Kirche schmücken . . .
Auszug aus der Predigt des Herrn Kardinal Franz König beim
Treffen der Kirchenschmückerinnen am 9. Juni 2000 (während der Internationalen
Gartenschau in Graz):
"Ich möchte ganz besonders und persönlich all jenen
meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen, die, in der Regel ehrenamtlich,
jahraus jahrein sich bemühen, den Altar und den Kirchenraum festlich zu
schmücken und so etwas von der Schönheit der blühenden Gärten in unsere
Kirchen zu bringen. In dieser Stunde wird mir bewusst, wie sehr wir Bischöfe
und Priester es als selbstverständlich hinnehmen, dass ihr lieben
Kirchenschmücker und Kirchenschmückerinnen oft nicht bedankt und zu wenig
beachtet, tagtäglich, besonders an Sonn- und Feiertagen im Einsatz seid, um die
Frohe Botschaft für die Menschen in einen würdigen Rahmen zu stellen. Blumen
und Blumenschmuck vermitteln den Ausdruck der Freude und der Dankbarkeit Gott
gegenüber; sie tragen dazu bei, das Herz zu bewegen, angesichts der Größe
Gottes, wie sie sich in den kleinen Dingen und ihrer verborgenen Schönheit
offenbart."
Kirchen schmücken – eine wichtige
und wunderbare Aufgabe
Alle, die sich um das
Schmücken der Kirchen angenommen haben, können mit ihre Begabung auf ihre
Weise beitragen zur größeren Ehre Gottes und für die Vermehrung der Freude
der Kirchenbesucher.
Zur Unterstützung und
Vertiefung dieser Aufgabe sind hier einige Überlegungen, die sich aus der
Liturgie ergeben, zusammengefasst.
Grundsätzliches - Schmuck und
Ausstattung der gottesdienstlichen Räume
"Die Ausstattung
der Kirche soll edel und einfach sein und nicht der Prachtentfaltung dienen. In
der Auswahl des Materials für den Schmuck sei man auf Echtheit bedacht: alles
soll zur Formung der Gläubigen und zur Würde des liturgischen Raumes
beitragen." (Allgemeine Einleitung in das Römische Messbuch, Nr. 279)
Nicht verdecken - sondern
unterstreichen
"Schmuck hebt
Schönes hervor und bringt Wertvolles zur Geltung. Deshalb werden seit alter
Zeit die Kirchen und besonders der Altarbereich mit Blumen geschmückt. [...]
Grundsätzlich ist die dienende Funktion des Schmucks zu beachten: das zu
schmückende Objekt sollte durch den Schmuck unterstrichen und nicht verdeckt
werden." (Die Deutschen Bischöfe, Leitlinien für den Bau und die
Ausgestaltung von gottesdienstlichen Räumen, 5. Auflage 2000, S. 40)
Blumenschmuck für den Altar - nicht
auf, sondern vor dem Altar
Der Altar
versinnbildet Jesus Christus selbst, der uns an seinen Tisch zur Gemeinschaft im
heiligen Mahl einlädt. Der Altar ist nicht der Tisch für die Blumen, sondern
der Tisch des Brotes. Auf dem Altar werden die eucharistischen Gaben, die Schale
mit dem Brot und der Kelch mit dem Wein gestellt. Diese Gaben sind die Mitte
jeder Eucharistiefeier und dürfen nicht durch Blumenschmuck verdeckt werden.
Die Bedeutung des
Altares mit den eucharistischen Gaben wird am ehesten unterstrichen, wenn ein
geeignetes Blumenbukett nicht auf den Altar, sondern vor dem Altar auf den Boden
oder auf eine Stele gestellt wird.
Blumenschmuck beim Ambo
Die Bedeutung des Ambo
als Tisch des Wortes wird ebenfalls dann unterstrichen, wenn der Ambo in
ähnlicher Weise mit einem Blumenbukett geschmückt wird.
Abgestuft schmücken - je nach Fest
und Zeit imKirchenjahr
Wir feiern nicht jeden
Tag Ostersonntag, das Kirchenjahr kennt vielmehr verschiedene Festzeiten und
Tage. "Wie bei allen Ausstattungselementen gilt auch für den Schmuck das
Gebot der ‚edlen Einfachheit‘ (SC 34). Der Aufwand sollte den verschiedenen
liturgischen Anlässen und Zeiten entsprechend abgestuft sein." (Die
Deutschen Bischöfe, Leitlinien für den Bau und die Ausgestaltung von
gottesdienstlichen Räumen, 52000, S. 41)
Zum Gebet führen – staunen
können
Die Blumen und
Schmuckelemente sind Ausdruck der Freude und Dankbarkeit Gott gegenüber. Sie
können uns zu einer inneren Haltung des Staunens über die Größe Gottes in
den kleinen Dingen des Lebens führen.
"Der Schmuck der
Kirche soll so sein, dass er als ein Zeichen der Liebe und Ehrfurcht gegenüber
Gott erscheint. Dem Volk Gottes aber soll er den besonderen Charakter der Feste,
innere Freude und Andacht vermitteln." (Zeremoniale für die Bischöfe,
1998, Nr. 37)
Nur Echtes - keine Imitate als
Ersatz
Auch wenn es mitunter
verlockend ist, die Kirchen mit nie verwelkenden Blumenimitaten zu schmücken,
so entsprechen doch allein echte Blumen als Gabe zur Ehre Gottes. Echtheit und
auch Vergänglichkeit gehören zum Wesen des kirchlichen Blumenschmuckes. Daher
ist "von der Verwendung künstlicher Blumen abzusehen." (Die Deutschen
Bischöfe, Leitlinien für den Bau und die Ausgestaltung von gottesdienstlichen
Räumen, 52000, S. 41)
Blumenschmuck - ein Teil des
gesamten Kirchenschmuckes
"Auch Paramente
und Installationen aus textilem Material eignen sich zur Ausschmückung von
gottesdienstlichen Räumen und Orten. Qualität sowohl der Stoffe als auch ihrer
künstlerischen Verarbeitung und Harmonie mit den Anforderungen des Raumes sind
wichtige Gesichtspunkte bei der Auswahl und Platzierung solcher
Schmuckelemente." (Die Deutschen Bischöfe, Leitlinien für den Bau und die
Ausgestaltung von gottesdienstlichen Räumen, 52000, S. 41)
Mag. Erwin Löschberger, Liturgiereferent der Diözese Graz-Seckau
(2002)