Die Feier der Krankensalbung

in einer Wort-Gottes-Feier

mit der Gemeinde

 

Vorbemerkungen

Wie der Jakobusbrief (Jak 5,14-15) bezeugt, war schon bei den ersten Christen die Sorge um die Kranken keine Aufgabe, die man nur angestelltem Pflegepersonal überließ. Sie war Anliegen und Auftrag der ganzen Kirche, weshalb die "Ältesten" ( d. s. Verantwortungsträger und Vertreter der Gemeinde) zum Gebet herbeigerufen werden sollten. Um das auch in diesem Gottesdienst zeichenhaft zum Ausdruck zu bringen, sollen Pfarrgemeinderäte oder/und jene Personen, die mit dem Priester die Aufgabe der Krankenpastoral wahrnehmen, an der Feier der Krankensalbung mitwirken.

Dieser Gottesdienst beginnt mit einem Klagepsalm, der so gegliedert ist, dass jeweils den Versen mit der Klage Verse der Zuversicht folgen und danach Lichter der Hoffnung entzündet werden. Die entsprechenden Verse sollten auch von verschiedenen Sprechern vorgetragen (oder beim gemeinsamen Beten von zwei unterschiedlichen Gruppen gesprochen) werden.

Damit die Bedrückung und das Aufrichten auch sinnlich erfahrbar wird, soll der Raum, in dem der Gottesdienst gefeiert wird, eher dunkel sein.

 

Eröffnung

 

Gruß und Einführung

 

Gesang:

z. B.: Wer unterm Schutz des Höchsten steht (GL 291,1-3)

 

Schuldbekenntnis

P: Brüder und Schwestern, damit wir diese heilige Feier in der rechten Gesinnung begehen,

prüfen wir uns selbst und bekennen unsere Schuld.

A.: Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen,

und allen Brüdern und Schwestern,

dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe ...

 

Vergebungsbitte

P: Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er lasse uns die Sünden nach

und führe uns zum ewigen Leben.

A.: Amen.

Wortgottesdienst

 

Lied:

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, z. B. in: "Du wirst ein Segen sein", Nr. 618

Oder: Herr unser Herr, wie bist du zugegen (GL 298)

 

Psalm 22,2-6:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, *

bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?

 

Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; *

ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.

 

    Aber du bist heilig, *

    du thronst über dem Lobpreis Israels.

 

    Dir haben unsre Väter vertraut, *

    sie haben vertraut, und du hast sie gerettet.

 

    Zu dir riefen sie und wurden befreit, *

    dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.

 

Lied:

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

 

Die erste Kerze wird entzündet

 

Psalm 22,7-11:

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,*

der Leute Spott, vom Volk verachtet.

 

Alle, die mich sehen, verlachen mich, *

verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:

 

«Er wälze die Last auf den Herrn,*

der soll ihn befreien!

 

Der reiße ihn heraus,*

wenn er an ihm Gefallen hat.»

 

    Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, *

    mich barg an der Brust der Mutter.

 

    Von Geburt an bin ich geworfen auf dich,*

    vom Mutterleib an bist du mein Gott.

Lied:

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

 

Die zweite Kerze wird entzündet

 

Psalm 22;12-32:

Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe,*

und niemand ist da, der hilft.

 

Viele Stiere umgeben mich,*

Büffel von Baschan umringen mich.

 

Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf,*

reißende, brüllende Löwen.

 

Ich bin hingeschüttet wie Wasser, /

gelöst haben sich all meine Glieder.*

Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.

 

Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, /

die Zunge klebt mir am Gaumen,*

du legst mich in den Staub des Todes.

 

Viele Hunde umlagern mich, /

eine Rotte von Bösen umkreist mich.*

Sie durchbohren mir Hände und Füße.

 

Man kann all meine Knochen zählen;*

sie gaffen und weiden sich an mir.

Sie verteilen unter sich meine Kleider*

und werfen das Los um mein Gewand.

