Familiengottesdienste /
Kindergottesdienste
Liebe User!
Da unsere Impulse weniger auf Familien- und
Kindergottesdienste ausgerichtet sind, möchten wir Ihnen einige grundsätzliche
Hinweise zur Gestaltung dieser Gottesdienste geben sowie auf hilfreiche
Unterlagen verweisen.
Gottesdienst mit Kindern
Überlegungen und Möglichkeiten
1. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier aktiv
sein können.
Kinder haben einen großen Drang zum Leben.
Sie wollen grundsätzlich aktiv sein, sich am Leben beteiligen und daher ist es
für sie schlimm, wenn sie den Eindruck haben, dass es in der Liturgie darum
geht, dass sie ruhig gestellt sind und möglichst wenig auffallen. Kinder sollen
bei jedem Gottesdienst irgend etwas Aktives einbringen können.
Möglichkeiten:
den Altartisch decken (Altartuch, Blumen, Kerzen, Gaben); beim Gabengang
könnten Kinder ganz dünne Kerzen zum Altar bringen und diese dann in eine
Schale mit Sand stecken (das ist auch bei der Evangelienprozession möglich);
Gaben in einer Gabenprozession bringen; beim Vaterunser um den Altar aufstellen
und mit dem Priester die Hände zu Gott erheben; den Friedensgruß an die
Mitfeiernden in der Kirche austeilen; bei der Tauffeier: Kinder dürfen den
Täufling mit Kreuz auf die Stirn segnen; Kinder dürfen ihre eigene Taufkerze
mitnehmen und entzünden.
Kinder sollen erfahren: Mein Beitrag in der Liturgie ist wichtig!
2. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier ernst
genommen werden.
Nach dem Vorbild Jesu sollen die Kinder
immer, also auch in der Liturgie ernst genommen werden, und zwar mit ihren
Gedanken, Erlebnissen und überhaupt mit ihrem kindgemäßen Erleben der
Wirklichkeit, die von Jesus im übrigen als besonders geeignet für das
Eintreten ins Himmelreich hingestellt wird (vgl. Mk 10,15).
Möglichkeiten:
Kinder oft bewusst ansehen (verschafft An-sehen) und ansprechen (Kinder sind
anspruchs-voll): in Predigtgesprächen oder an anderen Stellen in der Liturgie;
direkte und indirekte Kinderzitate einbauen; Erfahrungen und Erlebnisse von
Kindern einbauen und deuten; auch "Störungen" ernst nehmen, sie
vielleicht sogar aufgreifen.
3. Kinder wollen und sollen sich in der Liturgiefeier
bewegen können.
Leben ist Bewegung, was man bei Kindern
besonders gut beobachten kann. Kinder drücken ihr Befinden, ihre Stimmungen
normalerweise spontan auch leiblich aus. Kinder wollen feiern mit Leib und Seele
und auch in der Liturgiefeier eine reichhaltige Gebärdensprache erleben und
leben können.
Möglichkeiten:
viele Lieder, zu denen es Bewegungen gibt, die den Inhalt des Liedes sichtbar
machen und verstärken (I love Jesus, Vor mir hinter mir, Gottes Liebe ist wie
die Sonne, Von Mensch zu Mensch, Gottes Liebe ist so wunderbar, ...); Bewegungen
zum Vaterunser; einfache Kreistänze um den Altar; Gebetshaltung mit Priester
(Manchmal, wenn sich Kinder frei fühlen und bei der Sache sind, machen sie
spontan mit dem Priester die Orantenhaltung oder andere Haltungen mit. Warum
nicht bewusst dazu einladen?); oder Klatschen zum Singen; Stationengottesdienste
mit Prozession dazwischen (z. B. Karfreitagsliturgie auf Kalvarienberg;
Palmprozession); bei Evangelienprozession und/oder Gabengang mitgehen.
4. Kinder wollen und sollen auch in der Liturgiefeier
spielen können.
Spielen ist - speziell für Kinder -
eine Art, mit der Wirklichkeit umzugehen und Wirklichkeit zu erleben. Außerdem
ist Spielen eine wichtige Lernform der Kinder. Kinder spielen grundsätzlich
gerne, weil das Spielen etwas Schönes ist. Kinder können gut in andere Rollen
schlüpfen und diese dann von innen erleben. Spielen hat auch
Identifikationsfunktion und ist für den Glauben sehr hilfreich.
