Liturgische Bildung

 

Hier finden Sie weitere Bildungsimpulse (Gesamtübersicht):

 

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siehe auch:

Christliche Begräbniskultur

Eine kleine Orientierung zur Liturgie der Altarweihe

Andacht zu den 14 Nothelfern

Familiengottesdienste / Kindergottesdienste

Liebe User!

Da unsere Impulse weniger auf Familien- und Kindergottesdienste ausgerichtet sind, möchten wir Ihnen einige grundsätzliche Hinweise zur Gestaltung dieser Gottesdienste geben sowie auf hilfreiche Unterlagen verweisen.

 

Gottesdienst mit Kindern

Überlegungen und Möglichkeiten

 

1. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier aktiv sein können.

Kinder haben einen großen Drang zum Leben. Sie wollen grundsätzlich aktiv sein, sich am Leben beteiligen und daher ist es für sie schlimm, wenn sie den Eindruck haben, dass es in der Liturgie darum geht, dass sie ruhig gestellt sind und möglichst wenig auffallen. Kinder sollen bei jedem Gottesdienst irgend etwas Aktives einbringen können.

Möglichkeiten: den Altartisch decken (Altartuch, Blumen, Kerzen, Gaben); beim Gabengang könnten Kinder ganz dünne Kerzen zum Altar bringen und diese dann in eine Schale mit Sand stecken (das ist auch bei der Evangelienprozession möglich); Gaben in einer Gabenprozession bringen; beim Vaterunser um den Altar aufstellen und mit dem Priester die Hände zu Gott erheben; den Friedensgruß an die Mitfeiernden in der Kirche austeilen; bei der Tauffeier: Kinder dürfen den Täufling mit Kreuz auf die Stirn segnen; Kinder dürfen ihre eigene Taufkerze mitnehmen und entzünden.
Kinder sollen erfahren: Mein Beitrag in der Liturgie ist wichtig!

2. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier ernst genommen werden.

Nach dem Vorbild Jesu sollen die Kinder immer, also auch in der Liturgie ernst genommen werden, und zwar mit ihren Gedanken, Erlebnissen und überhaupt mit ihrem kindgemäßen Erleben der Wirklichkeit, die von Jesus im übrigen als besonders geeignet für das Eintreten ins Himmelreich hingestellt wird (vgl. Mk 10,15).

Möglichkeiten: Kinder oft bewusst ansehen (verschafft An-sehen) und ansprechen (Kinder sind anspruchs-voll): in Predigtgesprächen oder an anderen Stellen in der Liturgie; direkte und indirekte Kinderzitate einbauen; Erfahrungen und Erlebnisse von Kindern einbauen und deuten; auch "Störungen" ernst nehmen, sie vielleicht sogar aufgreifen.

 

3. Kinder wollen und sollen sich in der Liturgiefeier bewegen können.

Leben ist Bewegung, was man bei Kindern besonders gut beobachten kann. Kinder drücken ihr Befinden, ihre Stimmungen normalerweise spontan auch leiblich aus. Kinder wollen feiern mit Leib und Seele und auch in der Liturgiefeier eine reichhaltige Gebärdensprache erleben und leben können.

Möglichkeiten: viele Lieder, zu denen es Bewegungen gibt, die den Inhalt des Liedes sichtbar machen und verstärken (I love Jesus, Vor mir hinter mir, Gottes Liebe ist wie die Sonne, Von Mensch zu Mensch, Gottes Liebe ist so wunderbar, ...); Bewegungen zum Vaterunser; einfache Kreistänze um den Altar; Gebetshaltung mit Priester (Manchmal, wenn sich Kinder frei fühlen und bei der Sache sind, machen sie spontan mit dem Priester die Orantenhaltung oder andere Haltungen mit. Warum nicht bewusst dazu einladen?); oder Klatschen zum Singen; Stationengottesdienste mit Prozession dazwischen (z. B. Karfreitagsliturgie auf Kalvarienberg; Palmprozession); bei Evangelienprozession und/oder Gabengang mitgehen.

4. Kinder wollen und sollen auch in der Liturgiefeier spielen können.

Spielen ist - speziell für Kinder - eine Art, mit der Wirklichkeit umzugehen und Wirklichkeit zu erleben. Außerdem ist Spielen eine wichtige Lernform der Kinder. Kinder spielen grundsätzlich gerne, weil das Spielen etwas Schönes ist. Kinder können gut in andere Rollen schlüpfen und diese dann von innen erleben. Spielen hat auch Identifikationsfunktion und ist für den Glauben sehr hilfreich.

Möglichkeiten: - vor allem in kleineren Gruppen und bei Kinder-Wort-Gottes-Feiern: spielen von biblischen Geschichten (Lesungen, Evangelien) oder anderen geeigneten Geschichten; Schattenspiele; z. B. Nachspielen des Einzugs in Jerusalem mit Kindern in einigen Hauptrollen (Jesus, Apostel, ev. echter Esel, auf dem Jesus reitet), das Letzte Abendmahl mit Kindern als Apostel, denen von Jesus (ev. Priester) die Füße gewaschen werden, ... Gleichnisse eignen sich sehr gut: z. B. Gleichnis vom Guten Hirten. Oder beim Martinifestzug kann ein Kind den heiligen Martin spielen und eine Predigt halten (natürlich gut mit ihm vorbereitet).

 

5. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier Nähe spüren können.

Kinder brauchen Zuwendung und Nähe. Die Liebe, Zuwendung und Nähe Gottes können und sollen sie konkret erleben in der Liebe, Zuwendung und Nähe der Menschen. Das gilt auch für die Feier der Liturgie. Im Gegensatz zu vielen Erwachsenen wollen Kinder in der Nähe des Altars und des Priesters sein. "Lasst die Kinder zu mir kommen" (Mk 10,14) sagt Jesus und diesen Auftrag müssen wir versuchen auch ganzheitlich umzusetzen, damit sie die Erfahrung machen können, dass Jesus "ihnen die Hände auflegt und sie segnet".

