Der Empfang der heiligen Öle in der Pfarrkirche

Die Wertschätzung der heiligen Öle hat ihre Mitte in der vom Bischof gefeierten Chrisam-Messe vor den Drei Österlichen Tagen. Ob diese Wertschätzung allgemeiner bewusst wird, ist in große Maße vom Empfang und der Aufbewahrung der heiligen Öle in den Pfarrkirchen abhängig. „Aufwertung in den Gemeinden wäre das Komplement zur Aufwertung der Feier in der Kathedrale.“ Wer Sinn stiften will, muss Zeichen setzen, deshalb wird die angestrebte Aufwertung weniger durch Worte als vielmehr durch eine Symbolhandlung erreicht werden. Doch wird man in den Pfarreien eine eigene Feier unmittelbar vor den Drei Österlichen Tagen nicht ansetzen können. Daher sollen die heiligen Öle am Beginn der Drei Österlichen Tage, also bei der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, in den Pfarrkirchen empfangen werden.

Der Empfang der heiligen Öle soll mit dem Einzug zur Abendmahlsmesse verbunden werden. Diese würde in ihrer Bedeutung als Beginn der Drei Österlichen Tage gewinnen, wenn der Einzug nicht auf dem sonst üblichen, sondern auf einem längeren Weg durch das Kirchenschiff geschehen würde. Dabei tragen Vertreter jener Gruppen, für die die Öle in der Pfarre verwendet werden, die Ölgefäße auf einem geschmückten Polster mit: ein Katechumene oder Eltern, die ein Kind zur Taufe in der Osternacht bringen werden, das Katechumenenöl, Firmlinge den Chrisam, ältere Menschen das Öl für die Krankensalbung.

Der Priester weist nach dem liturgischen Gruß darauf hin, dass mit dieser Feier die Drei Österlichen Tage beginnen und gibt eine kurze Einführung in den Sinn des Empfanges der heiligen Öle, etwa:

 

„P.: Wie die Eucharistie haben alle Sakramente ihren Ursprung und ihre Kraft im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi. Deshalb hat der Bischof unmittelbar vor den Drei Österlichen Tagen in der Kathedrale das Katechumenenöl, den Chrisam und das Krankenöl geweiht. Wir begrüßen diese heiligen Öle. Sie verbinden uns mit dem Bischof, stiften die geistliche Einheit mit ihm und untereinander und werden in der kommenden Zeit für viele aus unserer Gemeinde Zeichen sein, dass Christus in uns wirkt durch den Heiligen Geist. Wir begrüßen die heiligen Öle und rufen Christus, den Gesalbten, an:

 

Jemand aus der Gruppe mit dem Katechumenenöl wendet sich zur Gemeinde und ruft:

Wir bringen das Öl für die Katechumenen.

V.: Herr Jesus Christus, du rufst die Menschen zum Quell der Taufe, um ihnen Anteil zu geben an deinem Leben.

K.: Herr, erbarme dich (unser). A.: Herr, erbarme dich unser.

Das Katechumenenöl wird zum Aufbewahrungsort für die heiligen Öle gebracht.

 

Jemand aus der Gruppe mit dem Chrisam wendet sich zur Gemeinde und ruft:

Wir bringen den heiligen Chrisam.

V.: Herr Jesus Christus, du bist der vom Heiligen Geist Gesalbte und besiegelst uns mit der Gabe Gottes, dem Heiligen Geist.

K.: Christus, erbarme dich unser. A.: Christus, erbarme dich unser.

Der Chrisam wird zum Aufbewahrungsort für die heiligen Öle gebracht. 

Jemand aus der Gruppe mit dem Krankenöl wendet sich zur Gemeinde und ruft:

Wir bringen das Öl für die Kranken.

V.: Herr Jesus Christus, du hast dich der Kranken angenommen, um sie zu stärken und ihnen Heilung zu bringen.

K.: Herr, erbarme dich unser. A.: Herr, erbarme dich unser.

Das Krankenöl wird zum Aufbewahrungsort für die heiligen Öle gebracht.

 

P.: An diesem Abend bedenken wir aber besonders, dass uns der Herr das Sakrament des Altares, die heilige Eucharistie, als Gedächtnis an seinen Tod und seine Auferstehung geschenkt hat. Wir wollen sie heute mit großer Hingabe feiern. Wir loben Gott und danken ihm mit dem Gloria.“

 

Im weiteren Ablauf der Feier werden die heiligen Öle nicht mehr berücksichtigt.

Durch den Empfang und die Begrüßung der heiligen Öle ist ein leicht zu verwirklichender Ansatz gegeben, deren Bedeutung in der Gemeinde bewusst zu machen, die von der Spendung Betroffenen, besonders die Firmlinge, in die Feier einzubinden und dadurch auch einen wichtigen Beitrag zu leisten, dass die Chrisam-Messe in der Kathedrale in den Blick kommt.

Dr. Hans Hollerweger, Linz

 

Aus:  Aus: Winfried Haunerland, Otto Mittermeier, Monika Selle, Wolfgang Steck (Hg.), Manifestatio Ecclesiae. Studien zu Pontifikale und bischöflicher Liturgie. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2004.

 

 
 
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Stand: 07. August 2007