In einer schwierigen Zeit

Versuche, stützend und respektvoll Belastendes gemeinsam zu bewältigen

 

Aus: "Zwei trauen dem Leben: Rituale für Paare." Heft 7 der Reihe "Mitten im Leben" aus dem Liturgiereferat Linz (Bestellungen: behelfsdienst@dioezese-linz.at; Preis: € 4,70; 34 A5 Seiten):

 

Können Rituale helfen, wenn ein Paar schwierige Zeiten durchläuft, wenn gemeinsam ein Schicksalsschlag zu überwinden ist oder wenn die Vertrautheit in Gleichgültigkeit und Entfremdung umzuschlagen droht? Einen Versuch ist es wert. Vor allem, wenn Sie erst die drohenden Gewitterwolken aufziehen sehen und nicht schon mitten im Blitzeinschlag stehen.

Wenn Sie das Gefühl haben, es zu zweit nicht mehr zu schaffen, ist es besser, Beratung in Anspruch zu nehmen.

 

·Wenn die Beziehung zu sterben droht

 

Gefühle in Symbole bringen und die Entwicklung mit Symbolen begleiten:

  1. Stellen Sie das Gefühl, das Sie beim Gedanken an den Partner, die Partnerin haben, und wenn Sie mit ihm/ihr zusammen sind, in einem oder mehreren Symbol/en dar. Lassen Sie das Symbol auf den Partner / die Partnerin wirken, ihn rückmelden und legen Sie dann dar, was Sie sich bei der Wahl des Symbols gedacht haben. Lassen Sie auch Ihren Partner / Ihre Partnerin Symbole für seine/ihre Gefühle finden. Kommentieren oder korrigieren Sie einander nicht.

  2. Stellen Sie die Symbole für einige Wochen beiseite und nehmen Sie sie dann wieder her. Was können Sie mit diesen Symbolen anfangen? Gelten Sie noch für Ihr Beisammensein? Oder würden Sie andere Symbole verwenden? In letzterem Fall entfernen Sie die ursprünglichen Symbole bewusst, und, wenn Sie es für stimmig halten, entsorgen Sie sie. Wo stehen Sie jetzt? Was sind die neuen Symbole, was war für eine Entwicklung spürbar? Oder stagniert die Beziehung?

  3. Dann geben Sie die Symbole wieder weg, und setzen Sie einen Impuls der Veränderung, machen Sie als Paar irgend etwas anders als bisher und schauen Sie nach ein paar Wochen, was diese Veränderung gebracht hat. 
    Was könnte sich als „Veränderung“ eignen?: Gemeinsam losgehen, spazierend, wallfahrend; ein Ritual in den Tag einführen, z.B. miteinander die Post durchschauen, ein Glas Wein trinken etc ...


· Rituale für Paare (von Paaren), wenn ein Partner /eine Partnerin schwer krank ist oder im Sterben liegt

 

      Wenn ein Partner auf der Intensivstation liegt (vor allem, wenn das längere Zeit dauert und er keine oder nur wenige/sehr kleine Reaktionen zeigen kann), kann es hilfreich sein, wenn der gesunde Partner regelmäßig zur Besuchszeit kommt. Der Gang ist schwer, weil der/die Besuchende nie weiß, was ihn/sie an jedem neuen Tag erwartet. Da ist es gut, eine fixe Zeit für einen Besuch einzuplanen.

     Viele gehen vor dem Besuch in die Kapelle, beten um Kraft für den Besuch und für ihre/n PartnerIn, zünden eine Kerze an.

      Nähe spürbar machen:
Z. B.: Eine Frau stellt sich ganz ruhig hinter das Bett des Mannes und massiert ihm den Hinterkopf- und Nackenbereich. Diese Massage hat bereits Tradition und somit Bedeutung aus ihrer bisherigen Beziehungsgeschichte.

          Z.B.: Ein Partner massiert dem anderen die Füße.

          Z.B.: Das Gesicht der Partnerin streicheln, eine Hand auf eine Wange legen.

          Auch für Partner ist es wichtig gut darauf zu achten, ob die jeweilige Berührung im Moment vom anderen erwünscht ist.

      Etwas von zu Hause mitbringen, das für den Partner Bedeutung hat: Z.B.: Äpfel / Blumen aus dem eigenen Garten; eine einfache Lieblingsspeise: Kompott, ein bestimmter Salat, …

      Wenn Besuch nicht so oft möglich ist, regelmäßige Anrufe, damit die Partnerin die Stimme des anderen hört.

