"Kranke und Gemeinde"
Arbeitsschritte im
Fachausschuss Liturgie
am Beispiel einer
Tiroler Stadtpfarre
Zur Situation
In eine Stadtpfarrei
mit einem eher überalterten Bevölkerungsdurchschnitt fällt auf, dass immer
mehr Gemeindemitglieder aufgrund ihres Alters gebrechlich, behindert oder über
längere Zeit hinweg krank sind.
Dem Pfarrgemeinderat
ist gemeinsam mit dem Pfarrer und einigen weiteren Mitgliedern die Integration
dieser gebrechlichen bzw. kranken Gemeindemitglieder in das Leben der Gemeinde
ein großes Anliegen. Ihr Wunsch ist es, dass die Situation der kranken Menschen
und die Möglichkeiten einer guten Einbindung besprochen und möglichst konkrete
Maßnahmen getroffen werden.
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Der
Pfarrgemeinderat überlegt eine zielführende Behandlung des Anliegens in
den diversen Ausschüssen bzw. Arbeitsgruppen der Pfarrgemeinde. |
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Ein großer Teil
wird an den Arbeitskreis Diakonie delegiert, der die Möglichkeit von
Besuchsdiensten, unterstützende Maßnahmen zur Entlastung von Angehörigen,
Kooperation mit Sozialinitiativen vor Ort, u.a. überlegen soll. |
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Darüber hinaus
soll in besonderer Weise auch eine gute Einbindung in das gottesdienstliche
Gemeindeleben möglich werden. Der Pfarrer übernimmt die Aufgabe, den
Fachausschuss Liturgie zu bitten, sich dieser Fragestellung anzunehmen. |
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In einer
Vorbesprechung überlegt der Pfarrer gemeinsam mit der Ausschussleiterin die
Aufarbeitung des Anliegens in einem Klausurtag. Im weiteren wird eine
schriftliche Einladung formuliert, in der das Anliegen kurz skizziert und
der Ablauf des Tages festgelegt wird. |
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Zugleich werden
die Ausschussmitglieder gebeten, in ihrem Umfeld die Situation, in denen
kranke Menschen stehen, zu erspüren und deren "gottesdienstliche"
Wünsche und Bedürfnisse mit aller Diskretion zu erfragen. |

Die exemplarische Aufarbeitung der Thematik in einem Klausurtag des
Fachausschusses Liturgie
Im Folgenden wird ein
möglicher Ablauf des Klausurtages (Stundenbild) skizziert , wobei erarbeitete
Inhalte direkt miteinbezogen wurden:
-
Die
Ausschussleiterin begrüßt alle Mitglieder, ladet zu einem kurzen Gebet
ein und bittet den Pfarrer um eine Darlegung des Anliegens.
-
Sie ersucht die
Mitglieder, ihre eingeholten Erfahrungen mitzuteilen und hält diese
stichwortartig auf einem Flip-Chart-Bogen fest.
-
Sie ladet zu einem
"biblischen Befund" ein, indem sie die Anwesenden
auffordert, ihnen bekannte Bibelstellen, in denen insbesondere der Umgang
Jesu mit kranken, behinderten und leidenden Personen zur Darstellung kommt,
zu benennen.
Daraus ergaben sich folgende Schlussfolgerungen:
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Der Umgang Jesu
mit kranken Menschen gibt Orientierung und ist Maßstab der seelsorglichen
Begegnung mit kranken Menschen. |
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Jesus fragt nach
("Was soll ich dir tun?" – Lk 18,41): es geht darum, die
Situation, Biographie eines Menschen kennenzulernen; nachzufragen, was
gewünscht ist; nicht zu überrumpeln; ... |
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Jesus stellt
kranke Menschen in die Mitte (z.B. Mk 3,1-6): es geht um den konkreten
Menschen; ernst nehmen; Gemeinschaftsbezug; ... |
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Jesus streicht
Teig auf die Augen, legt Hände auf (z.B. Mk 8,23): Beziehung, Nähe,
Zärtlichkeit, ... (geht jedem liturgischen Tun voraus) |
-
Die
Ausschussleiterin ersucht die Ausschussmitglieder um die Zusammenschau
der eingeholten Erfahrungen und des "biblischen Befundes".
