Gedanken und Anregungen zum Erntedankfest
Geschichtliches
Schon
sehr lange Zeit wird in der Katholischen Kirche das Erntedankfest gefeiert
(älteste Zeugnisse weisen bis in das 3. Jh. zurück). Allerdings hat es nie
eine Verpflichtung zur Feier dieses Festes und auch keinen einheitlichen
Festtermin gegeben, da weltweit das Einbringen der Ernte witterungs- und
jahreszeitenbedingt terminlich nicht festlegbar ist.
In
Mitteleuropa hat es sich eingebürgert, dieses Fest an einem Sonntag Ende
September / Anfang Oktober zu feiern.
Gedanken
Im
Erntedankfest danken wir Gott für die Schöpfung und die Ernte unserer Arbeit.
In vielen Gemeinden ist es üblich, den Altarraum der Kirche mit Erntegaben zu
schmücken. Da stehen dann die Weizen- und Roggengarben, Kränze aus Kräutern
und Blumen, die Äpfel und vielerlei andere Früchte.
"Die
Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit", für die katholische Christen
in jeder Eucharistiefeier danken, wird besonders in den Blick genommen. Das ist
gut so, denn so lange sich der Mensch als Teil einer göttlichen Schöpfung
begreift, wird er auch das, was er erarbeitet, auf Gott zurückführen und
danken.
Sind
aber Äpfel und Birnen genug, um heute die Früchte unserer Arbeit zur
Darstellung zu bringen?
Der
vorherrschende Bereich in der Welt ist zunehmend die Wirtschaft. Kommt aber die
scheinbar alles beherrschende Wirtschaft, wir als Produzenten und Konsumenten,
im Gottesdienst generell und in besonderer Weise zum Erntedankfest vor? Geht
eigentlich unsere Liturgie in der Sprache und in den Symbolen auf die
Wirtschafts- und Arbeitswelt von heute ein? Grundsätzlich wird nach wie vor,
gerade zum Erntedank eine ausgeprägte "bäuerliche Liturgie"
gefeiert. Das soll und darf auch so sein, aber finden die vielen Menschen, die
nicht mehr direkt mit der Landwirtschaft verbunden sind, ihre
"Arbeitsleistungen" in den bäuerlichen Symbolen wider? Hat schon
einmal jemand einen Computer zur Segnung in die Kirche getragen? Oder: wie viele
Glocken läuten, wenn ein Betrieb Mitarbeiter und Mitarbeiter/-innen in die
Arbeitslosigkeit entlässt?
Eine
weitere Dimension, die uns gerade zum Erntedankfest berührt, sind die
ungerechten Arbeits- und Lohnbedingungen, unter denen weltweit viele Menschen zu
leiden haben. So kommt es nicht von ungefähr, dass
"Dritte-Welt-Gruppen" (manchmal heißen sie auch "Eine-Welt-Gruppen")
die Erntedankfeier mit einer Solidaritätsaktion zugunsten solcher Menschen und
Völker, die unter ungerechten Lebens- und Arbeitsbedingungen leiden, verbinden.
Zurück
zur Landwirtschaft: Jüngste Medienberichte haben uns aufgerüttelt. Da war von
Genetisch veränderten Nahrungsmitteln, Rinderwahnsinn,
Kreutzfeld-Jacobs-Syndrom, Antibiotika im Tierfutter, ..., zu hören und zu
lesen. Ist dies eine Ernte für die wir danken können?
Wir
bleiben Teil der Natur und der Schöpfung, selbst wenn wir in sie eingreifen und
wahrscheinlich tut eine Rückbesinnung auf die Abhängigkeit von dieser Natur,
in die wir immer wieder positiv und negativ eingreifen, gut.
Damit verbunden können wir unsere Dankbarkeit Gott gegenüber ausdrücken,
indem wir ihm seine Schöpfung und die vielen Dimensionen menschlicher Arbeit
mit Dank, Lobpreis und Bitte gerade am Erntedankfest ans Herz legen.
Anregungen
zur Gestaltung eines Erntedankgottesdienstes
Rahmenbedingungen
Der
Altar selbst bleibt frei.
Als
"symbolhafter" Schmuck sind in der Nähe des Ambo verschiedenste
Zeichen der Erträge menschlicher Arbeit dargestellt: z.B. Korb mit Früchten;
Blumen; zu Garben gebundene Ähren; Schulbücher und Schulhefte; die Bilanz
eines Betriebes; verschiedenste Werkzeuge, ...
Einzugsprozession
Wird
von einer Person mit dem Vortragekreuz angeführt. Auch Weihrauch und Kerzen
sollten von den Ministranten/-innen mitgetragen werden. Vor dem Priester wird
das Lektionar bzw. das Evangeliar getragen.
Die Gemeinde singt unterstützt durch einen Kantor und instrumentaler Begleitung
ein Einzugslied.
Als Zeichen, dass sich Christus zu den Symbolen und Erträgen unserer Arbeit
stellt, werden das Vortragekreuz zwischen den Symbolen aufgestellt und die Bibel
auf das Ambo gelegt. Wenn Weihrauch mitgetragen werden, wird der Altar und das
Vortragekreuz, das inmitten der Erntegaben steht, inzensiert.
Zum
Altarkuss verneigen sich alle und gehen dann zu ihren Plätzen.
Eröffnung
Vom
Vorstehersitz aus eröffnet der Priester den Gottesdienst mit dem gemeinsamen
Kreuzzeichen.