Möglichkeiten: in die Nähe des Altars holen (natürlich muss es entsprechend einladend sein, z. B. mit Teppich vor Altar); Handhaltung; Kreuzerl auf die Stirn bei Kommunionspendung und vielleicht manchmal auch als Einzelsegen beim Schlusssegen; Nähe schaffen auch durch häufigen Augenkontakt; Kindern sollen dabei die Erfahrung der spürbaren Gemeinschaft mit Gott und untereinander machen.

6. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier die Freude erleben können.

Kinder wie alle Menschen suchen die Freude und sie gehen gerne dort hin, wo sie Freude erleben und leben können. Wir verkünden und feiern eine Frohbotschaft und Kinder sollen das auch spüren.

Möglichkeiten: das Wichtigste ist, dass man selber mit Freude zum Gottesdienst geht und mit Freude mitfeiert. Die Stimmung z. B. des Vorstehers und der aktiv Beteiligten überträgt sich stark auf die Mitfeiernden. Ein fröhliches Gesicht kann Wunder wirken; durch entsprechende Lieder und Musik kann man sehr viel beitragen zur Freude; Kinder einladen, ihr Freude auch auszudrücken z. B. durch Klatschen, Schwingen oder Tanzen; es darf auch ruhig einmal gelacht werden in der Liturgiefeier.

 

7. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier sichtbare Zeichen haben können.

Das Gesehene prägt sich viel tiefer ein als das Nur-Gehörte. Sichtbare Zeichen sind hilfreich sowohl direkt in der Feier der Liturgie zum Anschauen, Betrachten als auch zum Mitnehmen als Geschenk und gleichzeitig als Erinnerung an die Feier. Anhand des Mitgenommenen transportieren sie auch Inhalte in ihren Alltag, in ihre Familie, in die Schule etc. mit. Vor allem sollte man die zentralen Zeichen der Liturgie entsprechend vollziehen.

Möglichkeiten: Symbole und Anschauungsmaterial im Gottesdienst einbauen; zum Mitnehmen z. B. einen Zettel mit Vordruck zum Ausmalen; einen Wollfaden (an den Kartagen jeden Tag in einer anderen Farbe: Palmsonntag weiß, Gründonnerstag gelb, Karfreitag schwarz, Ostern bunt); Samenkorn zum Einsetzen; Krippe aus Papier, jeden Adventsonntag einen Teil zum Zuhause basteln.

8. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier alle Sinne verwenden können.

Kinder wollen etwas be-greifen, ein-sehen, ver-stehen, ver-kosten, manches schmeckt und anderes ist geschmack-los oder kotzt uns an, manches lässt auf-horchen und anderes ist un-er-hört, manches riecht nach Leben, anderes stinkt uns an, manches berührt und bewegt uns, anders haut uns nicht vom Hocker, manches ist wie Balsam auf unsere Seele und anderes reibt uns auf oder kratzt an uns, u.s.w. Wir leben sehr stark von unseren Sinnen und erfahren auch Sinn von unseren Sinnen. Kinder wollen möglichst alle Sinne in der Liturgie gebrauchen können, um den Sinn unseres Lebens zu erfahren und zu feiern.

Möglichkeiten: Verwendung von Licht und Bildern, Blumen, Weihrauch und Düften, ausgewählten Liedern und Musik, Gegenständen zum Berühren; ...

 

9. Kinder wollen und sollen in der Liturgiefeier Echtheit erleben können.

Kinder spüren sehr deutlich, ob Inhalt und Ausdruck unseres Redens und Handelns zusammen stimmen. Sie wollen Stimmigkeit, Authentizität in unseren Feiern. Ich kann nicht sagen, wir sind alle Schwestern und Brüder und gleichzeitig meinem Sitznachbarn ein "Hackl ins Kreuz hauen". Ich kann nicht voll Freude Gott loben wollen im Gloria und das mit GL 802,2 mit einer finsteren Miene und im Schneckentempo mit Kaugummieffekt. Wenn der Inhalt dessen, was wir feiern, nicht im Ausdruck spürbar wird, glauben die Kinder uns nicht und das zurecht. Zur Echtheit gehört auch, dass in der Liturgie nichts gekünstelt sein soll, weder die Sprache noch die Haltungen, Handlungen und Gebärden. Kinder brauchen etwa eine kindgerechte Sprache, aber keine kindische Sprache. Kinder wollen keine Übertreibungen oder eine Show.

Möglichkeit: überprüfen unserer Feiern auf Echtheit und Stimmigkeit; suchen z. B. von entsprechenden Liedern und Ausdrucksformen, die dem Inhalt und den Kindern entsprechen. Bei allem, was ich in der Liturgie spreche, fragen, wie ich das daheim meinen Kindern sagen würde.

10. Kinder wollen und sollen die Liturgiefeier als etwas erleben können, das zum Leben insgesamt gehört und nicht etwas Isoliertes ist.

Die Liturgie ist Feier unseres Lebens und Glaubens. In die Liturgie soll unser Leben einfließen, persönlich und in der Gemeinschaft vor Gott gebracht werden und es soll wieder gestärkt für den Alltag werden. Kinder sollen spüren, dass ihr Leben in der Liturgiefeiern gemeint und mit drinnen ist und dass sie für ihr Leben gestärkt werden.

Möglichkeiten: das Leben der Kinder bewusst zur Sprache bringen oder bringen lassen, ihre Lebenswelt, ihre Erfahrungen. Voraussetzung dafür ist, dass man als in der Liturgie Verantwortliche/r das Leben der Kinder kennt. Daher ist für die Liturgiefeier mit Kindern das Davor und Danach sehr wichtig. Ich muss z. B. als Priester auch außerhalb der Liturgie die Beziehung mit den Kindern pflegen. Je mehr ihr Leben in meinem Leben eine Rolle spielt, und je mehr mein Leben in ihrem Leben eine Rolle spielt, desto besser wird auch das Miteinander-Feiern unsers Lebens und Glaubens gelingen können.

Mag. Stefan Ulz,

Jungscharseelsorger, Graz

(leicht bearbeitet)

 

 

Verschiedene Formen sonntäglicher Gottesdienste

 

Der "normale" Sonntagsgottesdienst: Kinder feiern mit

Es ist selbstverständlich geworden, dass Eltern ihre Kinder in den Gottesdienst mitnehmen. Ziel des pfarrlichen Sonntagsgottesdienstes ist das gemeinsame Feiern aller Altersgruppen. Wenn es nicht mehr möglich ist, dass jung und alt miteinander feiern, ist für eine Pfarrgemeinde höchster Handlungsbedarf. Auch bei sogenannten "normalen" Sonntagsgottesdiensten soll darauf geachtet werden, dass es ein Element gibt, wo die Kinder besonders angesprochen werden.