Möglichkeiten: - vor allem in kleineren
Gruppen und bei Kinder-Wort-Gottes-Feiern: spielen von
biblischen Geschichten (Lesungen, Evangelien) oder anderen geeigneten
Geschichten; Schattenspiele; z. B. Nachspielen des Einzugs in Jerusalem mit
Kindern in einigen Hauptrollen (Jesus, Apostel, ev. echter Esel, auf dem Jesus
reitet), das Letzte Abendmahl mit Kindern als Apostel, denen von Jesus (ev.
Priester) die Füße gewaschen werden, ... Gleichnisse eignen sich sehr gut: z.
B. Gleichnis vom Guten Hirten. Oder beim Martinifestzug kann ein Kind den
heiligen Martin spielen und eine Predigt halten (natürlich gut mit ihm
vorbereitet).
5. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier Nähe
spüren können.
Kinder brauchen Zuwendung und Nähe. Die
Liebe, Zuwendung und Nähe Gottes können und sollen sie konkret erleben in der
Liebe, Zuwendung und Nähe der Menschen. Das gilt auch für die Feier der
Liturgie. Im Gegensatz zu vielen Erwachsenen wollen Kinder in der Nähe des
Altars und des Priesters sein. "Lasst die Kinder zu mir kommen" (Mk
10,14) sagt Jesus und diesen Auftrag müssen wir versuchen auch ganzheitlich
umzusetzen, damit sie die Erfahrung machen können, dass Jesus "ihnen die
Hände auflegt und sie segnet".
Möglichkeiten: in
die Nähe des Altars holen (natürlich muss es entsprechend einladend sein, z.
B. mit Teppich vor Altar); Handhaltung; Kreuzerl auf die Stirn bei
Kommunionspendung und vielleicht manchmal auch als Einzelsegen beim
Schlusssegen; Nähe schaffen auch durch häufigen Augenkontakt; Kindern sollen
dabei die Erfahrung der spürbaren Gemeinschaft mit Gott und untereinander
machen.
6. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier die
Freude erleben können.
Kinder wie alle Menschen suchen die
Freude und sie gehen gerne dort hin, wo sie Freude erleben und leben können.
Wir verkünden und feiern eine Frohbotschaft und Kinder sollen das auch spüren.
Möglichkeiten:
das Wichtigste ist, dass man selber mit Freude zum Gottesdienst geht und mit
Freude mitfeiert. Die Stimmung z. B. des Vorstehers und der aktiv Beteiligten
überträgt sich stark auf die Mitfeiernden. Ein fröhliches Gesicht kann Wunder
wirken; durch entsprechende Lieder und Musik kann man sehr viel beitragen zur
Freude; Kinder einladen, ihr Freude auch auszudrücken z. B. durch Klatschen,
Schwingen oder Tanzen; es darf auch ruhig einmal gelacht werden in der
Liturgiefeier.
7. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier sichtbare
Zeichen haben können.
Das Gesehene prägt sich viel tiefer ein
als das Nur-Gehörte. Sichtbare Zeichen sind hilfreich sowohl direkt in der
Feier der Liturgie zum Anschauen, Betrachten als auch zum Mitnehmen als Geschenk
und gleichzeitig als Erinnerung an die Feier. Anhand des Mitgenommenen
transportieren sie auch Inhalte in ihren Alltag, in ihre Familie, in die Schule
etc. mit. Vor allem sollte man die zentralen Zeichen der Liturgie entsprechend
vollziehen.
Möglichkeiten:
Symbole und Anschauungsmaterial im Gottesdienst einbauen; zum Mitnehmen z. B.
einen Zettel mit Vordruck zum Ausmalen; einen Wollfaden (an den Kartagen jeden
Tag in einer anderen Farbe: Palmsonntag weiß, Gründonnerstag gelb, Karfreitag
schwarz, Ostern bunt); Samenkorn zum Einsetzen; Krippe aus Papier, jeden
Adventsonntag einen Teil zum Zuhause basteln.
8. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier alle
Sinne verwenden können.