 

    Du aber, Herr, halte dich nicht fern!*

    Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!

 

    Entreiße mein Leben dem Schwert,*

    mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!

 

    Rette mich vor dem Rachen des Löwen,*

    vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!

 

    Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,*

    inmitten der Gemeinde dich preisen.

 

    Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, /

    ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn;*

    erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels!

 

    Denn er hat nicht verachtet, *

    nicht verabscheut das Elend des Armen.

 

    Er verbirgt sein Gesicht nicht vor ihm;*

    er hat auf sein Schreien gehört.

 

    Deine Treue preise ich in großer Gemeinde;*

    ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten.

 

Die Armen sollen essen und sich sättigen; /

den Herrn sollen preisen, die ihn suchen.*

Aufleben soll euer Herz für immer.

 

Alle Enden der Erde sollen daran denken /

und werden umkehren zum Herrn:*

Vor ihm werfen sich alle Stämme der Völker nieder.

 

Denn der Herr regiert als König;*

er herrscht über die Völker.

 

Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde,*

vor ihm sich alle niederwerfen, die in der Erde ruhen.

 

Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, /

seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk;*

denn er hat das Werk getan.

Lied:

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

 

Die dritte Kerze wird entzündet

 

Lesung aus dem Buch Jesaja

( Jes 43,1-7)

 

So spricht der Herr,

    der dich geschaffen hat, Jakob,

    und der dich geformt hat, Israel:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst,

ich habe dich beim Namen gerufen,

    du gehörst mir.

Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir,

wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort.

Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt,

keine Flamme wird dich verbrennen.

Denn ich, der Herr, bin dein Gott,

ich, der Heilige Israels, bin dein Retter.

Ich gebe Ägypten als Kaufpreis für dich,

    Kusch und Seba gebe ich für dich.

Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist

    und weil ich dich liebe,

gebe ich für dich ganze Länder

    und für dein Leben ganze Völker.

Fürchte dich nicht,

    denn ich bin mit dir.

Vom Osten bringe ich deine Kinder herbei,

vom Westen her sammle ich euch.

Ich sage zum Norden: Gib her!,

und zum Süden: Halt nicht zurück!

Führe meine Söhne heim aus der Ferne,

    meine Töchter vom Ende der Erde!

Denn jeden, der nach meinem Namen benannt ist,

habe ich zu meiner Ehre erschaffen, geformt und gemacht.

Lied:

Meine enge Grenzen, z. B. in: "Du wirst ein Segen sein", Nr. 132

 

Lesung aus dem Brief des Apostels Jakobus

( Jak 5,13-16)

 

Ist einer von euch bedrückt?

    Dann soll er beten.

Ist einer fröhlich?

    Dann soll er ein Loblied singen.

Ist einer von euch krank?

    Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich;

sie sollen Gebete über ihn sprechen

    und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben.

Das gläubige Gebet wird den Kranken retten,

    und der Herr wird ihn aufrichten;

wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.

Darum bekennt einander eure Sünden,

und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet.

Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.

Gedanken zur Homilie

Heute würde es wohl heißen. Wer krank ist, der gehe zum Arzt (oder lasse ihn rufen), dieser wird nach den Symptomen fragen, eine Diagnose stellen, Medikamente verschreiben und einen Therapievorschlag machen.

Für Kranke und Krankheiten, so denken heute viele, sind wir nicht zuständig. Dazu haben wir berufliche Spezialisten und ausgebildetes Personal, und auch die Angehörigen müssen sich um ihre Kranken kümmern. Und wenn für das Körperliche alles getan oder nichts mehr zu machen ist, so dachte man auch unter Gläubigen, dann muss der Spezialist für das Wohl der Seele, muss der Priester gerufen werden.

Aber der Apostel spricht nicht von einem Priester, er spricht in der Mehrzahl von den Ältesten, das waren zu seiner Zeit nicht allein der Priester oder der Bischof, sondern die Mitverantwortlichen in Kirche und Gemeinde, wir würden heute sagen: die Pfarrgemeinderäte.