Familienmessen / Kindermessen

Der Kinderliturgiekreis oder eine andere kinderverbundene Gruppe gestaltet aus der Perspektive der Kinder einen Gottesdienst "für" die Gemeinde, um gemeinsam mit der großen Feiergemeinde zu beten und zu singen. Familien tragen einerseits die Vorbereitung und sind zugleich auch die besondere Zielgruppe dieser Gottesdienste. (Z. B.: Jungscharmessen, MinistrantInnenaufnahme, Adventsonntag, Fasching, ...)

 

Kinder-Wortgottesdienste

Eigenständige Gottesdienste, an denen vor allem (kleinere) Kinder teilnehmen. Die vielfältigsten Formen ganzheitlichen Kommunizierens prägen diese Feiern. Wenn die große sonntägliche Gottesdienstgemeinde und die Wortgottesdienstgemeinde der Kinder im Rahmen der Sonntagsmesse wieder zusammengeführt werden sollen, ist auf einen guten Einstieg und Übergang zu achten. Wenn vom Kindergottesdienst ein Element in die Messe eingebracht wird, darf das nicht den Charakter einer Aufführung oder eines Berichts erhalten.

 

Behelfe – Unterlagen:

 

• Heike Helmchen-Menke, GOTT ENTDECKEN - SCHRITT FÜR SCHRITT. Kindgerechte Gottesdienste gestalten. Herder Verlag, Freiburg i. B. 1998. 160 Seiten. Das Buch bietet neben Anregungen zur Gestaltung vor allem eine sehr lesenswerte Auseinandersetzung mit dem Thema "Das Kind - seine relig. Entwicklung: - Was heißt dies für die Kinderliturgie?

• "KINDER-GOTTESDIENST-GEMEINDE". Hilfen für den Kinder- und Familiengottesdienst. Herausgeber: Referat für Kinderpastoral im Pastoralamt der Diözese Linz. Jährlich erscheinen meist fünf Gottesdienstvorschläge zu verschiedenen Anlässen bzw. Zeiten des Kirchenjahres. (Einzelpreis ca. € 2,18,--). Auch im Jahresabonnement möglich. (Erhältlich im Behelfsdienst des Pastoralamtes Linz: Tel.: 0732/7610-3813)

• "EFFATA". Zeitschrift für Kinderliturgie. Abgeschlossene Zeitschrift der Katholischen Jungschar der Erzdiözese Wien - jetzt als Sammelbände erhältlich. Je zwei Bände pro Lesejahr (Gottesdienstmodelle zu den Evangelien oder zu den Lesungen). Es werden Gottesdienstvorschläge zu jedem Sonn- und Feiertag angeboten. Preis pro Band € 18.90 (Behelfsdienst Linz)

• Hermann-Josef Frisch, IN GEMEINSCHAFT FEIERN. Wortgottesdienste für Familien mit Kindern. Lesejahr A. Patmos-Verlag, Düsseldorf 1998; 190 Seiten; Lesejahr B: ZUM GEHEIMNIS FINDEN , 1999; Lesejahr C: Vom Leben erzählen, 1997
Vorbildliche Erschließung der Vorbereitung aus dem Gotteswort; die Gestaltungsimpulse sind nicht fertig ausgeführt, sondern als Anregungen zur eigenen Umsetzung gedacht. Das Buch bietet Vorschläge für alle Sonn- und Feiertage.

• Aus der Reihe "Laien leiten Liturgie":

- Ilse Brachtendorf u. a., Wortgottesfeiern mit Kindern. Kinderliturgie parallel zur Messe. Butzon & Bercker, Kevelaer 2000; 127 Seiten. Gute inhaltliche Orientierung über das Feiern von Kindern und Erwachsenen am Sonntag; mit einigen konkreten Textbausteinen

- Ilse Brachtendorf u. a., Wortgottesfeiern mit Kindern – 2. Kinderliturgie im Jahreslauf. Butzon & Bercker, Kevelaer 2001; 136 Seiten. Hilfreiche Ausführungen über: Was macht einen Gottesdienst zum Gottesdienst? Und: Von der Kunst, mit Kindern Gottesdienst zu feiern. Konkrete Feierimpulse

• RICHTLINIEN FÜR KINDERMESSEN. Texte der Liturgischen Kommission Österreichs, Nr. 1, oder online:

Link:

Direktorium für Kindermessen

Das Redaktionsteam, 2002

 

Festgottesdienst mit Weihe des Altares,
des Ambo und des Taufbrunnens

 

 

Eine kleine Orientierung zur Liturgie der Altarweihe

 

Die angefügte Datei enthält eine kleine Handreichung, die der Pfarrgemeinde den Sinn und die Gestalt der Weiheliturgie erschließt. Sie wurde 14 Tage vor der Weihe den TeilnehmerInnen des Sonntagsgottesdienstes zur Einstimmung überreicht.

 

Die Pfarrkirche Linz- St. Konrad wurde kurz vor dem II. Vatikanum erbaut. Für die neue Innengestaltung 2006 wurden vor allem Altar, Ambo, Vorsitz und Taufbrunnen erneuert (siehe auch: www.dioezese-linz.at/pfarren/linz-stkonrad).

 

Natürlich „atmet“ der Text die besondere Pfarr- und Kirchenraumsituation von St. Konrad. Er möchte aber für ähnliche Situationen textliche Anregungen geben und einladen, die Pfarrgemeinde auf die Feier vorzubereiten.