Kinder wollen etwas be-greifen,
ein-sehen, ver-stehen, ver-kosten, manches schmeckt und anderes ist
geschmack-los oder kotzt uns an, manches lässt auf-horchen und anderes ist
un-er-hört, manches riecht nach Leben, anderes stinkt uns an, manches berührt
und bewegt uns, anders haut uns nicht vom Hocker, manches ist wie Balsam auf
unsere Seele und anderes reibt uns auf oder kratzt an uns, u.s.w. Wir leben sehr
stark von unseren Sinnen und erfahren auch Sinn von unseren Sinnen. Kinder
wollen möglichst alle Sinne in der Liturgie gebrauchen können, um den Sinn
unseres Lebens zu erfahren und zu feiern.
Möglichkeiten:
Verwendung von Licht und Bildern, Blumen, Weihrauch und Düften, ausgewählten
Liedern und Musik, Gegenständen zum Berühren; ...
9. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier Echtheit
erleben können.
Kinder spüren sehr deutlich, ob Inhalt
und Ausdruck unseres Redens und Handelns zusammen stimmen. Sie wollen
Stimmigkeit, Authentizität in unseren Feiern. Ich kann nicht sagen, wir sind
alle Schwestern und Brüder und gleichzeitig meinem Sitznachbarn ein "Hackl
ins Kreuz hauen". Ich kann nicht voll Freude Gott loben wollen im Gloria
und das mit GL 802,2 mit einer finsteren Miene und im Schneckentempo mit
Kaugummieffekt. Wenn der Inhalt dessen, was wir feiern, nicht im Ausdruck
spürbar wird, glauben die Kinder uns nicht und das zurecht. Zur Echtheit
gehört auch, dass in der Liturgie nichts gekünstelt sein soll, weder die
Sprache noch die Haltungen, Handlungen und Gebärden. Kinder brauchen etwa eine
kindgerechte Sprache, aber keine kindische Sprache. Kinder wollen keine
Übertreibungen oder eine Show.
Möglichkeit:
überprüfen unserer Feiern auf Echtheit und Stimmigkeit; suchen z. B. von
entsprechenden Liedern und Ausdrucksformen, die dem Inhalt und den Kindern
entsprechen. Bei allem, was ich in der Liturgie spreche, fragen, wie ich das
daheim meinen Kindern sagen würde.
10. Kinder wollen und sollen die Liturgiefeier als etwas
erleben können, das zum Leben insgesamt gehört und nicht etwas Isoliertes ist.
Die Liturgie ist Feier unseres Lebens
und Glaubens. In die Liturgie soll unser Leben einfließen, persönlich und in
der Gemeinschaft vor Gott gebracht werden und es soll wieder gestärkt für den
Alltag werden. Kinder sollen spüren, dass ihr Leben in der Liturgiefeiern
gemeint und mit drinnen ist und dass sie für ihr Leben gestärkt werden.
Möglichkeiten:
das Leben der Kinder bewusst zur Sprache bringen oder bringen lassen, ihre
Lebenswelt, ihre Erfahrungen. Voraussetzung dafür ist, dass man als in der
Liturgie Verantwortliche/r das Leben der Kinder kennt. Daher ist für die
Liturgiefeier mit Kindern das Davor und Danach sehr wichtig. Ich muss z. B. als
Priester auch außerhalb der Liturgie die Beziehung mit den Kindern pflegen. Je
mehr ihr Leben in meinem Leben eine Rolle spielt, und je mehr mein Leben in
ihrem Leben eine Rolle spielt, desto besser wird auch das Miteinander-Feiern
unsers Lebens und Glaubens gelingen können.
Mag. Stefan Ulz,
Jungscharseelsorger, Graz
(leicht bearbeitet)
Verschiedene Formen sonntäglicher
Gottesdienste
Der "normale" Sonntagsgottesdienst: Kinder
feiern mit
Es ist selbstverständlich geworden, dass
Eltern ihre Kinder in den Gottesdienst mitnehmen. Ziel des pfarrlichen
Sonntagsgottesdienstes ist das gemeinsame Feiern aller Altersgruppen. Wenn es
nicht mehr möglich ist, dass jung und alt miteinander feiern, ist für eine
Pfarrgemeinde höchster Handlungsbedarf. Auch bei sogenannten
"normalen" Sonntagsgottesdiensten soll darauf geachtet werden, dass es
ein Element gibt, wo die Kinder besonders angesprochen werden.
