Modell
für ein Totengedenken bei einem Kriegerdenkmal
Das
Gedenken an Verstorbene der Weltkriege ist eine sensible Angelegenheit. Die
religiöse Feier, deren Inhalt der Glaube an die Auferstehung und die Hoffnung
auf ein Wiedersehen mit unseren Verstorbenen ist. Politische oder moralisierende
Kommentare haben ihren Platz nicht in einer Liturgie.
L
steht für die Leiterin oder den Leiter des Gottesdienstes, alle Texte und
Handlungen können auch von dazu beauftragten Laien ausgeführt werden. Nach Möglichkeit
werden für die Kyrierufe, das Schriftwort und die Fürbitten andere zum
Vorlesen gebeten.
Eröffnung
L
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A Amen.
Kyrie
L Rufen wir
gemeinsam zu Jesus Christus, der uns in seiner Auferstehung das Tor vom Tod zum
Leben geöffnet hat:
L
Herr, erbarme Dich!
A Herr, erbarme
Dich!
L
Christus, erbarme Dich!
A Christus, erbarme
Dich!
L
Herr, erbarme Dich!
A Herr, erbarme
Dich!
Schriftwort
Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist ein Stachel? Der
Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott
aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Christus, unseren Herrn. (1Kor
15,55-57)

Auslegung
Kriege haben zu allen Zeiten unsägliches Leid über die Menschen
gebracht. Niemand kann das besser bezeugen, als jene, die in den Kriegen des 20.
Jahrhunderts gekämpft haben oder durch diese Kriege ihre Angehörigen, ihr
Zuhause oder ihre Gesundheit verloren haben. Menschliche Kriege laufen immer
nach dem selben Prinzip ab: Wir kämpfen gegeneinander, versuchen mit allen
Mitteln, die anderen zu besiegen und ihre Güter zu unserem Besitz zu machen.
Nicht anders bei dem Krieg, den Paulus den Korinthern schildert: Tod und
Christus kämpfen um die Menschheit und gerade als der Tod glaubt, mit der
Hinrichtung Jesu nun den Sieg davongetragen zu haben, wird er von Gott durch die
Auferstehung von innen her entmachtet und unterworfen. Bei diesem Kampf siegen
Christus und wir an seiner Seite, denn der Tod kann uns nun nichts mehr anhaben.
Die gefallenen Soldaten und getöteten Zivilisten aller Seiten, deren wir hier
gedenken, haben jetzt schon Anteil an dem Sieg, der uns in Christus geschenkt
ist; wir sind noch auf dem Weg dorthin. Alles, was die hier aufgeschriebenen
Gefallenen an Unrecht getan haben, wird von Gott versöhnt werden, und alles,
was sie an Kameradschaft und Nächstenliebe geleistet haben, wird von ihm gewürdigt
werden. Für alle, die damals wie heute durch Kriege zu Schaden kommen,
wollen wir in den Fürbitten zu Gott rufen.
Fürbitten
und Vaterunser
L Rufen wir gemeinsam zu Gott, der unsere
Nöte kennt und die Kraft hat, unsere Bitten zu erfüllen:
Für
alle Gefallenen, deren wir an diesem Denkmal gedenken
Für
alle getöteten, Sanitäter, Versorger und Zivilisten
Für
alle, die durch Kriege ihre Familie, ihr Zuhause oder ihre Heimat verloren haben
Für
alle, die in Zeiten des Krieges Schuld auf sich geladen haben
Für
alle, die füreinander das Leben gegeben haben
L
Alle unsere Bitten fassen wir zusammen im Gebet des Herrn:
A
Vater unser…
Besprengung
und Beräucherung
Gebet
L
Gott des Friedens und der Versöhnung, du setzt den Kriegen ein Ende und versöhnst
unversöhnliche Feinde. Nimm alle in Deinen Frieden auf, die hier auf Erden gekämpft
haben und gefallen sind, führe sie in Deinem Reich mit ihren ehemaligen Gegnern
und allen, die durch Kriege ihr Leben verloren haben, zum gemeinsamen Festmahl
zusammen durch Christus, unseren Herrn.
A Amen.
Segen
L Der Herr segne uns, er bewahre uns vor
allem Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
A Amen
L Herr, gib ihnen
die ewige Ruhe!
A Und das ewige
Licht leuchte ihnen!
L Lass sie ruhen in
Frieden!
A Amen!
Stefan Gugerel, Linz (2008)