 

Hans Stockhammer, Mitarbeiter der Pfarre St. Konrad, Linz

 

 

 

Andacht zu den 14 Nothelfern

Zusammengestellt von Mag. Erwin Löschberger aus verschiedenen Internetseiten (2006) http://www.vierzehnheiligen.de/fr_rundum.htm

http://www.heiligenlexikon.de/Glossar/Vierzehn_heilige_Nothelfer.htm

http://www.museumonline.at/2003/die_14_nothelfer_von_anger/index.htm

 

 

Die Entstehung der Andacht

 

Die vierzehn heiligen Nothelfer wurden schon im 9. Jahrhundert angerufen und verehrt. Die Verehrung gewann dann vor allem im pestbedrohten 13./14. Jahrhundert stark an Bedeutung. Die Menschliche Ohnmacht gegen die Schicksalsschläge und Katastrophen der Zeit wurde mit Hilfe der Nothelfer bekämpft. In der Not einen Heiligen anrufen half im Verständnis des Volkes viel, in der Not viele Heilige anrufen half mehr.

In frühen Darstellungen der 14 Nothelfer findet man häufig zwei Gruppierungen zu je sieben Heiligen, deren Mittelpunkt die hl. Maria oder der hl. Christopherus bildet. Die hl. Maria wird jedoch nicht mitgezählt.
Es sind einfach Heilige besonderer Art, die aufgrund ihrer Attribute und ihres oft schrecklichen Martyriums, wie uns die Legenden berichten, einen hohen Bekanntheitsgrad erreichten.

Manchmal tritt statt des hl. Cyriacus der heilige Nikolaus, der auch manchmal als 15. Nothelfer zur Gruppe stieß. Dies sieht man in vielen Darstellungen, dass bei den 14 Nothelfern der eine oder andere Heilige fehlt. Das hat seinen Grund darin, dass man Heilige, die man an einem betreffenden Ort oder in einer Kirche schon vor den 14 Nothelfern verehrte, auch zur Gruppe dazugab oder man ersetzte einen eher Unbekannten, Fremden, durch den bekannten Lokalheiligen. Das konnte bei den Heiligen Sebastian, Nikolaus, Leonhard, Wolfgang, Dorothea, Rochus und Oswald geschehen. Dorothea bildete dann mit den sog. "drei Madln" die Sondergruppe der Virgines Capitales. Manchmal versuchte man auch einzelne Heilige herauszulösen, glaubte aber sehr bald wieder, dass einem durch die Anrufung der ganzen Gruppe eher Hilfe zuteil werden würde.

Im Allgemeinen wird das Fest der 14 Nothelfer am Samstag nach dem 4. Sonntag nach Ostern gefeiert, obwohl es einen offiziellen gemeinsamen Festtag für die 14 Nothelfer nicht gibt.

 

 

Die 14 Nothelfer: Attribute, Patronate und Legenden

 

1. Heiliger  Achatius 

griechisch AKAKIOS, der nicht Böse, der Unschuldige  

Gedenktag: 8. Mai  

Heimat:  Kappadozien (südliche Türkei)  

Todesjahr: um 305 unter Kaiser Diokletian durch Enthauptung  

Attribut: Soldat mit Kreuz und Dornenkrone 

Patronat: Nothelfer in Lebensnoten; Nothelfer bei Streit um Gerechtigkeit; Patron gegen Verfolgung und Feuer.

 

Er zählt zu den drei Soldaten- und Ritterheiligen. Seine Heimat war Kappadozien. Als Hauptmann und Oberst "primicerius" des kaiserlichen Heeres aus Kappadozien erlitt er das Martyrium in der diokletianischen Verfolgung um 305. An seiner Hinrichtungsstätte baute man ihm eine Gedenkkirche.

Achatius von Konstantinopel birgt eine interessante Legende: demnach soll sein Leichnam in einem Sarg ins Meer geworfen worden sein, er ging aber nicht unter. Die Wellen trugen den Sarg bis zur Küste Unteritaliens. In Chale in Kalabrien wurde dem wundertätigen Heiligen eine Kirche erbaut. Reliquien des Heiligen werden verehrt in Hiersau, Lorch und Weingarten. 

 

2. Heiliger Ägidius 

Name: griechisch AIGIGIOS, der Schildhalter oder AIGEIDES, die Hirschkuh

Gedenktag: 1. September

Heimat: Gallien

Todesjahr: 720 als Abt  (unter den Nothelfern der einzige Nicht-Martyrer)

Attribut: Mönch, Abt mit Stab, Hirschkuh mit Pfeil

Patronat: Vieh- und Hirtenpatron; hilft seelisch Bedrängten; Zuflucht der Sünder; Patron der stillenden Mütter

 

In Saint-Gilles nahe Nimes in der Rhonemündung wird sein Grab seit dem 8. Jh. hoch verehrt, zugleich auch Sammelpunkt für die Jakobuspilger. Die Abteikirche des ehemaligen Klosters Saint-Gilles, einst eine prächtige Kirche, ist heute auch noch eine Reise wert. Ägidius, der einzige Nichtmärtyrer unter den Nothelfern, soll sich dort in die Einsamkeit zurückgezogen haben.

 

Eine Hirschkuh, die ihm Milch spendete, wurde auf der Jagd verwundet, suchte bei Ägidius Schutz und konnte dann von ihm gesund gepflegt werden. So wurde der Heilige auch der Patron für stillende Mütter!

Als Mönch und späterer Abt des von ihm gegründeten Klosters wurde er vielen Kranken, Notleidenden und Ratsuchenden Helfer und Bruder.

 

3. Heilige Barbara

Name: griechisch BARBARA, die Fremde, die Ausländerin

Gedenktag: 4. Dezember

Heimat: Nikomedien (westl. Türkei)

Todesjahr: 306 durch Enthauptung

Attribut: Turm, Kelch, Hostie, Schwert

Patronat: Bergleute, Bauleute, Architekten, Dachdecker, Maurer, Soldaten, Artilleristen; Hoffnung in Finsternis, Trösterin der Gefangenen; Beschützerin vor Gewitter und Feuersnot; Beschützerin vor einem jähen Tod. 

 

Sie stammt aus Nikomedien und wurde von ihrem Vater wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit in einen Turm gesperrt.

Als sie ihm gestand, Christin zu sein, schleppte sie ihr Vater vor den gefürchteten Statthalter, der sie wegen ihrer Glaubenstreue durch das Schwert hinrichten ließ. Vorher ernährte sie sich von der Hostie. Deshalb wird sie mit dem Schwert, Hostie und Kelch dargestellt.

