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Die Exodus-Lesung der Osternacht
"Jahwe errettet jene, die an ihn
glauben
und schenkt ihnen neues Leben!"
Ex 14,15 – 15,1
Hilfen zur Hinführung
Viele Gläubige stoßen sich an der Lesung
aus dem Buch Exodus in der Osternacht, Ex 14,15 – 15,1, der Erzählung vom
Durchzug durchs Schilfmeer oder von der Rettung am Schilfmeer. Für nicht wenige
Seelsorger wird diese Lesung zum pastoralen Problem. Folgende Hilfen können zu
einem besseren Verständnis beitragen:
1. Vorbereitung der Gemeinde während der
Österlichen Bußzeit
(A) Vorbereitende Einführung:
entweder innerhalb einer Bibelrunde oder
eines Bibelabend zu Ex 14,15 – 15,1
(Anlage 1, Anleitung von Frau Mag. Maria
Wöhrnschiml, Linz)
oder Vortrag bzw. Bibelarbeit: "Die
Lesungen der Kar- und Osterliturgie."
(B) Predigt am 3. Fastensonntag
(Anlage 2: Gedanken zur Predigt von Frau Dr.
Roswitha Unfried, Linz)
2. In der Feier der Osternacht
- Hinführende Überschrift
zur Lesung aus Ex 14,15 – 15,1 z. B.:
"Gott rettet aus auswegloser Not".
oder:
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Einleitung zum Schrifttext: |
"Nach der Lesung von der Erschaffung
der Welt (und dem Opfer Abrahams) hören wir nun von der Rettung des
Gottesvolkes aus aussichtsloser und tödlicher Gefahr. Immer wieder ist dieses
rettende Handeln Gottes als Antwort auf schwierige Lebenssituationen und
Lebensfragen verkündet worden. Das gläubige Bekenntnis von der Rettung durch
Jahwe findet sich in der ganzen Bibel. Schließlich bedeutet der Name Jesus:
"Jahwe ist Rettung".
oder:
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Erklärung (zur eigenen persönlichen
Vorbereitung) und Hinweise für eine Einleitung in der Osternacht;
(von Felix Gradl in der "Lektorenbibel", Bibelreferat der
Erzdiözese Salzburg) |
Der Text vom Durchzug durch das Rote Meer
(Schilfmeer) darf bei einer Auswahl der Lesungen nie entfallen. Die Rettung am
Schilfmeer war bereits für das alttestamentliche Gottesvolk mehr als ein rein
geschichtliches Ereignis. Es war das Ereignis schlechthin: Hier hat Gott sich
als machtvoll und mächtig erwiesen (gegenüber den sich mächtig gebärdenden
Göttern – Pharao – der Ägypter), hier hat er auf das geknechtete und in
seiner Existenz bedrohte Volk der Hebräer geschaut, hier hat er sie der
Sklaverei entrissen und zu seinem Volk gemacht: "Ich bin Jahwe, dein
Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus" (Ex 20,2;
vgl. 19,4).
Schon das Alte Testament hat dieses
konkrete Ereignis auf das befreiende Tun Jahwes überhaupt übertragen. Das
Neue Testament nimmt Elemente und Begriffe des Auszugs auf, um die durch
Christus geschaffene Wirklichkeit zum Ausdruck zu bringen. Das Ereignis
schlechthin ist für den Christen die Auferstehung Jesu: in der Osternacht
ereignet sich der Auszug des neutestamentlichen Gottesvolkes. Durch den Tod
und die Auferstehung Jesu wird der Christ aus der Macht des Todes befreit, dem
Bösen entrissen und hinein genommen in die befreiende Wirklichkeit Christi,
in der Osternacht darf der Christ den Christus feiern als Sieger über Sünde
und Tod.
Der vorliegende Text setzt sich aus
verschiedenen literarischen Schichten zusammen, woraus sich manche
Ungereimtheit erklärt:
Der Hauptbestand gehört einer in der 2.
Hälfte des 6. Jahrhunderts verfassten Schicht an
("Priesterschrift"). In dieser bekommt Mose den Auftrag, die Hand
auszustrecken, um dadurch das Meer zu spalten. Die Israeliten können
trockenen Fußes zwischen den Wassermassen hindurch ziehen. Nach ihrem
Durchzug streckt Mose die Hand wieder aus, die Wassermassen brechen zusammen
und ertränken die verfolgenden Ägypter.
Die ältere Überlieferung ("Jahwist")
weiß zu erzählen, dass Jahwe durch einen Ostwind das Meer austrocknen ließ.
Die Israeliten und die ägyptischen Verfolger konnten durch das Meer ziehen.