Anschließend teilt sie ein Arbeitsblatt aus und ladet zu einer kritischen
Auseinandersetzung mit den darauf formulierten Thesen und Grundsätze
für das liturgische Feiern mit behinderten, gebrechlichen und kranken
Menschen ein.

Arbeitsblatt
Thesen und Grundsätze für liturgisches Feiern mit
kranken Menschen
 | Liturgisches und besonders sakramentales Tun mit einzelnen
Gläubigen oder Gruppen - also auch mit kranken (und sterbenden) Menschen -
steht immer im Zusammenhang mit der konkret fassbaren christlichen
Gemeinschaft. Dies bedeutet: es ist Sache der ganzen Pfarrgemeinde,
einen Modus für dieses Tun zu finden, es zu regeln, zu unterstützen und zu
fördern. |
 | Die Situation kranker Menschen verhindert oft ihre
Teilnahme an der Gemeindeliturgie. In manchen Fällen wird es aber durchaus
möglich sein, dass ein Abholdienst und die rollstuhlgerechte Adaption der
Kirche kranken Menschen das Mitfeiern des Gemeindegottesdienstes leichter
machen.
Grundsätzlich sollen aber auch bei Verhinderung kranke Menschen - bei aller
notwendiger Diskretion - in der Pfarrgemeinde "gegenwärtig" sein.
Dies soll auch im Gemeindegottesdienst zur Darstellung kommen und die
jeweiligen Anliegen empfohlen werden (z.B. in den Fürbitten; Gebet für die
Kranken nach der Kommunion, ...).
Umgekehrt soll auch das Gemeindeleben für die Menschen präsent sein, die
nicht mehr in voller Intensität daran teilnehmen können (z.B. durch das
Überbringen des Pfarrbriefes, durch Erzählen bei Besuchen etc.). |
 | Wer in einem pfarrlichen Bereich Verantwortung trägt, soll
auch für diesen Bereich liturgisch verantwortlich sein, bzw. mit diesem
Bereich in der Liturgie vorkommen. Deshalb sollen diejenigen, die sich um
die Kranken sorgen, auch liturgische Tätigkeiten ausüben (z.B. in Form
des Überbringens der Krankenkommunion, wobei die Überbringer/-innen einen Bezug zur Eucharistie und zum kranken/alten Menschen haben sollen!). |
 | Der Weg des/der Kranken soll von Zeichen begleitet
sein.
Das gesprochene Wort und der angemessene Einsatz von einfachen Ritualen und Symbolen (Ritus mit Weihwasser, Kerze anzünden, ...)
helfen, die Sprach- und Hilflosigkeit zu überwinden und das Vertrauen in
die liebende Nähe und Zuwendung Gottes zu stärken und auszudrücken.
Mit den kranken Menschen und Angehörigen soll gemeinsam nach geeigneten
Formen gesucht werden, um die jeweilige Situation der/des Kranken und
deren Ausdruck angemessen zur Sprache zu bringen (Glaube der Kranken:
traditionelle Form, Individualfrömmigkeit, gemeinschaftliche Frömmigkeit,
Gebetsschatz; Einsatz von Musik ...) |
 | In der konkreten Situation der Krankheit kann es sein, dass
für die/den Betroffene/-n nichts mehr von der "Güte Gottes"
sichtbar ist und die ausweglose Situation von ihr/ihm nur mehr als "Gottferne"
erlebt wird. Die/den Kranke/-n kann z.B. das Ringen mit dem Schicksal,
Hadern mit Gott, Klagen "Warum gerade ich?" gerade besonders
beschäftigen. Auch diese Grundbefindlichkeit hat natürlich in der Liturgie
ihren Platz und soll (z.B. durch direktes zur Sprache bringen, in
Klagepsalmen ...) ausdrücklich gemacht werden.