- In der Ostkirche zählt die hl. Barbara zu den "Großen Märtyrern" und zu den Virgines capitales". Zahlreiche Kirchen mit ihrem Patronat und reiches Brauchtum bekunden ihre Verehrung. 

 

4. Heiliger Blasius

Name: griechisch BASILEUS, König

Gedenktag: 3. Februar

Heimat: Bischof von Sebaste in Armenien

Todesjahr: 316 durch Enthauptung

Attribut: Bischof mit Stab, Mitra und zwei gekreuzten, brennenden Kerzen,

Patronat: Helfer in Halsleiden; Patron der Ärzte, Weber, Wollhändler, Wachszieher, Schneider, Gerber, Blasmusiker; Vieh- und Wetterpatron;

 

Zuerst Arzt, dann Bischof von Sebaste, floh er vor den Christenverfolgern in eine Höhle. Diese entdeckten ihn; er kam ins Gefängnis und wurde dort vielen zum Helfer und Tröster. So befreite er einen Knaben, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, vor dem drohenden Erstickungstod. Der Blasiussegen an seinem Gedenktag geht auf diese Legende zurück. (Auf die Fürsprache des heiligen Bischofs und Martyrers Blasius bewahre dich der allmächtige Gott vor aller Krankheit des Halses und allen übrigen Krankheiten. Im Namen des Vaters …)

Blasius wurde von seinen Schergen arg geschunden: ein eiserner Kamm zerfleischte ihn (so wurde Blasius zum Patron der Weber und Wollhändler). Schließlich ist er dann enthauptet worden.

Sein Kult verbreitete sich vor allem durch die Kreuzfahrer im Abendland. Seine Reliquien gelangten in das württembergische Kloster Rheinau, nach Paderborn ins Busdorfstift, nach St. Blasien im Schwarzwald, nach Braunschweig und in die dalmatische Stadt Dubrovnik, wo er als "Sveti Blasi" Schirmherr wurde. Schon vor der Jahrtausendwende findet sich in der Unterkirche von St. Clemente in Rom die berühmte Blasiuslegende. Die älteste Darstellung auf dt. Boden finden wir an einem Tragaltar im Paderborner Kloster Abdinghof um 1100.

 

5. Heiliger Christophorus

Name: griechisch CHRISTO-PHORUS, Christus-Träger

Gedenktag: 24. Juli

Heimat: Lykien (südliche Türkei)

Todesjahr: um 250 unter Kaiser Decius durch Enthauptung

Attribut: Jesuskind auf der Schulter, Stab oder Baumstamm in der Hand

Patronat: Patronat für ein christliches Tagwerk, Nothelfer in vielen Gefahren,

Retter aus Wassernot; Schutzpatron der Schiffer, Flößer, aller Reisenden und Kraftfahrer; Helfer gegen einen unvorhergesehenen Tod. 

 

Schon um 452 wird in Chalkedon ihm zu Ehren eine Kirche geweiht. Heute sind es im europäischen Raum ca. 3000 Kultorte, wo er verehrt wird. Der mittelalterliche Mensch - durch einen plötzlichen Tod in seiner Umgebung erschreckt - ließ den Heiligen an die Wände von Kirchen, Spitälern und Häusern groß darstellen, damit man schon von weitem sein Bild erkennen konnte: wer am Morgen ein Christophorus-Bild betrachtet, ist beschützt bis zum Abend. Heute ist St. Christophorus der Patron aller, die unterwegs sind. Seine Plakette am Fahrzeug soll den Fahrer an seine Verantwortung erinnern und ihm Segen bringen.

Reprobus wollte als Riese nur dem Mächtigsten auf Erden dienen. Bald diente er als Träger Christus an einem reißenden Fluss, wo er einmal ein Kind an das andere Ufer tragen sollte. Mitten im Fluss wurde es so drückend, dass er fast zusammen brach. Das Kind sagte: "Du hast nicht nur die ganze Welt getragen, sondern auch denjenigen, der die Welt erschaffen hat". Das Christus-Kind soll ihn dann selbst auf den Namen "Christus-Träger" getauft haben. - Ihm, dem Starken und Mutigen, trauen wir uns in allen möglichen Gefahren an. Möge der hl. Christophorus einmal alle gut hinüberbringen - ans andere Ufer. (Kurzgebet: „Hl. Christophorus hilf, dass ich gut an das andere Ufer komme.)

 

6. Heiliger Cyriakus

Name: griechisch KYRIAKOS, dem Herrn Geweihte, gehörig; latein.: dominicus

Gedenktag: 8. August

Heimat: Rom

Todesjahr: um 305 durch Enthauptung

Attribut: Diakon mit gefesseltem Dämon (Drachen, Lindwurm)

Patronat: Helfer in heftigen Versuchungen, gegen böse Geister, Patron der Unterdrückten und Geknechteten, für die Sterbestunde; Tröster bei schweren Zwangsarbeiten, Winzerpatron.

 

Er gehört zu den Christen, die in den Lehmgruben und Thermen des Kaisers Diokletian Zwangsarbeit verrichten mussten. Als Erzdiakon von Rom leistete er karitativ Gutes für die Armen und half auch unter den Mitgefangenen. Nach der Legende befreite er die Tochter des Kaisers Diokletian von dämonischen Krankheiten, symbolisch dargestellt durch einen Drachen.

 

Cyriakus wurde am Ende der Qualen mit dem Schwert hingerichtet. Seine Grabstätte befand sich ursprünglich an der Via Ostia in Rom. Reliquien kamen seit dem 10. Jh. an die verschiedenen Kirchen Europas. Die Schatzkammer des Bamberger Doms birgt eine Armreliquie. Große Verehrung genießt er im mittel- und oberrheinischen Raum.

 

 

7. Heiliger Dionys  

Name: griechisch DIONYS, der dem Gott Dionys Geweihte

Gedenktag: 9. Oktober

Heimat: Gallien?

Todesjahr: um 250 durch Enthauptung als Bischof von Paris

Attribut: Bischof mit Kopf in Händen (wie St-Nicais in der Kathedrale von Reims)

Patronat: Helfer in Kopfleiden, in Gewissensängsten, Glaubensnöten und leidvollen Kämpfen, bei denen man "den Kopf hinhalten muß"; Patron von ganz Frankreich und der Stadt Paris, ehemals Schutzheiliger der Karolinger.