Dann aber brachte Gott eine Panik über die Ägypter, sodass sie zurück
flohen und geradewegs ins Meer hineinliefen, das inzwischen überflutet war.
Dem Verfasser geht es darum, in aller Deutlichkeit zu zeigen, dass der Jahwe,
der Gott der Israeliten, stärker ist als die Götter Ägyptens. Daher
erklärt sich auch die Verhärtung der Ägypter (Ex 14,17). Mit Recht darf der
Israelit über die Größe des wahren, seines Gottes jubeln. Genauso darf der
Christ jubeln über die Macht und Überlegenheit des Christus, der in seiner
Auferstehung den Tod, das Böse und den Bösen entmachtet hat.
Innerhalb der Osternachtfeier kann zur
Lesung Ex 14,15 – 15,1 diese oder eine ähnliche Zusammenfassung vorgetragen
werden:
Für den Menschen sind die Wogen und
Gewalten des Meeres eine beängstigende Bedrohung. Bei manchen Orientalen
wurde das Meer sogar als Gott verehrt. Für Jahwe gibt es keine Gegengötter.
Seine Macht zeigt er durch Mose, der durch Gottes Ermächtigung die
Wassermassen bändigen konnte. Israel wurde gerettet.
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Anlage 1:
Unterlage für eine Bibelrunde bzw. für
einen Bibelabend
Anliegen:
So wie das Volk Israel im Laufe seiner
Geschichte immer wieder die Erfahrung machte, dass Jahwe das Leben schenkt und
ihnen dieses Leben selbst in Situationen äußerster Bedrohung neu zuspricht, so
gilt diese Zusage auch für unsere Generation. Auch unser Leben ist vielfach
bedroht und gefährdet.
Verlauf des Bibelabends
1. Einstimmung:
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Musste ich schon einmal Momente oder
Zeiten äußerster Bedrohung oder tödlicher Erfahrungen miterleben? Z. B.
Krankheit, Unfall, tödliche Beziehungen in Ehe oder Nachbarschaft,
Unterdrückung durch ein politisches Regime oder durch einen Arbeitgeber? |
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Wie ist es mir damals ergangen? |
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Jede/Jeder versucht, Gefühle, die
damals auftauchten, in einem Bild festzuhalten (Wachsmalstifte).
Was hat mich aus dieser Situation
gerettet? Vielleicht erzählt der Leiter / die Leiterin ein Beispiel zum
besseren Einstieg. |
2. Zur Erklärung zur Schriftstelle: Ex 14,15-31;15,21
Der "Auszug aus Ägypten" war für
Israel das zentrale Ereignis in seiner Geschichte. Da das Volk immer neu die
Erfahrung machte, dass Jahwe der Spender allen Lebens ist, wurde dieser Glaube
gerade in Zeiten der Bedrohung und des Untergangs zum wichtigsten
Glaubensinhalt.
Seinen Ursprung hatte dieser Glaube gerade
in einer realen geschichtlichen Tatsache, die sich jedoch nicht mehr bis ins
Detail rekonstruieren lässt. Jedoch soviel lässt sich sagen: Im 13. Jh. v.
Chr. zogen halbnomadische Vorfahren der Israeliten wegen einer Hungersnot nach
Ägypten. Dort bekamen sie Arbeit und Brot. Allerdings zu einem sehr hohen
Preis: Denn Ramses II (1290-1225 v. Chr.) zog sie zu schwerster Fronarbeit
heran. Für die Freiheit gewohnten Nomaden ein unerträgliches Leben in
Sklaverei.
Widersprüche und Ungereimtheiten im
vorliegenden Text machen auf unterschiedliche Traditionen aufmerksam: Das eine
Geschehen des Auszugs wurde sowohl von der jahwistischen Tradition (ca. 900 v.
Chr. hat auch ihren Namen von dem in ihr bevorzugten Gottesnamen Jahwe) als auch
durch die Priesterschrift (P) überliefert.
(P entstand während des Babylonischen Exils
587-538 v. Chr., als die Priester die Glaubenstradition neu überdachten, um im
Volk Glaube und Hoffnung neu zu stärken. Eher förmliche Sprache).
Im Grunde geht es immer um die eine
Glaubenserfahrung: Jahwe selbst ist mit Israel. Er errettet jene, die an ihn
glauben und schenkt ihnen neues Leben! (vgl. Ex 15,21) Die Ägypter stehen dabei
außerhalb ihrer theologischen Überlegungen.
