Der Nachmittag des Allerheiligenfestes

Friedhoffeiern / Totengedenken

 

Kurzer geschichtlicher Rückblick:

Das Allerheiligenfest am 1. November hat in der Erfahrung des Seelsorgers immer zwei diametral entgegengesetzte Hälften. Wird in der Liturgie am Vormittag noch aller aus der Taufgnade heraus vollendeten Heiligen gedacht und diese Vollendung bei Gott als Sinnziel der Schöpfung und vor allem jedes Menschen verkündet, so betont der traditionelle Friedhofsgang am Nachmittag dieses Festes im Bewusstsein der Menschen die unausweichliche Wende allen Lebens – den Tod.

Schon in der Frühzeit des Christentums begegnen uns Feste für alle Heiligen, besonders für die Märtyrer oder für Heilige einer bestimmten Region. Ältestes Zeugnis dafür ist der von Johannes Chrysostomus im 4. Jahrhundert bezeugte "Herrentag aller Heiligen" in Antiochien. Dieses Fest wurde am Oktavtag des Pfingstfestes gefeiert. Immer hatten diese Feste einen engen Bezug zum Osterfest und wurden daher auch stets im Osterfestkreis (Freitag nach Ostern) gefeiert. Theologischer Inhalt war der Nachvollzug des Pascha Domini durch die Heiligen – also die Grundlegung der Heiligkeit durch den Tod und die Auferstehung des Herrn.

In Rom wurde der 13. Mai, die Weihe der Kirche zu Ehren der "Jungfrau Maria und aller Märtyrer" im Pantheon (610) als jährlicher Gedächtnistag aller Märtyrer gefeiert. Mit der Zeit aber trat der Zusammenhang mit Ostern in den Hintergrund und von Irland her wurde eine neue Terminisierung getroffen. An der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert wurde hier das Fest an den Beginn der irischen Winterzeit, dem 1. November, verlegt. Durch Alkuin kam dieses Festdatum dann auf das europäische Festland und wurde im 9. Jahrhundert durch Ludwig den Frommen in Frankreich eingeführt und u.a. durch Papst Gregor IV gefördert. So behielt dieses Datum bis heute seine Gültigkeit.

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Bemerkungen zur Nachmittagfeier am Friedhof:

    1. Allerheiligen ist das Fest all derer – nicht nur der kanonisierten Heiligen –, die in Christus zur Vollendung gelangt sind. Die Erlösungstat Jesu durch seinen Tod und seine Auferstehung ist die Grundlage jeder Vollendung in Heiligkeit. Vollendung des menschlichen Lebens im ewigen Leben ist aber ausschließlich ein Geschenk des dreifaltigen Gottes aus dem Paschamysterium Christi.

    2. Allerheiligen ist damit ein österliches Fest. Das sollte in der Nachmittagsliturgie und Verkündigung am Friedhof im Vordergrund stehen. Nicht die Erfahrung des Todes ist das Endgültige, sondern die Auferstehung zum Leben. Nicht ein verkappt – heidnischer Ahnen- und Heldenkult vor den Gräbern ist der Sinn des Friedhofganges (auch nicht am Allerseelentag), sondern ein Totengedenken, das im Glauben über die irdischen Grenzen hinausblickt auf den Gott des Lebens, der alles Leben ins Unvergängliche führen will.

    3. Allerheiligen ist ein Fest der Kirche. Alle Vollendeten bei Gott gehören zur Kirche. Die "pilgernde Kirche" hier in der vergänglichen Welt richtet ihren Blick auf die "triumphierende Kirche" und schöpft daraus immer neue Hoffnung und neuen Mut zur Verkündigung der Heilstaten Gottes.

 

Unterlagen zur Feier des Allerheiligenfestes am Friedhof: zwei Vorschläge finden Sie hier.

 

Dr. Gustav Pirich, Hollabrunn, 2002 09

 

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Stand: 07. Oktober 2008