 

 

Als erster Bischof von Paris wurde der hl. Dionys  (französisch: St-Denis) um 250 auf einem Hügel mit seinen beiden Gefährten Rusticus und Eleutherius enthauptet ("Eher gebe ich meinen Kopf her, bevor ich meinem Glauben untreu werde".) Seitdem heißt der Hügel "Berg der Märtyrer" (frz. Montmartre). Nach der Legende soll er mit seinem Haupt in Händen bis zu seinem heutigen Grab St-Denis gegangen sein; so ist er auch meist dargestellt (nicht zu verwechseln mit dem hl. Nicasius von Reims!). Sofort setzte eine große Wallfahrt zu seinem Grab ein; die heutige Kirche ist die erste gotische Kirche der Welt und war für einen Zeitraum von über 1.000 Jahren die Grabstätte der königlichen Familien, die in oft kunstvollen Grabmälern beigesetzt sind. St-Denis wurde seit den letzten Jahren auch Bischofskirche. Mit ihr war das berühmte Kloster Corvey verbunden.

 

 

8. Heiliger Erasmus

Name: griechisch ERASIMOS, liebenswert, begehrenswert 

Gedenktag: 2. Juni

Heimat: Asien

Todesjahr: um 300 gemartert unter Kaiser Diokletian

Attribut: Bischofsstab mit Ankerwinde

Patronat: Helfer bei Bauchweh und Unterleibskrankheiten; Patron der Seeleute,

der Schiffsreisenden, der Drechsler und Schuhmacher.

 

Die Legende berichtet vom grausamen Martyrium des Bischofs von Antiochien in Kleinasien. Bei der Überfahrt mit einem Schiff nach Süditalien besänftigte er durch sein Gebet das Meer; so wurde er der Patron der Schiffer in Italien, Spanien und Portugal.

Segensreich wirkte der Bischof als Missionar in der Hafenstadt Formio, das zwischen Rom und Neapel liegt. Dort starb er unter dem grausamen Kaiser Diokletian den Martertod. In Italien wird er auch liebevoll San Elmo genannt.

Seine Gebeine wurden später nach Gaeta im Golf von Neapel gebracht; darüber bauten die Bewohner den Dom San Eramo.

 

 

9. Heiliger Eustachius 

Name: griechisch EUSTACHIOS, der Fruchtbare

Gedenktag: 20. September

Heimat: Orient

Todesjahr: um 118 unter Kaiser Hadrian

Attribut: Hirsch mit Kreuz im Geweih

Patronat: Patron der Jäger und Forstleute, der Schützenvereine; Nothelfer gegen Zerstörung der Natur; Helfer in Glaubenszweifeln und in schweren familiären Schicksalsschlägen.

 

Zeitlich ist der hl. Eustachius als erster der 14 Nothelfer um das Jahr 100 einzuordnen. Placidus diente als Oberst und Befehlshaber einer römischen Legion in Kleinasien. Nach seinem Sieg über die Perser soll ihm auf der Jagd ein Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz zwischen dem Geweih erschienen sein. Christus sprach zu ihm, er bekehrte sich mit der ganzen Familie und erhielt bei der Taufe den Namen Eustachius. Als Christ verlor er Hab und Gut, seine Familie wurde zerstreut. Nach Rom zurückgebracht erhielt Eustachius wieder den Oberbefehl, die Familie fand auf wundersame Weise wieder zusammen. Bei der Siegesfeier zu Ehren der Götter verweigerte der überzeugte Christ die Götzenopfer. Unter Kaiser Trajan wurde er mit seiner Frau Theopista und seinen beiden Söhnen Agapitus und Theopistus durch heidnische Fanatiker verbrannt. - Später ging die Legende mit dem Hirsch auf den hl.Hubert von Lüttich über (Gedenktag am 3. November).

Kostbare Reliquien bergen die beiden Kirchen Eustachio in Rom und St-Eustache in Paris.

 

 

10. Heiliger Georg

Name: griechisch GEORGOS, der Bauer

Gedenktag: 23. April

Heimat: Kappadozien (südliche Türkei)

Todesjahr: um 305 unter Kaiser Diokletian

Attribut: Ritter mit Schwert und Schild, auf weißer Fahne ein rotes Kreuz, den Drachen zu Füßen. 

Patronat: Patron der Ritter, der Bauern, der Sattler und Schmiede, der Pfadfinder und Pferde; Vorbild christlicher Tapferkeit. 

Georg wurde auch Großmartyrer genannt, weil er drei Tode starb und dreimal auferstand. Die Nöte, in denen St. Georg hilft, sind neben Kriegsgefahr und Pest auch Fieber und Schlangenbiss. Vor allem aber ist er ein Viehpatron. (Pferdesegnungen, Georgi-Ritte)

 

Dem Offizier wurden glänzende Versprechungen für seine militärische Laufbahn gemacht, wenn er Abstand nähme vom Christentum. Doch auch grausame Folterungen ließen ihn treu zu Christus stehen.

Legende: In einem See vor der Stadt Silena in Libyen hauste ein Drache und verpestete die Luft mit seinem Gifthauch. Täglich mussten ihm zwei Schafe geopfert werden und nachdem die Schafe zu Ende gegangen waren, jeden Tag ein Mensch. Eines Tages fällt das Los auf die Tochter des Königs. Nach einem herzzerreißenden Abschied von den Eltern geht sie an den See hinaus. Da erscheint Georg und bohrt dem Untier die Lanze in die Seite. Die Königstochter lässt er die halbtote Bestie mit ihrem Gürtel in die Stadt führen. Die Einwohner lassen sich mitsamt ihrem König taufen, und Georg tötet den Drachen endgültig. Der Kadaver wird mit fünf Ochsen aus der Stadt geschleift und im See versenkt. (aus L. Gschwind: Bitte für uns!  S. 54)

 

Von Ägypten, Äthiopien und Syrien verbreitete sich sehr bald seine Verehrung über den ganzen Vorderen Orient. Viele Fresken in Höhlen und Kapellen zeigen Szenen seines Martyriums. Georgskirchen sind im Abendland bereits im 6. Jh. nachweisbar. Das Bild des Heiligen als Krieger und Ritter zu Pferd wird vor allem von den Kreuzfahrern verbreitet. Nach dem Erzengel Michael nimmt Georg als Drachenkämpfer den ersten Platz ein.