3. Fragen an den Text:
a) Wie wird die Rettung im unterstrichenen
Text beschrieben, wie im anderen? Warum diese unterschiedliche Darstellung?
b) Was stört Sie am Text? Wie könnten Sie
versuchen, die Schwierigkeiten zu lösen?
c) Suchen Sie bitte den wichtigsten Vers!
Warum meinen Sie, dass dies der wichtigste Vers ist?
4. Fragen an mein eigenes Leben:
a) Gibt es in meinem eigenen Leben einen Ort
der "Ägyptischen Sklaverei?"
Wer – Was hält mich
darin gefangen?
b) Will ich aus dieser "Sklaverei"
überhaupt ausbrechen?
Was müsste ich tun,
damit die "Flucht" glückt?
Was hält mich zurück?
Welche Ängste erwachen dabei?
c) Was erwarte ich von der "neuen
Freiheit" für mich?
Was heißt für mich
"Jenseits der Gefahr" zu sein?
5. Abschließendes Gebet:
Z. B. Psalm 124: Wir beten ihn in dem
Bewusstsein, dass jede/jeder ein Stück weit für die eigene Befreiung
mitverantwortlich ist.
Mag. Maria Wöhrnschiml
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Anlage 2:
Predigtgedanken zum 3. Fastensonntag
in den Lesejahren A, B, C
(mit jeweiliger
Berücksichtigung der ersten Lesung und des Evangeliums)
Eine wichtige Frage des menschlichen Lebens
ist: Wie lebe ich glücklich? Wie komme ich zu einem geglückten, gelungenen
Leben? Wie soll ich leben, was muss ich tun, wie soll ich mich verhalten, - um
am Ende sagen zu können: es ist gut.
Täglich lesen, hören, erleben wir, wie
sich irregeführtes Leben totläuft: im Leben einzelner Menschen, im Leben von
Bevölkerungsgruppen, im Leben ganzer Völker. Wir stellen uns immer wieder die
Frage, warum das Leben voller Konflikte und oft nicht gut ist.
Auch das Gottesvolk hat dies getan. Am
Anfang der Geschichte Gottes mit seinem Volk steht die Erfahrung der Befreiung
aus Unterdrückung und lebensbedrohenden Gefahren. Beim Auszug aus Ägypten und
während der Wüstenwanderung hat Gott die ausweglose Not gewendet und das
Weiterleben ermöglicht. So hat er oftmals seinen Namen – sein Wesen –
geoffenbart und gezeigt, dass er der Ich-bin-da ist. Das Gottesvolk hat den
Er-ist-da angerufen und ihm nach der erwiesenen Hilfe gedankt.
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Am dritten Fastensonntag im
Lesejahr A:
Erste Lesung: Ex 17,3-7;
Evangelium: Joh 4,5-42
In vielen Erzählungen hören wir davon.
Auch die heutige Lesung aus dem AT ist eine solche Erzählung. In der Wüste
fehlen die grundlegenden Lebensnotwendigkeiten und das Volk murrt gegen Mose. Er
bringt seine Ausweglosigkeit vor Gott und Gott wendet die Not. Mose schlägt
Wasser aus dem Felsen – mit dem Volk danken auch wir über die Lebenskraft,
die uns von Gott, dem Er-ist-da gegeben wird:
"Kommt lasst uns jubeln dem Herrn (dem
Er-ist-da) und jauchzen dem Fels unseres Heils" (Ps 95,1; Antwortpsalm.
Das heutige Evangelium führt diesen
Gedanken weiter: Jesus ist das Mensch gewordene Gotteswort, der Gott-mit-uns,
und er bringt das lebendige Wasser, die Botschaft vom Er-ist-da allen Menschen.
Frohbotschaft vom heutigen Sonntag ist also:
Jesus bringt allen Menschen, Mann und Frau, Sklaven und Freien, Juden (Samaritanern)
und Heiden, Rettung, Erlösung, Befreiung, Leben. Auch wir werden aufgefordert:
"Kommt lasst uns jubeln dem Er-ist-da!"
und:
"Danket Gott (dem
Er-ist-da), denn er ist gut,
groß ist alles, was er
tut" (GL 227 nach Ps 136)
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Am dritten Fastensonntag im
Lesejahr B:
Erste Lesung: Ex 20,1-17;
Evangelium: Joh 2,13-25)
In der heutigen Lesung haben wir den
Dekalog, die 10 Gebote Gottes gehört. Er ist Richtungsweiser für das
Gottesvolk. Gott schenkt also seinem Volk nach Rettung und Befreiung von Tod
bringenden Mächten wie Hunger und Durst auch die Möglichkeit zu einem
menschenwürdigen Dasein. Die 10 Gebote, die Weisungen Gottes, begrenzen den
menschlichen Lebensraum. Wer den "Zaun" übersteigt, die Leitschienen
durchbricht, gelangt in ein Niemandsland, in dem Willkür herrscht und der
einzelne, aber auch Randgruppen und Völker rechtlos gemacht werden können.