Das will uns wohl sagen: Krankheiten und Kranke sind keine Angelegenheiten und Aufgaben, um die sich nur die kümmern sollen, die dafür angestellt und ausgebildet sind und dafür bezahlt werden; die Kranken sollen außerhalb unseres Gemeindelebens und außerhalb unserer Gottesdienste besorgt und versorgt werden. Nein, die Kranken gehören ins Zentrum des Pfarrlebens und um sie sollen sich die Verantwortungsträger der Pfarrgemeinde versammeln.

Die Kranken dürfen auch nicht zum Objekt einer speziellen Pastoral gemacht werden, sondern die Sorge um die Kranken gehört zur Haupt- und Lebensaufgabe der gesamten Gemeinde.

Dies allen wollen wir heute auch zum Ausdruck bringen, wenn nicht nur der Priester allein einen einzelnen Kranken besucht, im Namen der Kirche betet und das Sakrament der Krankensalbung "spendet" (Im Lateinischen heißt er übrigens nicht "Spender" sondern "minister" = Diener des Sakramentes). Vielmehr hat sich hier ein Teil der Gemeinde versammelt und betet mit dem Vorsteher. Und einige Vertreter der Gemeinde wirken mit und stützen die Kranken, wenn der Priester als Diener in der Feier der Krankensalbung die Hände ausbreitet und Gottes Kraft und seinen heiligen Geist auf die Kranken herabfleht.

Wir lassen bei diesem Dienst weder den Priester noch die Kranken allein. Deshalb haben wir im Psalm 22 über Krankheit und Leid geklagt, aber uns auch eingelassen auf die Hoffnung und die Zuversicht des biblischen Beters und Sängers. Er weiß ein Lied davon zu singen, wie es Menschen in ihrem Leid geht.

Jesus selbst hat diesen Psalm angestimmt im äußersten Schmerz seines Kreuzesleidens. Aber er wusste auch um die Zusage in diesem Lied, dass Gott uns sicher nicht hängen lässt, sondern uns Kraft gibt, um wieder aufzustehen und neu anzufangen, und dass Liebe durchträgt und Hoffnung auch die schwersten Stunden durchleben lässt.

 

Anschließend kommen die Kranken nach vorne

Feier der Salbung

 

Anrufungen

V: Herr, nimm dich gütig unserer Kranken an.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

V.: Gib ihnen neue Kraft und Zuversicht.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

V.: Lass ihre Ängste schwinden.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

V.: Befreie sie von aller Last der Sünde und Versuchung.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

V.: Eile allen Kranken mit deiner Gnade zu Hilfe.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

V.: Stärke mit deiner göttlichen Hilfe auch alle, die für sie da sind und ihnen beistehen.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

V.: Schenke unseren Kranken, denen wir nun in deinem Namen die Hände auflegen,

Leben und Heil

Handauflegung

Die Verantwortlichen in der Gemeinde (z.B. Pfarrgemeinderäte oder Krankenkommunionhelfer) stellen sich hinter die Kranken und stützen sie oder legen ihnen (wie die Paten bei der Firmung) die rechte Hand auf die Schulter.

Der Priester legt schweigend den Kranken eine Zeitlang die Hände aufs Haupt.

 

Lobpreis und Anrufung Gottes über dem Öl

Steht vom Bischof geweihtes Krankenöl zur Verfügung, spricht der Priester den Lobpreis und die Anrufung über dem Öl:

Z.: Sei gepriesen, Gott, allmächtiger Vater: Für uns und zu unserem Heil hast du deinen Sohn in diese Welt gesandt.

Wir loben dich

A.: Wir preisen dich.

Z.: Sei gepriesen, Gott, eingeborener Sohn: Du bist in die Niedrigkeit unseres Menschenlebens gekommen, um unsere Krankheiten zu heilen.