 

 

11. Heilige Katharina 

Name: griechisch AIKATHARINE, die allzeit Reine

Gedenktag: 25. November

Heimat: Alexandrien in Ägypten

Todesjahr: 10 durch Enthauptung 

Attribut: Krone, Buch, Schwert, (zerbrochenes) Rad

Patronat: Patronin des Lehrstandes, der Philosophen, Theologen, Rechtsgelehrten, Notare, Wissenschaftler, Politiker, der Buchdrucker, Friseure, Fuhrleute, Müller, Seiler, Töpfer, Wagner, Schuhmacher, Spinnerinnen, der Spitäler und Hospitäler; Nothelferin in vielen Ängsten. Fürsprecherin um Beharrlichkeit im Guten.

 

Die Legende berichtet davon, dass Katharina an der Universität von Alexandrien studiert hat, dass sie aus königlichem Geschlechte stammte und von großer Schönheit war. Obwohl sie für das Glück geboren schien, war sie unglücklich, weil ihr Suchen nach Wahrheit, der Beantwortung der letzten Fragen, ohne Antwort blieb. Nicht die Professoren, nicht die Bücher, nicht Vorträge und Diskussionen brachten den Durchbruch, sondern ein Einsiedler, der sie auf Jesus Christus verwies. In der Begegnung mit ihm fand sie alles, was sie suchte.

Ihre klugen Antworten verwirrten den Kaiser, der sie selbst verhörte. Professoren wurden geholt. Sie sollten Katharina nicht nur mundtot machen, sondern sie auch überzeugen, dass Jesus weder gelebt habe, noch am Kreuz gestorben sei, gar nicht zu reden von seiner Auferstehung. Katharina argumentierte jedoch so geschickt, dass selbst die Gemahlin des Kaisers zum Glauben fand. Daraufhin war dieser so wütend, dass er sie zum Tod durch Rädern verurteilte. Das Rad, freilich, auf das Katharina gebunden wurde, zerbrauch. Nach der Enthauptung wurde ihr Leichnam von Engeln auf den Gottesberg Sinai getragen. Am Sinai steht das berühmte Katharinenkloster mit einer großen Bibliothek.

Das Katharinen-Heiligtum ist das bedeutendste steinerne Denkmal ihrer Verehrung. Schon früh setzte im Orient und dann auch im Abendland ihr Kult ein. Zentrum waren die Benediktinerklöster Monte Cassino und St. Gallen. Um 1000 gelangten wertvolle Reliquien nach Rouen in Frankreich. Ihre Verehrung verbreiteten vor allem die Kreuzritter. Im 13. und 14. Jh. erwählten viele Zünfte die hl. Katharina zu ihrer Patronin. Im 15. Jh. zählte man sie mit den beiden heiligen Barbara und Margareta zu den Nothelferinnen, den "drei heiligen Madln". Diese und die hl. Dorothea werden die "Virgines capitales" genannt. Universitäten wie Paris, Heidelberg, Wittenberg und Tübingen führen ihr Bildnis im amtlichen Siegel.

 

 

12.

Name: griechisch MARGARITE , die Perle

Gedenktag: 20. Juli

Heimat: Pisidien (südliche Türkei)

Todesjahr: um 307 durch Enthauptung

Attribut: Krone, Kreuz, Drachen am Band

Patronat: Patronin des Nährstandes und der Landleute; Helferin in Geburtsnöten, Fürsprecherin der Armen, für ungewollt kinderlose Frauen

 

Nach einer alten Legende wurde sie von ihrem Vater, einem heidnischen Priester, verstoßen und musste Schweine hüten. Deshalb wurde sie später die Patronin der Landleute. Wegen ihrer Schönheit begehrte sie der Stadtpräfekt von Antiochien und wollte sie zum Abfall ihres Glaubens zwingen. Im Gefängnis erschien ihr ein Drache, das Zeichen für das Böse. Das Kreuz in ihrer Hand und der Drache zur Seite besagen, dass Margareta in der Kraft des Kreuzes das Böse besiegt hat.

Die Margaretentradition ist in unserem Volk tief verwurzelt: Gretchen in Goethes Faust, die Gretel im Märchen. Die Margueritenblume erinnert an die Heilige aus dem Osten. Der Margaretentag hatte im bäuerlichen Jahr eine besondere Bedeutung: Beginn der Ernte, Erledigung der Pacht- und Getreidezinsen. Zahllose Gotteshäuser in aller Welt tragen ihren Namen.

 

 

13. Heiliger Pantaleon 

Name: griechisch PANTELEIMON, ganz mitleidig, der Allerbarmer

Gedenktag: 27. Juli

Heimat: Nikomedien (Türkei)

Todesjahr: 305 als Leibarzt Kaiser Maximians gemartert

Attribut: Hände auf den Kopf genagelt

Patronat: Patron der Ärzte, Hebammen und der Kranken, Helfer gegen Kopfweh.

 

Als geschätzter Leibarzt des Kaisers Maximian half der hl. Nothelfer neben den körperlichen und seelischen Nöten vielen Armen mit seinem Vermögen. Im Orient zählt er zu den "Hagioi anargyrioi", den unentgeltlich Helfenden. Diese Gruppe war im Orient quasi das Gegenstück zu unseren Nothelfern. Neidische Arztkollegen verrieten beim Kaiser, dass er Christ sei.

"Lieber sollen meine Hände verdorren, als dass ich sie zum Schwur der heidnischen Götter erhebe", soll der überzeugte Christ Pantaleon gesagt haben. An einem Olivenbaum angebunden nagelten ihm seine Peiniger beide Hände auf den Kopf. Sterbend betete er noch für sie. Darauf geht sein Name "Panteleimon" zurück. In mehreren Kirchen werden Glasampullen mit dem Blut des heiligen Martyrers aufbewahrt. Der Erzbischof Gero von Köln brachte 871 von Konstantinopel eine Reliquie des Heiligen mit. Die dortige romanische Kirche St. Pantaleon, die seit 1208 auch den Schädel des Heiligen als Reliquie bei sich birgt, ist eine kunstgeschichtliche Sehenswürdigkeit. In Österreich heißen zwei Orte St. Pantaleon. In Oberrotweil am Kaiserstuhl ist die Pferdeprozession ihm zu Ehren alte Tradition.