Israel versteht deshalb die Weisungen (Gebote) Gottes als Gabe, die zur Aufgabe
werden.
Jesus hat wie Propheten vor und nach ihm
dieses Gottesrecht immer wieder mit Vollmacht eingefordert, wie wir im heutigen
Abschnitt aus dem Evangelium nach Johannes gehört haben. Wer nach den Geboten
Gottes und der Weisung Jesu lebt, Jesus nachfolgt, gerade auch in der
Zusammenfassung der 10 Gebote, im Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe,
wird Gott danken für das Geschenk der Wegweisung:
"Danket Gott (dem
Er-ist-da), denn er ist gut,
groß ist alles, was er
tut."
(GL 227 nach Ps 136)
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Am dritten Fastensonntag im
Lesejahr C:
Erste Lesung: Ex
3,1-8a.13-15; Evangelium: Lk 13,1-9)
In der heutigen Lesung aus dem AT haben wir
von der Berufung des Mose gehört. Neugierig den Schritt ins Unbekannte wagend,
ehrfürchtig, bittend, ungläubig, vorsichtig, etc. wird Mose dargestellt. So
ist der Mensch, wenn er sich unerwartet vor große Aufgaben gestellt weiß, wenn
Gottes Ruf und Berufung ergeht. Mose wird aber auch ganz wesentlich zugesagt,
dass er im Namen des Ich-bin-da gesandt wird. Er wird bei ihm sein und das
Gottesvolk schützen, befreien, erlösen: Jahwe, der Ich-bin-da, ist nicht nur
prä-existent, sondern er ist pro-existent. D.h., Er-ist-da nicht nur vor aller
Zeit, sondern Er-ist-da für sein Volk
Er hat das Elend der Unterdrückten gesehen
und erbarmt sich.
Von Gottes Barmherzigkeit erzählt auch das
Evangelium (Lk 13,1-9). Auf die Fürbitte wird dem unfruchtbaren Feigenbaum eine
weitere Chance gegeben. Das Gottesvolk hat oft gedankt für die Langmut und
Barmherzigkeit des Er-ist-da:
"Danket Gott (dem
Er-ist-da), denn er ist gut,
groß ist alles, was er
tut."
(GL 227, nach Ps 136)
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Wir bereiten uns in diesen Wochen der
österlichen Bußzeit auf den Höhepunkt der Feier unserer Erlösung vor. Für
viele Christen ist die Ur-Kunde der Befreiung, die Lesung aus dem Buch Exodus
von der Rettung am Schilfmeer unverständlich, ein Misston in der
Osternachtsfeier. Immer wiederkehrende Probleme in Bibelgruppen und
Liturgiefachausschüssen werden wohl am besten in folgender Anfrage
zusammengefasst:
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Jedes Jahr gibt es über diese Lesung in
der Osternacht in unserer Familie heftige Debatten. Mein Mann und ich
können unseren eben erwachsenen Kindern nur sagen, dass wir ebenso
betroffen sind wie sie. |
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Der heutige Mensch kann nicht mehr an
einen Gott glauben, der zu unserem Heil unseren Nachbarn grausam vernichtet.
Für die Juden mag der Durchzug durch das Schilfmeer Symbol für die
Geburtsstunde Israels sein, aber den Christen sagt dieses Ereignis nichts. |
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Warum bringt man diesen Bericht in der
schönsten Nacht des Jahres – einer Generation, deren Sehnsucht nach
Friede und Versöhnung besonders groß ist? |
Viele Menschen reagieren ähnlich, sind
fassungslos, können nicht verstehen. Und zurecht. Wir haben verlernt, in dieser
Erzählung die Grundzüge menschlichen Lebens miteinander und das Handeln
Gottes, des Er-ist-da, zu entdecken.
Ex 14 erzählt von einem Geschehen, das in
der Geschichte seinen Ort und Hintergrund hat: Eine Gruppe von Menschen ist in
auswegloser Not gerettet worden. Vor sich sehen sie Wasser, beim Umdrehen
entdecken sie, dass sie verfolgt werden. Verzweifeltes Aufbegehren, Resignation,
es gibt keinen Weg. Was nun? Dann das Wort des Mose: Fürchtet euch nicht!
