Die Lichtfeier – das Luzernar

Ein österlicher Ritus am beginnenden Abend

 

 

Siehe auch: Morgen- und Abendlob in der Gemeinde

Laudes und Vesper, Morgen- und Abendlob sind die Angelpunkte der Tagzeitenliturgie. In beiden Gottesdiensten wird das österliche Geschehen gefeiert und das anhand der Tageszeit.

 

Das Morgenlob wird gefeiert, wenn die Nacht sich neigt und der neue Tag beginnt, wenn die Sonne aufgeht. Die aufgehende Sonne ist ja das Symbol des Auferstandenen. Man könnte das Morgenlob so beschreiben: Wir begrüßen Christus, die aufgehende Sonne, den Auferstandenen und preisen mit ihm im Heiligen Geist den himmlischen Vater.

 

Das Abendlob wird gefeiert, wenn der Tag sich neigt und die Nacht beginnt. Es ist die Feier der Hingabe Jesu an den Vater. Wir begrüßen Christus, den Auferstandenen, der das Licht der Welt ist; das Licht, das auch dann noch leuchtet, wenn die Sonne untergeht, wenn es dunkel wird. Die Liturgie der Alten Kirche hat dies zeichenhaft zum Ausdruck gebracht, indem sie jeden Abend ein Luzernar (Lichtritus/Lichtfeier) gefeiert hat.

 

Wir kennen in unserer lateinischen Liturgie leider nur noch eine einzige Lichtfeier, nämlich das Hereintragen der Osterkerze in der Osternacht. In der altkirchlichen Liturgie wurde – wie gesagt – jeden Abend eine kleine Lichtfeier gehalten. Allmählich entdecken wir diese Lichtfeier wieder – als Beginn des Abendlobes (Vesper), das in seiner geschichtlichen Entwicklung zu sehr vom klösterlichen Chorgebet geprägt wurde.

 

In meiner Pfarre feiern wir jeden Donnerstag ein Abendlob und beginnen immer mit einer Lichtfeier. Ein kleines Problem ist dabei der Zeitpunkt des Abendlobes. Der richtige Zeitpunkt müsste variabel sein, nämlich wenn die Sonne untergeht und es dunkel wird. Das variiert in unseren Breitengraden zwischen 17.00 und 22.00 Uhr. Da wir – außer in den Sommerferien – das Abendlob immer um 19.00 Uhr feiern, variieren wir mit der Art der Lichtfeier.

 

Die einfachste Art der Lichtfeier ist das Anzünden der Osterkerze am Beginn des Abendlobes. Das eignet sich vor allem für die helle Jahreszeit.

 

Wenn es dann im Herbst beginnt früher dunkel zu werden, machen wir wieder unsere entfaltete Lichtfeier. Wir versammeln uns im Eingangsbereich der Kirche. Es wird ganz dunkel gemacht. Wir verharren manchmal sogar eine zeitlang im Dunkeln. Dazu haben wir auch schon gesungen: "Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden." Dann zündet der Leiter bzw. die Leiterin die Osterkerze an und singt den Lichtruf: "Im Namen unseres Herrn Jesus Christus, Licht und Frieden". Die Gemeinde antwortet mit: "Dank sei Gott". Dann bekommen alle Mitfeiernden eine Kerze, die an der Osterkerze entzündet wird, in die Hand (vgl. Osternacht). Der Kantor bzw. die Kantorin singt die Lichtdanksagung. Dann machen wir eine Prozession in den Altarraum, allen voran geht der Leiter / die Leiterin mit der Osterkerze.

 

Im Altarraum wird sie auf den Kerzenständer gestellt. Der Idealfall wäre nun, wenn alle mit ihrer Kerze in der Hand an ihren Platz gehen und das weitere Abendlob bei Kerzenlicht singen würden. Das ist oft sehr schwierig: ein Buch in der Hand, in dem man blättern muss und auch die Kerze in der Hand, die man aufrecht halten sollte, damit sie nicht tropft. Wir haben uns auf einen Kompromiss geeinigt. Vor der Osterkerze steht auf einem Tischchen ein Blumentopf mit Sand. Die Kerzen der Mitfeiernden werden in den Sand gesteckt. Erst wenn alle auf ihrem Platz sind, wird soviel Licht gemacht, wie zum Singen der Psalmen und anderen Lieder notwendig ist.

 

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese regelmäßige Lichtfeier sehr in die Tiefe geht, weil sie das Gefühl des Menschen anspricht. Auch ist die Lichtfeier keine Konkurrenz zur Lichtfeier der Osternacht sondern eher eine wertvolle Ergänzung, die den Sinn der osternächtlichen Lichtfeier erst richtig deutlich gemacht hat. Unsere Pfarre praktiziert die Lichtfeier, wie sie hier dargestellt wurde, in den Wintermonaten (Oktober bis nach Ostern) schon drei / vier Jahre und wir können sie nur empfehlen.

Siehe auch den Gestaltungsbaustein: Lichtgebete/Lichtpräfationen

 

 

Pfr. Dr. Hubert Lenz, Nenzing, Vorarlberg (2003)

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Stand: 07. Oktober 2008