Daneben kann sich die Hoffnung der Christen stellen, zu der die/der Kranke
im Moment vielleicht keinen Zugang hat und Mitchristen können
"stellvertretend" auch ihre Erfahrungen von einem rettenden Gott
Ausdruck verleihen, ohne die/den Kranken dazu zu nötigen, diese Hoffnung zu
teilen. |
 | Bei Feiern im kleineren Kreis oder am Krankenbett sollen
auf jeden Fall auch Angehörige oder andere Anwesende miteinbezogen und
zur Mitfeier angeregt werden, wenn die/der Kranke dies wünscht. |

-
Die Ausschussleiterin leitet zur
Formulierung und Vereinbarung konkreter Schritte über:
Konkrete
zukünftige Schritte
 | Im sonntäglichen Gemeindegottesdienst wird regelmäßig
für die Kranken gebetet. |
 | Eine Ausbildung zum Überbringen und zur Feier der
Krankenkommunion wird angeboten: Vorerst sollen die Ausgebildeten gemeinsam
mit dem Pfarrer diesen Dienst versehen. In einem weiteren Schritt sollen
Angehörige von kranken Menschen, die auch einen Bezug zur Eucharistie und
zur Gemeinde haben, ermutigt werden, ihren Angehörigen selbst die Kommunion
aus dem Gemeindegottesdienst mitzubringen und im Rahmen einer kleinen
gottesdienstlichen Feier zu Hause zu spenden. Die ausgebildeten
Krankenkommunionträger/-innen sollen den Angehörigen bei Unsicherheiten
klärend und unterstützend zur Seite stehen.
Die Hostie wird den Krankenkommunionträger/-innen nach der Kommunion der
Gläubigen, vor dem Schlussgebet (manchmal sollte auch gemeinsam für die
kranken Menschen gebetet werden) öffentlich mitgegeben. Sie können auch
mit einem geeigneten Wort ausgesandt werden, etwa: "Geht in die Häuser
zu den Kranken und bringt ihnen Jesus Christus, das Brot des Lebens."
Darauf folgt Segen und Sendung der Gemeinde. |
 | Einrichtung eines "Fahrdienstes": Gebrechliche
Menschen werden auf Wunsch abgeholt und es wird ihnen so ermöglicht, beim
sonntäglichen Gemeindegottesdienst teilzunehmen. Nach dem Gottesdienst
werden sie wieder nach Hause gebracht. |
 | Die rollstuhl- bzw. behindertengerechte Adaption der Kirche
wird angegangen. |

-
Die Ausschussleiterin hält auf
einem Papier fest "Wer was bis wann macht":
Die
Teilnehmer/-innen übernehmen je nach ihren "Spezialgebieten" und
zeitlichen Kapazitäten eine oder mehrere konkrete Aufgabe/-n zur Erreichung
der genannten Zielsetzungen.
-
Die Ausschussleiterin schließt
gemeinsam mit dem Pfarrer die Sitzung mit Dank und Würdigung der
konstruktiven Ergebnisse:
Es folgt eine
Einladung zu einem gemeinsamen festlichen Abendessen.
Mag. Christian Nuener, Seelsorgeamt der Diözese Innsbruck
Mai 2001
Literaturliste für Krankenkommunionfeiern
Bischofskonferenzen
Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die Feier der Krankensakramente.
Herder Verlag Freiburg, 1995, 190 Seiten.
Der Krankenbesuch, Wortgottesdienst mit Krankensegen
(Gebete, Lesungen), Die Krankenkommunion (Ablauf, Gebete, Lesungen),
Krankensalbung, Wegzehrung – Die Kommunion in der Sterbestunde, ...
Werner
Groß, Kostet, wie gütig der Herr ist. Kommunionfeiern
mit Kranken.
(46
Kommunionfeiermodelle) Schwabenverlag, 1998, 206 Seiten.