Er-ist-da! Mit Hilfe Gottes, des Er-ist-da durchqueren sie das bedrohende
Wasser, die Verfolger drängen nach, bleiben aber mit dem schweren
Kriegsmaterial im Sand stecken, es entsteht Panik, weil das, worauf man sich
absolut verlässt, nichts nützt. Die Verfolgten entdecken, dass die Verfolger
ihnen nichts mehr anhaben können. Diese Rettung verdanken sie nicht ihrem
eigenen Können und Tun oder Denken – sondern ihrem Gott. Er ist da, in
aussichtsloser Situation. Die Freude über die eigene Rettung (nicht über die
Vernichtung der Feinde) wird hinaus gesungen:
Danket dem Er-ist-da, denn
er ist gut,
groß ist alles, was er
tut.
Immer wieder in Situationen der Ratlosigkeit
oder auch des Hochgefühls wird Israel gesagt, wer der Lenker der Geschichte
ist: So dem verzweifelten Volk im Babylonischen Exil, das nach der
Wirkmächtigkeit seines Gottes fragt – Ist er wirklich auch jetzt der
Er-ist-da? Oder es wird das überhebliche Volk zur Zeit des Königs Salomo
darauf hingewiesen, dass es Freiheit und Wohlergehen nicht sich selbst verdankt,
sondern Gott. Und dass dies im Handeln Israels sichtbar werden soll. Das
Gottesvolk soll das Leben so regeln, dass alle Menschen frei sein können (nicht
nur der König und die oberen 10.000) – dass Israel im Exil nicht verzweifelt,
sondern den nächsten Schritt macht, das Mögliche tut – positiv lebt.
Das Bekenntnis zum Er-ist-da durchzieht die
Geschichte des Gottesvolkes in guten und in weniger guten Tagen. Es hat seinen
Höhe- und Schlusspunkt in der letzten, für alle Menschen gültigen Offenbarung
des Er-ist-da im NT. Gott befreit, rettet, erlöst. Sein letztes Wort ist nicht
Unfreiheit, Unterdrückung, Ausweglosigkeit, Tod und Verderben, sondern Leben.
Die Lesung aus Ex 14 darf uns stören, darf
unverständlich sein und wird es bleiben, weil sie etwas über uns Menschen und
über Gott aussagt. Sie beschäftigt uns und wird dies auch ein Leben lang tun,
weil die Frage bleibt: Wer ist der Er- ist-da? Wie ist er da? Wer bist du Jesus?
(Der Name bedeutet: der "Er-ist-da rettet").
Und die Ägypter? An ihnen zeigt sich, dass
die Entscheidung der Menschen gegen Gott Unheil bedeutet. Viele Menschen haben
ihr Leben verloren und verlieren es heute wieder in erschreckendem Ausmaß, weil
der Pharao, die Führer, die Befehlshaber das wollen. Es sollte uns nicht den
Blick auf das Wesentliche verstellen: Gott rettet. Was würde geschehen, wenn
die Aufforderung: "Bleibt stehen, seht zu, wie der Er-ist-da euch heute
rettet!" von allen Menschen befolgt würde?
Die Botschaft von Ex 14 ist zusammengefasst
im letzten Satz: Ehrfürchtig glaubten sie an den Er-ist-da und an Mose, seinen
Knecht. Die Botschaft vom rettenden Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus
Christus, klingt durch die Jahrhunderte. Sie hat im NT eine ganz neue, bisher
nicht bekannte Dimension bekommen. Die Frauen am Grab erschrecken über die
Botschaft: Er ist nicht hier, er lebt, Gott hat ihn auferweckt. Der Tod war
"Durchzug", ein Gehen zum Vater, zu Gott: Dies gilt aber nicht nur von
Jesus, dies gilt auch von uns, auch wir werden leben, obwohl wir gestorben sind.
Er, der Schöpfer, rettet, erlöst, gibt Heil. Er ist da für alle Menschen. Er
verhilft zu einem guten, gelungenen Leben.
Vieles bleibt unverständlich in der
Erzählung vom Durchzug durchs Schilfmeer und an der Botschaft von einem Toten,
der lebt. Er wird uns immer wieder zu denken geben, und wir werden es nicht
einsehen oder begreifen – was wäre Gott, wenn wir ihn begreifen könnten?
Dennoch: Über der Geschichte der Welt und des einzelnen Menschen steht der
utopische Satz, der unser Leben sinnvoll macht:
Danket dem Er-ist-da, denn
er ist gut;
Groß ist alles, was er
tut.
Seine Treue bleibt alle
Zeit,
sie bleibt in Ewigkeit.
Amen.
Dr. Roswitha Unfried, Linz
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Zusammenstellung:
Liturgiereferat Linz 1993; Bearbeitung 2003 02
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