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Fürbitten - Gebet der KircheDas fürbittende Gebet im christlichen GottesdienstDas Füreinander-Einstehen und das Füreinander-Beten gehören zum Wesen des christlichen Glaubens und damit zum Inhalt eines christlichen Gottesdienstes. Wiederholt erinnert der Apostel Paulus in seinen Briefen an die Verpflichtung, für andere Menschen in bestimmten Anliegen zu beten, u.a. in seinem ersten Brief an Timotheus: "Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zur Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können." (1 Tim 2,1f, vgl. auch 2 Kor 1,11 oder Eph 6,18f).
Ein christlicher Gottesdienst ist nie "privat", sondern immer "offen" für andere. Sooft sich Christen zum Gottesdienst versammeln, tun sie dies im Namen der Kirche und beten sie stellvertretend für Kirche und Welt. Dies wird u. a. deutlich im Gebet für die Anliegen der Kirche und Welt, besonders bei den Fürbitten in der Messfeier, in der Wort-Gottes-Feier und im Stundengebet, bei den Fürbitten in der Vesper. Das Fürbittgebet in der MessfeierDie Fürbitten, auch "Allgemeines Gebet", bzw. "Gebet der Gläubigen" genannt, sind durch das Zweite Vatikanische Konzil für die Messfeier wieder neu entdeckt und in die Feier integriert worden: "Nach dem Evangelium und der Homilie soll – besonders an den Sonntagen und gebotenen Feiertagen – das ‚Allgemeine Gebet‘ oder ‚Gebet der Gläubigen‘ wieder eingeführt werden, damit unter der Teilnahme des Volkes Fürbitten gehalten werden für die heilige Kirche, für die Regierenden, für jene, die von mancherlei Not bedrückt sind, und für alle Menschen und das Heil der ganzen Welt." (Konstitution über die heilige Liturgie Nr. 53).
Die "Allgemeine Einführung in das Messbuch" (AEM) ordnet dies in folgender Weise: AEM 45: "In den Fürbitten übt die Gemeinde durch ihr Beten für alle Menschen ihr priesterliches Amt aus. Dieses Gebet gehört für gewöhnlich zu jeder mit einer Gemeinde gefeierten Messe, damit Fürbitten gehalten werden für die heilige Kirche, die Regierenden, für jene, die von mancherlei Not bedrückt sind, für alle Menschen und für das Heil der ganzen Welt." Dasselbe gilt auch für die Fürbitten in der Wort-Gottes-Feier.
AEM 46: "Die Reihenfolgen der einzelnen Bitten soll in der Regel sein: a) für die Anliegen der Kirche, b) für die Regierenden und für das Heil der ganzen Welt, c) für alle von verschiedener Not Bedrückten, d) für die Ortsgemeinde. Bei besonderen Feiern, wie Firmung, Trauung, Begräbnis usw. kann die Reihenfolge der Fürbitten jedoch mehr den entsprechenden Anlass berücksichtigen." AEM 47: "Es ist Aufgabe des Priesters, dieses Gebet zu leiten, die Gläubigen zum Gebet einzuladen und es zu beschließen. Die Bitten sollen vom Diakon oder Kantor oder von jemand anderem vorgetragen werden. Die ganze Versammlung bringt ihr Beten durch eine gemeinsame Anrufung nach den einzelnen Bitten oder durch ein stilles Gebet zum Ausdruck." Eigenart des Fürbittgebetes in der MessfeierIm Unterschied zu den "Amtsgebeten" (vor allem zum Hochgebet), die in der vorgegebenen Ausformulierung zu nehmen sind, können und sollen die Fürbitten entsprechend eigens vorbereitet und (nach einem Leitgedanken der Feier und des Anlasses) formuliert werden. Bei der Vorbereitung und schriftlichen Ausformulierung der Fürbitten können Hinweise und geeignete Vorlagen aus Fürbittbüchern eine wertvolle Hilfe sein. Innerhalb der Feier der Liturgie sollte das "Fürbittbuch" eigentlich eher zu den verbotenen Büchern gehören. Diese Bücher werden auch in der Feier selbst nicht (mehr) benötigt, wenn die Fürbitten eigens vorbereitet und formuliert worden sind. Einzelhinweise zu den FürbittenA) Ort und Vortrag der FürbittenBezüglich der Fragen, wer für den Vortrag der Fürbitten zuständig ist, und wo sie gesprochen werden, gilt Folgendes:
B) Zur Formulierung von FürbittenTrägerin des Fürbittgebetes ist die im Namen der Kirche versammelte Gemeinde. Von daher sollen auch verantwortliche Einzelpersonen oder Gruppen aus der Gemeinde die Fürbitten erstellen bzw. vorhandene Vorlagen aktualisieren. Bei der Vorbereitung und der Formulierung der Fürbitten ist u. a. zu beachten:
C) Verschiedene Formen der FürbittenDie Praxis kennt verschiedene Formen von Formulierungen der Fürbitten:
D) Antwort der GemeindeDie AEM weist darauf hin, dass die ganze Versammlung ihr Beten durch eine gemeinsame Anrufung nach den einzelnen Bitten oder durch ein stilles Gebet zum Ausdruck bringen kann (vgl. AEM 47). Darin bestätigt die Gemeinde ihre Zustimmung zu den Anliegen und ihr Eintreten vor Gott. Bei der gemeinsamen Anrufung, die in ihrer Formulierung wieder sehr unterschiedlich sein kann, ist zu beachten:
Mag. P. Winfried Bachler OSB Österr. Liturgisches Institut, Salzburg (2002)
Zehn Leitsätzezur Formulierung von Fürbitten(entnommen aus: Mit der Not der Welt vor Gott. Inhalte und Formen der Fürbitten. Erarbeitet von Eduard Nagel, Pastoralliturgische Hilfen 11. Deutsches Liturgisches Institut, Trier 1998.) 1. Fürbitte heißt Einstehen der Betenden für andere Menschen vor Gott (in einem bestimmten Anliegen). Fürbitten sind nicht: Moralappelle an Anwesende oder Abwesende, gesellschaftskritische Äußerungen, Indoktrinationen. 2. Ein Leitgedanke erleichtert das Formulieren und das Verstehen. Der Leitgedanke wird einer zentralen Aussage der Verkündigung entsprechen. Er prägt die Einleitung, die einzelnen Bitten und den Abschluss. 3. In der Regel gelten die einzelnen Bitten den Anliegen der Weltkirche und der Ortsgemeinde, den Regierenden, den Notleidenden, allen Menschen und dem Heil der ganzen Welt. Die Fürbitten sind ein Akt weltweiter Solidarität; sie weiten den Blick über den Kreis der Anwesenden hinaus. 4. Einleitung und Schluss kommen dem Leitungsdienst zu; die Einleitung stellt die folgenden Bitten in den Gesamtzusammenhang der Feier, der Abschluss drückt das Vertrauen in Gottes Fürsorge und Macht aus. Die Einleitung hat in der Regel die Form einer Gebetseinladung an die Mitfeiernden. Der Abschluss bringt keine neue Bitte mehr, sondern fasst die Bitten zusammen oder ist ein Lobpreis. 5. Die einzelnen Bitten beschränken sich auf jeweils eine Personengruppe bzw. ein Motiv. Weil die Bitten von den Mitfeiernden im einmaligen Hören verstanden werden müssen, ist jede Überfrachtung ein Hindernis. 6. Die in der Bitte geäußerten Hoffnungen müssen dem Glauben der Teilnehmenden an Gottes Wirken entsprechen. Gebet kann nur echt sein, soweit es durch einen entsprechenden Glauben gedeckt ist. Unwahrhaftigkeit im Beten wirkt sich zerstörerisch auf den Glauben aus. 7. Fürbitten sind kein Ersatz für eigenes soziales Tun, sondern setzen dieses nach Kräften voraus und fordern es. Um der Wahrhaftigkeit willen kann nur für andere beten, wer zugleich bereit ist, das in seinen eigenen Kräften Stehende für die Betreffenden zu tun. 8. Jedes Anliegen ist daran zu prüfen, ob es der Tatsache gerecht wird, dass wir immer "durch Christus, unseren Herrn" beten. Banalitäten oder Zumutungen an andere Menschen werden auf diese Weise ebenso ausgeschlossen wie Handlungsanweisungen an Gott, nach denen er tun soll, wozu die Betenden nicht bereit oder nicht imstande sind. 9. Trägerin des Fürbittgebets ist die ganze Gemeinde. Stille, in der sich alle das vorgetragene Anliegen zu eigen machen können, ist unverzichtbar. Ein Antwortruf der Gemeinde bestätigt ihre Zustimmung zu den Anliegen und ihr Eintreten vor Gott. 10. Die Fürbitten stellen eine Verbindung her zwischen Leben und Gottesdienst. Die Hineinnahme des Lebens in den Gottesdienst gelingt um so besser, je mehr in den Fürbitten wirkliche Anliegen der Mitfeiernden zum Ausdruck kommen. Darum werden die Fürbitten von verantwortlichen Einzelpersonen oder Gruppen selbst erstellt oder vorhandene Formulare überarbeitet. Literaturhinweise
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