Mögliche
einführende Worte
Liebe
Pfarrgemeinde!
Ich begrüße Euch alle zu diesem Erntedankgottesdienst. Besonders möchte ich
euch Kinder hier in unserer Mitte willkommen heißen.
Wir haben uns wieder versammelt, um miteinander unser Leben mit unserem Gott zu
feiern.
Als Zeichen, dass Christus Interesse an uns und unserem Leben hat, an all den
schönen und auch traurigen Seiten, haben wir das Kreuz in die Mitte unserer
Erntedankgaben gestellt. Er ist mitten unter uns, darauf dürfen wir vertrauen
und in seine Hände wollen wir unser Leben legen.
"Bußakt"
Benennung
von Ereignissen und Situationen im Leben einzelner Gläubiger, im Leben der
Gemeinde und der Welt, die betroffen machen (weil sie Christus betroffen machen)
und passender Weise eine Verbindung zu den aufgestellten Symbolen haben. Das
können z.B. Hinweise auf BSE, Gentechnik, (ungerechte) Arbeits- und
Lohnbedingungen - Arbeitslosigkeit, Diskussion um Sonntagsarbeit; ... in Form
von kurzen persönlichen Schilderungen, kurzen Texten aus Zeitungen, ... sein.
Darauf folgt die
Kyrielitanei mit Vergebungsbitte
Kyrie:
Herr,
Jesus Christus, du richtest die Mutlosen wieder auf
Kyrie
eleison
Herr
Jesus Christus, du öffnest die Herzen der Menschen
Christe
eleison
Herr,
Jesus Christus, du heilst, was verwundet ist
Kyrie
eleison
P.:
Der Herr erbarme sich unser,
er
nehme von uns Sünde und Schuld,
damit
wir mit reinem herzen diese Feier begehen.
A:
Amen.
Gloria /
Tagesgebet
Lesungen /
Evangelium / Homilie
Tageslesungen
(da das Erntedankfest an verschiedenen Sonntagen gefeiert wird, kann hier nicht
näher auf die Bibelstellen eingegangen werden)

Gebet der
Gläubigen / Fürbitten
Es
geht um die konkreten Anliegen der versammelten Gemeinde zur jeweiligen Zeit,
eingebunden in die offiziell vorgesehenen Anliegen für die Regierenden und das
Heil der ganzen Welt, für alle von verschiedener Not Bedrückten, für die
Kirche und die Ortsgemeinde.
Daher
werden hier die Bitten nicht ausformuliert, sondern nur einige mögliche
Themenbereiche benannt:
Kollekte
Ein
Mitglied der pfarrlichen Eine-Welt-Gruppe benennt und erklärt in wenigen Worten
das Projekt in der Dritten Welt, für das gesammelt wird.
Danach wird mit vielen Körbchen möglichst rasch gesammelt – Instrumentale
Begleitung.

Gabenbereitung /
Gabengebet
Gemeinsam
mit den Zeichen von Brot und Wein werden die Körbchen mit dem gesammelten Geld
zum Altar getragen. Die Sammler/-innen gehen zusammen mit den Trägern von Brot
und Wein zum Altar und übergeben die Kollekte dem Diakon oder Priester.
Einer
der Miglieder der Eine-Welt-Gruppe spricht:
Wir
bringen die Spenden unserer Gemeinde. Sie sind Ausdruck unserer Solidarität mit
Menschen in Not. Gott, Du beschenkst uns mit dem Reichtum deiner Schöpfung.
Schenke jenen Mut für das Leben, die wir durch unsere Geldspende unterstützen.
Die
Kollekte wird in der Nähes des Altares abgestellt. Es folgt die Übergabe der
eucharistischen Gaben an den Priester bzw. Diakon und die Gabengebete.
Eucharistisches
Hochgebet
Empfohlen:
Drittes oder viertes Hochgebet
Präfation
In
die Präfation, dem großen Dankgebet in der Messe, soll auch der konkrete Dank
der Menschen an Gott für ihre hoffnungsvollen Lebensumstände eingebaut werden:

Beispielhaft:
Priester:
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und
überall zu danken
Sprecher/-in:
Wir danken dir für die Schönheit der Natur, in der uns deine Schöpfung immer
wieder neu bewusst wird.
Kurzer gesungener Dankruf
Sprecher/-in:
Wir danken dir, für die vielfältigen Erträge unseres Schaffens und Arbeitens.
Kurzer gesungener Dankruf
Sprecher/-in:
Wir danken dir für die vielen engagierten Menschen unserer Pfarrgemeinde.
Kurzer gesungener Dankruf
Sprecher/-in:
Wir danken dir für unsere Kinder und alle, die zu uns gehören.
Kurzer gesungener Dankruf
Sprecher/-in:
Wir danken dir, dass du es gut mit uns meinst und du uns liebst.
Kurzer gesungener Dankruf
Priester:
Ja, in Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater immer und
überall zu danken .....
(Fortsetzung
der Präfation des Hochgebetes)