Wir loben dich

A.: Wir preisen dich.

Z.: Sei gepriesen, Gott, Heiliger Geist, du unser Beistand: Du gibst uns Kraft und stärkst uns in den Gebrechlichkeiten unseres Leibes.

Wir loben dich

A.: Wir preisen dich.

Z.: Herr, schenke deinen Dienerinnen und Dienern, die mit diesem heiligen Öl in der Kraft des Glaubens gesalbt werden, Linderung ihrer Schmerzen und stärke sie in ihrer Schwäche.

Durch Christus, unseren Herrn.

A.: Amen.

 

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Steht kein vom Bischof geweihtes Krankenöl zur Verfügung, segnet der Priester das Öl:

 

P.: Lasst uns beten:

Herr und Gott, du Vater allen Trostes, du hast deinen Sohn gesandt, den Kranken in ihren Leiden Heilung zu bringen. So bitten wir dich: Erhöre unser gläubiges Gebet. Sende deinen Heiligen Geist vom Himmel her auf dieses Salböl herab. Als Gabe deiner Schöpfung stärkt und belebt es den Leib. Durch deinen Segen + werde das geweihte Öl für alle, die wir damit salben, ein heiliges Zeichen deines Erbarmens, das Krankheit, Schmerz und Bedrängnis vertreibt, heilsam für den Leib, für Seele und Geist.

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

A.: Amen.

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Heilige Salbung

Der Priester nimmt das heilige Öl und salbt die Kranken auf der Stirn und auf den Händen

Er spricht bei der Salbung auf die Stirn:

P.: Durch diese heilige Salbung

helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen,

er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes.

A.: Amen.

 

Bei der Salbung auf den Händen spricht er:

Z.: Der Herr, der dich von Sünden befreit,

rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.

A.: Amen.

 

Gebet nach der Salbung

Als Überleitung zum Gebet nach der Salbung können Kyrie-Rufe gesprochen werden.

 

V.: Herr Jesus Christus, du hast unsere Schwachheiten auf dich genommen und unsere Schmerzen getragen: Herr, erbarme dich.

A.: Herr, erbarme dich.

V.: Du hast dich in Liebe des Volkes erbarmt und Kranke geheilt: Christus, erbarme dich.

A.: Christus, erbarme dich.

V.: Du hast deinen Jüngern aufgetragen, den Kranken die Hände aufzulegen: Herr, erbarme dich.

A.: Herr, erbarme dich.

 

P.: Herr Jesus Christus,

du bist der Erlöser aller Menschen;

in deinem Leiden

hast du unsere Schmerzen auf dich genommen

und unsere Schwachheit getragen.

Wir bitten dich für unsere kranken Brüder und Schwestern:

Richte sie auf durch die Hoffnung auf dein Heil

und sei ihnen Halt in ihrer Krankheit.

Der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit.

A.: Amen.

 

Gebet des Herrn

Z.: Lasst uns das Gebet beschließen mit den Worten,

mit denen uns der Herr zu beten gelehrt hat:

A.: Vater unser im Himmel. ...Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Abschluss

 

Lied:

Herr, wir bitten komm und segne uns, z. B. in: "Du wirst ein Segen sein", Nr. 576

 

Segen

P.: Jesus Christus, der Herr, sei bei euch und beschütze euch.

A.: Amen.

 

P.: Er gehe vor euch her und geleite euch, er stehe hinter euch und schirme euch.

A.: Amen.

 

P.: Er schaue euch gnädig an , er bewahre euch und segne euch.

A.: Amen.

 

P.: Es stärke euch und segne euch alle, die ihr hier versammelt seid,

der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist.

A.: Amen.

 

Nach einer Zusammenstellung

von Pfr. Anton Strutzenberger,

Pfarre Wien-Machstraße, 2003

 

 

 
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Stand: 19. November 2010