Feier der Grablegung

Andachten am Heiligen Grab

Sakramententheologische Überlegungen

Wir beten im Glaubensbekenntnis: "... gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten ..." In unserer Liturgietradition wird das Gedächtnis des Leidens und Sterbens in der Karfreitag-Liturgie intensiv und schön gefeiert. Für die Grablegung und das Hinabsteigen in das Reich des Todes haben wir aber kaum Feierformen entwickelt, die diesem Ereignis unseres Heiles in etwa entsprechen. Der Karsamstag wird vielerorts - zumindest im Süden Österreichs - von zahlreichen Osterspeisensegnungen dominiert. In sehr wenigen Pfarren wird an diesem Tag die Liturgie des Stundengebetes in der Form einer Trauermette gefeiert. In manchen Pfarren aber gibt es noch "Andachten beim Heiligen Grab", die sehr oft als eucharistische Andachten gefeiert werden.

Die orthodoxe Karwochenliturgie kennt dagegen eine faszinierende Liturgie der Grablegung, bei der besonders die Hymnen am Grabe Christi auffallen. Diese drücken das Stammeln und Klagen der Christen vor diesem unfassbaren Ereignis aus:

Der, der den Menschen gebildet hat, liegt tot im Grabe.

Dadurch hat Er die Menschen von ihrer tiefsten Wunde erlöst,

weil Er das göttliche Licht bis in das Reich der absoluten Finsternis gebracht

und so alle Dunkelheit überwunden hat.

In unseren Kirchen sind Lieder dieses Inhalts fast ganz verstummt, obwohl auch wir eine reichhaltige Tradition der Grabesandachten haben. Die vielerorts noch anzutreffenden "Heilig-Grab-Aufbauten" sind Zeugen dieser Frömmigkeit, auf die wir nicht vorschnell als sekundäres Element verzichten wollen, sondern die zur Feier unseres Glaubens an die Erlösung durch Christus dazugehören. Die Bedeutung des Bekenntnisses vom "Hinabsteigen in das Reich des Todes" ist uns zwar nicht sofort zugänglich, könnte aber gerade durch eine entsprechende Feier am Karsamstag uns neu bewusst werden.

Der Tod und die Auferstehung Jesu ist nicht ein Ereignis, das nur ihn allein trifft: Wenn Jesus ins Grab gelegt wird und in das Reich des Todes hinabsteigt, so sind wir auch davon mitbetroffen. Sein Tod bringt uns das Heil, denn selbst im ,Tot-sein` ist ER das Licht für uns. ER ist gestorben, damit ER den Menschen von seiner Verfallenheit an den Tod befreit. Die Auferstehungsikone der orthodoxen Tradition bildet diese Glaubensüberzeugung sinnenfällig aus: Christus nimmt den Menschen (Adam und Eva), der dem Tode ausgeliefert ist, bei der Hand und führt ihn aus dem Reich des Todes und der Finsternis in das Reich des Vaters. Die dritte Strophe des Osterliedes "Wir wollen alle fröhlich sein" (GL Nr. 223) besingt dieses Ereignis unseres Heiles: "Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod."

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Pastoralliturgische Fragen

Im Anschluss an die Kommunionfeier am Karfreitag waren die Feiern der Grablegung vielerorts geprägt von Übertragung des Allerheiligsten zum Heiligen Grab oder zu einem Seitenaltar, wo es (vielleicht) eine Darstellung des Leichnams Jesu im Grabe gibt. Demzufolge waren auch die "Grabandachten" oft eigentlich eucharistische Anbetungsstunden.

Um dieses Ereignis der Heilsgeschichte inhaltlich in rechter Weise feiern zu können, müssten wir einiges neu überdenken: "Die traditionelle Form des Heiligen Grabes und die damit verbundene Aufbewahrung des Allerheiligsten ist mit den heutigen liturgischen Weisungen nicht zu vereinbaren. Dabei ist zu beachten, dass nicht das Heilige Grab als Darstellung des begrabenen Christus, wie es ja vor allem im süddeutschen-österreichischen Raum üblich ist, unvereinbar ist, sondern die Verbindung mit der Aufbewahrung des Allerheiligsten." (vgl. LKÖ-Heft 16: Ostern feiern. Hilfen zur Gestaltung des Osterfestkreises. 1995. S. 53)

Christus ist gestorben und begraben worden - der Bräutigam ist uns genommen

Es ist richtig, dass die "eucharistische" Gestaltung der Grablegung und der Grabandachten in unseren Breiten eine lange Tradition hat. Aber warum sollten wir nicht um der Wahrhaftigkeit willen alte Traditionen neu überdenken?

Das Messbuch weist uns dazu die Richtung: "Nach der Kommunionspendung am Karfreitag wird das Gefäß mit den übriggebliebenen Hostien durch einen dafür Beauftragten an einen dafür bereiteten Ort außerhalb der Kirche gebracht" (Messbuch - Heilige Woche, S. 61, Nr. 26). Die Übertragung der übriggebliebenen Hostien (durch einen Kommunionspender) erfolgt also vor der Feier der Grablegung. Mögliche Aufbewahrungsorte "außerhalb der Kirche" können sein ein u. a. entsprechender Nebenraum der Kirche oder gegebenenfalls auch ein geeignetes Zimmer im Pfarrhof, in dem Gläubige zur Verehrung des Allerheiligsten verweilen können. Jedenfalls sollte zum Zeichen, dass uns an diesem Tag der Bräutigam "genommen" ist, der Tabernakel leer sein und offen gelassen werden.

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Die Grablegung und Grabandacht durch ein Bild unterstützen

Im Rundschreiben der Gottesdienstkongregation über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung (vom 16.1.1988, Nr. 74) heißt es: "Ein Bild Christi - am Kreuz, im Grab ruhend oder zum Reich des Todes hinabsteigend -, das das Geheimnis des Karsamstags veranschaulicht, oder auch ein Bild der schmerzhaften Mutter, kann in der Kirche zur Verehrung durch die Gläubigen aufgestellt werden" Wenn es in der Kirche keine Darstellung des im Grabe ruhenden Christus gibt, findet sich wahrscheinlich ein Bild der 14. Kreuzwegstation (Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt).

Das Bild bzw. die Darstellung soll für die Prozession (nach der Kommunionfeier) bereitgestellt werden. Weiters können bei der Prozession (zur Grablegung) können mitgetragen werden: das Kreuz, die Leuchter, geeignete Blumen zum Schmücken des Grabes, das Evangelienbuch zum Verlesen des Abschnittes vom Begräbnis Jesu (Joh 19,38-42.

Mag. Erwin Löschberger, Graz 2002

 
 
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Stand: 07. Oktober 2008