      Wenn auch ein Telefongespräch mit dem Partner nicht möglich ist, regelmäßiger Anruf auf der Station, um zu wissen, wie es dem/der anderen geht.

Zu Hause ein Bild des Partners/der Partnerin an einem speziell gestalteten Platz aufstellen und intensiv an sie/ihn denken.

Seelsorge-Team des Allg. Krankenhauses der Stadt Linz

 

Gemeinsam beten

 

Als Paar teilen wir eine gemeinsame spirituelle Grundausrichtung. Das erleben wir als bereichernd und stützend und nährend für unsere Beziehung. Unterschiedlich sind aber die bevorzugten Zeiten und konkreten Formen des Betens. Während der eine gerne bald in der Früh den Tag mit dem Beten beginnt und dafür die geprägte Form des Stundengebets schätzen gelernt hat, bevorzugt die andere freiere Formen und eine andere Tageszeit.

Gemeinsam ist uns aber das Wissen, dass der/die andere auch ein betender Mensch ist.

 

Gemeinsam beten ist nicht nur ein Beten in der Zweisamkeit

Unser gemeinsames Beten ist vielfach eingebettet in das Gebet mit anderen:

     wenn wir sonn- und feiertäglich in der Pfarrgemeinde Eucharistie feiern; das gehört für uns wesentlich zum Sonntag;

     wenn wir einmal im Monat in einer offenen Runde zum Taizé-Gebet zusammenkommen;

     wenn wir in regelmäßigen Abständen mit einem befreundeten Ehepaar in der Bibel lesen und über das Gelesene sprechen;

     wenn wir gemeinsam mit anderen singen – z.B. beim Proben für besondere Gottesdienste.

     Selbstverständlich ist das Tischgebet bei gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie, ein Segen beim Anschneiden eines frischen Brotlaibes; das Segenskreuzerl auf die Stirn beim Fortgehen und beim Gute-Nacht-Sagen.

     An Samstagen versuchen wir gemeinsam mit den Kindern zu jausnen; davor zünden wir auf dem festlich gedeckten Tisch eine Kerze an und beten nach kurzer Stille das Vater unser.

     Kurze Abendgebete pflegen wir als Familie auch vor allem an den Adventabenden.

 

Gemeinsam beten zu zweit

Für unser Beten in der „Zweisamkeit“ bleiben wir auf der Suche. Gute Erfahrungen haben wir bisher gemacht mit einer gemeinsamen Zeit des Schweigens.

Wichtig ist uns dafür ein geschützter Rahmen, möglichst frei von Störungen. Der Tisch muss frei geräumt sein von Dingen, die erledigt werden mussten oder müssen. Mit dem Anzünden der Kerze und einem Kreuzzeichen beginnt das gemeinsame Schweigen. Anregend dafür kann sein ein kurzer Gedanke, ein Schriftwort oder aber auch die Orientierung am „Gebet der liebenden Achtsamkeit“. Daraus kann sich ein Gespräch ergeben, oder – ausgehend von Schritt 4; siehe unten) – Fürbitten/Dank und ein abschließendes Vater unser.

 

Gebet der liebenden Achtsamkeit

Wenn wir unser Leben mit einem liebenden Blick achtsam anschauen und es im Gebet Gott anvertrauen, so können wir unsere Berufung als Christ / als Christin immer neu wahrnehmen.

 

1) Ganz da sein

Ich bin da. Ich nehme mich wahr. Ich spüre meinen Atem. Gott ist da. Ich bitte um seinen Atem.

 

2) Den Tag (einen Abschnitt) in den Blick nehmen

Ich gehe den ganzen Tag durch, ohne Wertung, lasse ihn wie einen Film ablaufen: Was war? Ich nehme an, was war und was jetzt ist.

 

3) Gottes Spuren entdecken

Was hat mich in meinem Tag besonders bewegt? Freude, Betroffenheit, Unruhe, Trauer, ... Was will Gott mir dadurch sagen?

 

4) Vor Gott bringen

Ich bringe vor Gott, was mir aufgegangen ist. Ich danke, lobe, bitte um Vergebung, je nachdem ... Gott nimmt mich an, wie ich bin. Ich bin einmalig und kostbar – mit allem.

 

5) In Gott loslassen

Ich atme bewusst aus und lasse alles los in die Liebe Gottes. Ich vertraue ihm das an, was kommt, die nächsten Schritte, die Nacht ...

 

Eva und Christoph Freilinger, Linz


 

 

 
 
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:  oeli@liturgie.at
Stand: 19. August 2010