Die Feier am Heiligen Abend in der Familie

 

Schon der Begriff "Heiliger Abend" zeigt an, dass es sich um einen besonderen Abend handelt. Mit diesem Abend beginnt das Weihnachtsfest, das Fest der Geburt des Sohnes Gottes, Jesus Christus. Menschwerdung Gottes ist etwas Geheimnisvolles und doch der große Schritt Gottes zu den und unter die Menschen. Gott sendet seinen Sohn, damit er die Erlösung der Menschen von den Sünden wirke. Er wird wie jeder andere Mensch als Kind in diese Welt hineingeboren. Er ist das eigentliche Geschenk Gottes an die Menschen, das Gott für immer uns Christen anvertraut hat, damit wir es dieser Welt verkünden. Eine große Kunst ist es jedoch, dieses Geschenk anzunehmen. Das Weihnachtsfest und im Besonderen der Heilige Abend sollte – bei uns zuhause war es so – ein dankbares Zeichen dieser bewussten Annahme des großen Geschenkes Gottes für die Menschen und die ganze Schöpfung sein.

Auf dem Weg zum Fest – Einstimmung am Heiligen Abend

In manchen Pfarren läuten die Glocken beim Dunkelwerden am späten Nachmittag das Weihnachtsfest ein. Zu diesem Zeitpunkt sollte jede hektische Vorbereitung zum festlichen Abend beendet sein.

Weil wir in Jesus Christus eine Kirche sind, die auch alle Vollendeten im Himmel umfasst, darum ist es besonders wertvoll, den Heiligen Abend mit einem Friedhofsgang zu beginnen und dabei all derer zu gedenken, die uns in das ewige Leben vorausgegangen sind.

Zurück in der Familie wäre jetzt ein weihnachtliches Abendgebet angebracht, das nach uralter Tradition die Feier des Abends eröffnet.

Danach ist es in vielen Gegenden unseres Landes üblich, mit einem Weihrauchfass oder einer Räucherpfanne unter Gebet in der Wohnung oder im Haus räuchern zu gehen. Was ursprünglich, genauso wie das Verbrennen des Christblockes (ein geweihtes Holzscheit), ein heidnischer Brauch war, soll jetzt immer mehr auf das eigentliche Weihnachtsgeheimnis hinführen. Der aufsteigende Rauch ist hier ein Zeichen für die Gebete, die zum Himmel aufsteigen.

Feier bei Krippe und Christbaum

Wenn dann die Glocke läutet und alle eingeladen sind, das Zimmer mit dem Christbaum zu betreten, dann sollte das Zentrum die Weihnachtskrippe sein , in der allerdings noch kein Jesuskind liegt. Bei der Krippe kann eine Kerze brennen. Die Familie versammelt sich um die Krippe, dann wird das Weihnachtsevangelium vom Vater oder von der Mutter vorgelesen:

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

Nach dem Vorlesen des Weihnachtsevangeliums wäre eine kurze Stille angebracht.

Darauf kann der Vater oder die Mutter ein Segensgebet über die Krippe sprechen, wie zum Beispiel:

Gott, wie ein guter Vater und wie eine liebende Mutter beschenkst du die Menschen und die ganze Schöpfung.

Segne diese Krippe, die wir zur Verehrung der Menschwerdung Deines Sohnes Jesus Christus errichtet haben.

Schütze unsere Familie und schenke uns den Frieden, der den Menschen guten Willens versprochen ist.

Amen.

Dann wird die Krippe mit Weihwasser besprengt und das Jesuskind in die Krippe im Stall gelegt.

Jetzt werden mit dem Licht der Kerze, die bei der Krippe brennt, die Kerzen am Christbaum entzündet. Der Christbaum ist einerseits ein Symbol für den Baum der Erkenntnis im Paradies, verweist also an den Anfang der biblischen Menschheitsgeschichte, und andererseits ist er ein Zeichen für den Lebensbaum, der hier erstrahlend auf die Fülle des Lebens in Endgültigkeit hinweist.

Den Abschluss dieser Feier soll ein Weihnachtslied (z.B. "Stille Nacht, heilige Nacht ...) bilden.

Nach einem kurzen, stillen Innehalten sollte man in der Familie einander die Geschenke überreichen. Auch sie sind ein Zeichen dafür, dass Gott uns so unvergleichlich groß in seinem Sohn Jesus Christus beschenkt hat.

Dies festliche Freude sollte auch im traditionellen Weihnachtsessen zum Ausdruck kommen und durch die Gemeinsamkeit am Tisch weiterwirken in den Abend hinein, bis die Kirchenglocken zur "Mette" – zur ersten Weihnachtsmesse am späten Abend oder am Beginn der ersten Stunde des anbrechenden Weihnachtstages rufen.

 

Mit diesen Anregungen zur Feier eines festlichen Heiligen Abends in der Familie wünsche ich Ihnen Gottes Segen und jenen Frieden der Weihnacht, den nur Gott uns geben kann und in Jesus Christus, seinem Sohn, schon für alle Zeiten gegeben hat.

Dr. Gustav Pirich

(2001)

 

Hinweis: Weitere Gesangs- und gebetsanregungen finden Sie in den Hauskirche-Gebetsheften, die in vielen Pfarren zum Kauf angeboten werden. Ein neues Heft aus der Diözese Linz finden Sie hier vorgestellt.

 

 

 

 

 
 
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Stand: 25. August 2008