Alfons
Gerhardt, Mit Kranken am Tisch des Herrn. Sonntägliche
Kommunionfeiern.
Lesejahr A, B, C., Lahn Verlag Limburg, 1996, 192
Seiten.
Jules
Bulliard, Kommunionspendung für die Kranken. 20 Feiern und Gebete für die
Zeit der Krankheit. Bonifatius Verlag Paderborn, 1994, 119 Seiten, öS
145,--
Karl-Heinz
Kurze, Wolfgang Meurer, Robert Trottmann, (Diözese Aachen), Spendung der
Krankenkommunion. 10 Modelle im Kirchenjahr, Schriftlesungen und Gesänge
aus dem Gotteslob. Herder Verlag Freiburg, 1990, 155 Seiten, öS 145,-
Liturgiekommission
Innsbruck, "... und der Herr wird sie aufrichten." Hilfen zur
liturgischen Begleitung von Kranken, Sterbenden und deren Angehörigen in
der christlichen Gemeinde. 80 Seiten, 2. überarbeitete Auflage.
Pastorale Einführung, Wortgottesdienste und Gebete mit
Angehörigen und Kranken, Krankenkommunion (Am Sonntag in einer Pfarre –Am
Krankenbett in einem Altenheim oder Krankenhaus), Wortgottesdienste und Gebete
bei Sterben und Tod.
kfb-Bozen,
Nahe sein in Krankheit und Tod. Hilfen für die Krankenpastoral und für die
Trauerarbeit. , Bozen 2000, 153 Seiten.
Tipps zum Krankenbesuch, Gebet am Krankenbett, Feier der
Krankensalbung, Die Krankenkommunion (1 Modell), Buß- und Versöhnungsfeier, Am
Sterbebett, Abschied gestalten, Aufbahrung, Das Gebet für Verstorbene, Der
Sterbegottesdienst., Feierbestattung, Begleitung der Angehörigen, Jahrtag,
Allerheiligen – Allerseelen, Gebete – Texte – Lieder.
Gudrun
Weichberger, Und sie erkannten Ihn beim Brotbrechen. Krankenkommunion feiern
im Kirchenjahr. Liturgiereferat im Pastoralamt Graz, 2000, 101 Seiten,
(Behelfstelle Graz: öS 70,-, Bischofplatz 2, 8010 Graz) 12 Kommunionfeiern im
Kirchenjahr, Gebete, Texte. Segensbitten
Gerhard
Baum, Beständig wird deine Hand mich halten. Wortgottesdienst mit
Zeichenhandlungen am Krankenbett. Schwabenverlag, 1996, 124 Seiten, öS
181.-
3 Segensfeiern, 2 Krankenkommunionfeiern, 2 Dankesfeiern
mit Kranken, 3 Versöhnungsfeiern mit Kranken, 2 Abschiedsfeiern am Bett eines
Sterbenden, 3 Trauerfeiern (1 Kommunionfeier mit Eltern, die um ihr totgeborenes
Kind trauern, Modell für eine Not-Taufe, Gebete)
GEBETSBÜCHER
FÜR KRANKE:
Pfarramt Hartberg, Leiden,
Krankheit, Tod. Behelfstelle der Diözese Graz-Seckau.
Eva Zeymer-Klever und Peter Klever,
Bei dir finde ich Halt. Gebete für Kranke. Ernst Kaufmann Verlag, 1996, 31
Seiten, öS 93,-
Alfons Gerhardt, Du verlässt mich
nicht. Gedanken und Gebete für Kranke. Lahn Verlag Limburg, 1997, 19 Seiten
John Barbara, Andreas
Poschmann, Am
Abend und am Morgen. Gebete für Kranke. Deutsches Liturgisches Institut
Trier, 2000, 43 Seiten, öS 40.- (Behelfstelle Graz)
Reinhard Abeln/Anton
Kner, Herr,
dein Wille geschehe. Gebete in Tagen der Krankheit. Kanisius Verlag, 2000, 32
Seiten, öS 35,--

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