeinderat herangetragen werden.

 

Wir sind aneinander verwiesen, aufeinander angewiesen,

füreinander verantwortlich.

Durch die Gemeinschaft im Hören des Wortes,

im Feiern des Mahles, im Essen des Brotes wird

jeder jedem wichtig und wertvoll,

sodass wir versuchen, einander Gutes zu tun,

einander vor Bösem zu bewahren, einander zu versöhnen,

einander zurechtzuweisen.

Jesus gibt uns die Kraft, es im Geist der Liebe zu tun.

K. M. Leicht

 

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Gottesdienst und Nächstendienst

 

 

Zitate

 

Jes 1,10-17: Hört das Wort des Herrn ... Eure Neumondfeste und Feiertage sind mir in der Seele verhasst, sie sind mir zur Last geworden ... Hört auf, vor meinen Augen Böses zu tun! Lernt, Gutes zu tun! ... Helft den Unterdrückten … .

 

Hosea 6,6: Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis, nicht Brandopfer!

 

Mt 5,23: Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder

etwas gegen dich hat, so lass diese Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.

 

Mt 25,31-46: Vom Weltgericht: "...denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben... Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan."

 

Lk 13,35: Ein neues Gebot gebe ich euch, liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

 

Röm 12,1f: Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder (und Schwestern), euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst.

 

Röm 13,8: ... Nur die Liebe schuldet ihr einander immer ... Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

 

Gal 3,26ff: Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.

 

1 Joh 3,13-14: Wir wissen, dass wir vom Tod zum Leben hinübergeschritten sind, weil wir die Brüder (und Schwestern) lieben.

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"Esst, was ihr seid: Leib Christi! Werdet, was ihr esst: Leib Christi!" (Augustinus)

 

"Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist." (Dietrich Bonhoeffer, evang. Theologe)

 

"Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts."

 

"Eucharistie ist die Quelle der Caritas." (Theo Gunkel, ehem. Pfarrer einer Leipziger Arbeiterpfarre)

 

"Die Eucharistie ist die Caritas par excellence, die höchste Form der Diakonie." (Helmut Schüller, ehem. Caritasdirektor)

 

"Wir sollten doch einsehen, dass die Gottlosigkeit (d. h. die christlichen Gemeinden, die "gottlos" galten, weil sie die Verehrung der römischen Gottheiten ablehnten) nur deshalb Boden hat gewinnen können, weil sie sich liebevoll um Fremde gekümmert oder auch für die Bestattung Friedhöfe besorgt hat, zu schweigen von ihrer strengen Lebensführung, einerlei, ob sie bloß äußerlich war oder nicht!" (Kaiser Julian (361-363))

 

"Liturgische Gemeinschaft ist also eine Lüge, wenn sie nicht Ausdruck gegenseitiger Taten der Liebe ist und zu Taten der Nächstenliebe führt. Gottesliebe lässt sich nicht von der Liebe zu den Menschen trennen, und Liebe zu den Menschen ist Gottesliebe. Der konkrete Dienst an Mitmenschen macht fähig zu aufrichtiger Teilnahme an der Liturgie und zu glaubwürdiger Verkündigung." (Wilhem Zauner, Pastoraltheologe)

 

"Das Brotbrechen und die brüderliche Gemeinschaft leben voneinander. Sie werden beide krank, wenn eines von beiden verkümmert. Der schönste Gottesdienst ist nichts ohne die Liebe, aber auch die Caritas, das vornehmste Ziel der Seelsorge, verliert ihren Charakter und ihre Orientierung, verflacht und verkümmert, wenn sie nicht mehr mit der Quelle verbunden ist." (Theo Gunkel)

 

"Wenn Liturgie nicht Diakonie ist, dann gerät sie zum Versuch, das Leben durch ein bisschen Feierlichkeit zu verzieren, wobei es ohne Belang ist, ob in progressiver oder konservativer Form." (Helmut Schüller)

 

"Das Schicksal der Kirche wird in der kommenden Zeit ... abhängen von der Rückkehr der Kirchen zur "Diakonie": in den Dienst der Menschheit. Und zwar in den Dienst, den die Not der Menschheit bestimmt, ... Es wird kein Mensch an die Botschaft vom Heil und vom Heiland glauben, solange wir uns nicht blutig geschunden haben im Dienst des physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, sittlich oder sonstwie kranken Menschen ... "Geht hinaus" hat der Meister gesagt, und nicht: "Setzt euch hin und wartet, ob einer kommt"..." (Alfred Delp, aus der Gefängniszelle der Gestapo)

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"Verachte die Erniedrigten nicht, als hätten sie keine Würde. Bedenke, wer sie sind, dann findest du ihre Würde. Sie haben das Aussehen unseres Erlösers angenommen. Denn er hat ihnen in seiner Liebe zu den Menschen sein eigenes Aussehen geliehen, damit sie dadurch diejenigen beschämen ..., die mitleidlos sind und sich nicht um die Armen kümmern." (Gregor von Nyssa (+394), Bischof)

 

"Wenn der Nächste aus unserer Zwiesprache mit Christus verschwindet, dann hat unsere Gottesliebe nicht den Christus des Evangeliums zum Inhalt." (Frere Roger, Taize)

 

"Wir werden einst nicht nach der Zahl unserer Kommunionen beurteilt werden, sondern danach, wie wir ihm begegnet sind, in den Geringsten der Brüder. Das ist schwer und dazu brauchen wir Kraft und Nahrung, und dazu ist uns das Brot gegeben, in dem wir den Auftrag, aber auch die Kraft empfangen." (Theo Gunkel)

 

"Am sozialen Verhalten also misst sich würdiges Verhalten in der christlichen Eucharistiefeier. Erst danach kommt die heute meist überbetonte subjektive Hochachtung vor dem heiligen Brot als den Leib Christi. Die Feier des Abendmahls in der christlichen Gemeinde kennt weder Rasse noch Klasse, weder Sklaven noch Freie. Aus der speisend-stärkenden Hand Christi werden hier alle untereinander eins." (Arno Schilson, Dogmatiker)

 

"Die christliche Gemeinde wird nur auferbaut, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat ... Diese Feier ist aber nur dann aufrichtig und vollständig, wenn sie zu den verschiedenen Werken der Nächstenliebe und zu gegenseitiger Hilfe ... führt." (Konzilsdekret über Dienst und Leben der Priester, Nr.6)

 

"Durch ihre gottesdienstlichen Feiern und durch das, was darin geschieht, bekennen sie (die Christen) ihren Glauben, der sich vollendet, wenn er in der Liebe wirksam wird". (Deutsche Synode)

 

"Von der Hoffnung zu singen ist ein unersetzlicher Dienst an der Menschheit." (Deutsche Synode)

 

Nicht nur die Diakonie braucht die Orientierung am Reich Gottes, an der wirklichen Zukunft der Menschen, ebenso die Liturgie, in der ja schon ein Stück dieses Reiches Gottes anbricht und dieses neue Reich schon gefeiert wird. Wird im gottesdienstlichen Feiern und im Miteinander der Gläubigen nicht schon ein Stück weit erfahrbar, was Nächstenliebe und Zuwendung heißt, bleibt die Feier unglaubwürdig, folkloristische, falsch.

 

Zusammenstellung: Hans Stockhammer, Linz 2002

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Stand: 07. Oktober 2008