Familienmessen / Kindermessen
Der Kinderliturgiekreis oder eine andere
kinderverbundene Gruppe gestaltet aus der Perspektive der Kinder einen
Gottesdienst "für" die Gemeinde, um gemeinsam mit der großen
Feiergemeinde zu beten und zu singen. Familien tragen einerseits die
Vorbereitung und sind zugleich auch die besondere Zielgruppe dieser
Gottesdienste. (Z. B.: Jungscharmessen, MinistrantInnenaufnahme, Adventsonntag,
Fasching, ...)
Kinder-Wortgottesdienste
Eigenständige Gottesdienste, an denen vor
allem (kleinere) Kinder teilnehmen. Die vielfältigsten Formen ganzheitlichen
Kommunizierens prägen diese Feiern. Wenn die große sonntägliche
Gottesdienstgemeinde und die Wortgottesdienstgemeinde der Kinder im Rahmen der
Sonntagsmesse wieder zusammengeführt werden sollen, ist auf einen guten
Einstieg und Übergang zu achten. Wenn vom Kindergottesdienst ein Element in die
Messe eingebracht wird, darf das nicht den Charakter einer Aufführung oder
eines Berichts erhalten.
Behelfe – Unterlagen:
• Heike Helmchen-Menke,
GOTT ENTDECKEN - SCHRITT FÜR SCHRITT. Kindgerechte Gottesdienste gestalten.
Herder Verlag, Freiburg i. B. 1998. 160 Seiten. Das Buch bietet neben Anregungen
zur Gestaltung vor allem eine sehr lesenswerte Auseinandersetzung mit dem Thema
"Das Kind - seine relig. Entwicklung: - Was heißt dies für die
Kinderliturgie?
•
"KINDER-GOTTESDIENST-GEMEINDE". Hilfen für den Kinder- und
Familiengottesdienst. Herausgeber: Referat für Kinderpastoral im Pastoralamt
der Diözese Linz. Jährlich erscheinen meist fünf Gottesdienstvorschläge zu
verschiedenen Anlässen bzw. Zeiten des Kirchenjahres. (Einzelpreis ca. €
2,18,--). Auch im Jahresabonnement möglich. (Erhältlich im Behelfsdienst des
Pastoralamtes Linz: Tel.: 0732/7610-3813)
• "EFFATA".
Zeitschrift für Kinderliturgie. Abgeschlossene Zeitschrift der Katholischen
Jungschar der Erzdiözese Wien - jetzt als Sammelbände erhältlich. Je zwei
Bände pro Lesejahr (Gottesdienstmodelle zu den Evangelien oder zu den
Lesungen). Es werden Gottesdienstvorschläge zu jedem Sonn- und Feiertag
angeboten. Preis pro Band € 18.90 (Behelfsdienst Linz)
• Hermann-Josef Frisch, IN
GEMEINSCHAFT FEIERN. Wortgottesdienste für Familien mit Kindern. Lesejahr A.
Patmos-Verlag, Düsseldorf 1998; 190 Seiten; Lesejahr B: ZUM GEHEIMNIS FINDEN ,
1999; Lesejahr C: Vom Leben erzählen, 1997
Vorbildliche Erschließung der Vorbereitung aus dem Gotteswort; die
Gestaltungsimpulse sind nicht fertig ausgeführt, sondern als Anregungen zur
eigenen Umsetzung gedacht. Das Buch bietet Vorschläge für alle Sonn- und
Feiertage.
• Aus der Reihe "Laien
leiten Liturgie":
- Ilse Brachtendorf u. a.,
Wortgottesfeiern mit Kindern. Kinderliturgie parallel zur Messe. Butzon &
Bercker, Kevelaer 2000; 127 Seiten. Gute inhaltliche Orientierung über das
Feiern von Kindern und Erwachsenen am Sonntag; mit einigen konkreten
Textbausteinen
- Ilse Brachtendorf u. a.,
Wortgottesfeiern mit Kindern – 2. Kinderliturgie im Jahreslauf. Butzon &
Bercker, Kevelaer 2001; 136 Seiten. Hilfreiche Ausführungen über: Was macht
einen Gottesdienst zum Gottesdienst? Und: Von der Kunst, mit Kindern
Gottesdienst zu feiern. Konkrete Feierimpulse
• RICHTLINIEN FÜR
KINDERMESSEN. Texte der Liturgischen Kommission Österreichs, Nr. 1, oder
online:
Link:
Direktorium
für Kindermessen