 

 

14. Heiliger Vitus

Name: lateinisch VITUS, lebensvoll oder "mein lieber Kleiner"

Gedenktag: 15 Juni

Heimat: Sizilien

Todesjahr: um 304 gemartert unter Kaiser Diokletian

Attribut: Ölkessel, Hahn, Adler, Buch

Patronat: Helfer in Anfällen und Notfällen wie Epilepsie (Veitstanz),  Tollwut, Schlangenbiss, bei Blitz und Ungewitter, zur Zeit von Aussaat und Ernte; Patron der Lahmen und Blinden, der Schmiede, Küfer, Gastwirte, Bierbrauer, Schauspieler, Apotheker, der Jugend und der Haustiere (Geflügel); Schutzpatron gegen Krankheiten bei Mensch und Vieh; Schutzherr zahlreicher Zünfte und Bruderschaften. 

 

In der Kurzform Vitus steckt der Name Vitalis, der Lebenskräftige. Eine andere Form sind Veit oder Vit. Das älteste Zeugnis des jugendlichen Märtyrers aus Sizilien findet sich im Martyrologium Hieronymianum um 450. Seine Eltern waren Heiden. Er selbst wurde im Hause christlicher Eheleute getauft und erzogen. Sein Vater war erbost, als er von der Taufe seines Sohnes hörte. Die Legende lässt wissen, dass der Kaiser Diokletian den Jungen in den Kerker sperren ließ, obwohl jener dessen Sohn von der Besessenheit geheilt hatte. In einem Kessel mit siedendem Pech beendete der 12jährige sein mutiges Christ sein. So wurde der Kessel zum Kennzeichen des Heiligen. Später kommen Hahn und Adler, Symbole für Wachsamkeit, sowie das Buch als Zeichen der Glaubensstärke, hinzu.

Seine Gebeine gelangen nach St-Denis in Paris, 836 von dort in die Weserabtei Corvey, die zum Mittelpunkt der Vitus-Verehrung wurde. Sachsen und Pommern verehren ihn als Patron. 1335 brachte Kaiser

Karl IV. brachte sein Haupt als kostbare Reliquie nach Prag. Der gewaltige Veitsdom trägt seinen Namen. So ist Vitus auch Nationalheiliger von Böhmen.

 

 

 

 

Christliche Begräbniskultur

 

 

Tote zu bestatten und Trauernde zu trösten sind Werke der Barmherzigkeit und stellen ein wichtiges Element kirchlicher Diakonie dar. Die pietätvolle Bestattung der Toten ist Liebesdienst sowohl der Angehörigen wie auch der christlichen Gemeinde, letztlich eine Menschenpflicht.

Zur Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit menschlicher Existenz und der Wirklichkeit des Todes gehört auch die Verabschiedung vom toten Körper: das Ankleiden des Toten, das liebevolle Berühren und der Anblick des Leichnams, das bis zu drei Tage gehende Abschiednehmen am Sarg, das offene Grab, das Einsenken des Sarges in die Erde.

Für den Trauerprozess ist die Zulassung solcher Erfahrungen heilsam und notwendig, soll der Schmerz des Verlustes und des Abschied nicht verschleppt werden. Trauer braucht Raum, Schutz und Zeit. Angehörige und mit dem/der Verstorbenen Verbundene haben ein Recht darauf, würdig und angemessen Abschied nehmen zu können.

In der kirchlichen Begräbnisfeier begegnen wir dem Tod als dem, was er ist: eine schmerzlichen Wirklichkeit. Dabei wird der Schmerz nicht verdrängt und die Trauer nicht überspielt, sondern diese schreckliche Wirklichkeit „Tod“ wird in Relation gesetzt zu der aus dem Glauben kommenden Hoffnung. Das kirchliche Begräbnis ist getragen von der christlichen Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben. Christen erinnern sich der Toten, nicht damit sie leben, sondern weil sie leben. Sie hoffen auf Leben und Gemeinschaft mit den Verstorbenen über den leiblichen Tod hinaus.

Zur christlichen Begräbnisfeier mit Erdbestattung gehört das Einsenken des Sarges in die Erde. Dieser Ritus gibt der Feier der „Beerdigung“ den Namen. Es kann sein, dass das Einsenken starke Emotionen bei den Angehörigen auslöst. Dennoch muss dieses bleiben, denn die Trennung vom Verstorbenen, die das Vesenken deutlich macht, und der daraus entstehende Schmerz gehören wesentlich zur Trauerbewältigung. Wird dieser Schmerz nicht zugelassen, dann wird er bloß verschleppt und hemmt den Trauerprozess. Das bloße Hinstellen und Nicht-Versenken des Sarges ist unehrlich gegenüber den Angehörigen, denn damit bleibt die Beerdigung unvollendet.

Zu unserer christlichen Begräbniskultur zählen:

   Kirchliche Begräbnisfeier: Beerdigung (bzw. Beisetzung) und Begräbnismesse.

   Persönliches und gemeinsames Beten für den/die Verstorbene/n

   Erstellung und Gestaltung der Todesanzeige zur Benachrichtigung der Verwandten, Freunde und Bekannten des/der Verstorbenen

   Auswahl und Gestaltung des Sterbebildchens zum Gedenken an den/die Verstorbene/n

   Kranzspenden und Blumen

   Geldspenden für einen bestimmten Zweck auf Wunsch des/der Verstorbenen

   Messfeiern für die Verstorbenen.

 

siehe auch die gesamte Handreichung

 

Erstellt nach einer Vorlage aus dem Referat für Liturgie

der Diözese Eisenstadt, St. Rochus-Straße 21, 7000 Eisenstadt

Neubearbeitet vom Österr. Liturgischen Institut

Erzabtei St. Peter, Postfach 113, 5010 Salzburg

 

 

 

 
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Stand: 22. August 2011