Der Nachmittag des Allerheiligenfestes

Friedhoffeiern / Totengedenken

 

Kurzer geschichtlicher Rückblick: siehe bei den Bildungsimpulsen

 

Vorbemerkungen zur Nachmittagfeier am Friedhof:

    1. Allerheiligen ist das Fest all derer – nicht nur der kanonisierten Heiligen –, die in Christus zur Vollendung gelangt sind. Die Erlösungstat Jesu durch seinen Tod und seine Auferstehung ist die Grundlage jeder Vollendung in Heiligkeit. Vollendung des menschlichen Lebens im ewigen Leben ist aber ausschließlich ein Geschenk des dreifaltigen Gottes aus dem Paschamysterium Christi.

    2. Allerheiligen ist damit ein österliches Fest. Das sollte in der Nachmittagsliturgie und Verkündigung am Friedhof im Vordergrund stehen. Nicht die Erfahrung des Todes ist das Endgültige, sondern die Auferstehung zum Leben. Nicht ein verkappt – heidnischer Ahnen- und Heldenkult vor den Gräbern ist der Sinn des Friedhofganges (auch nicht am Allerseelentag), sondern ein Totengedenken, das im Glauben über die irdischen Grenzen hinausblickt auf den Gott des Lebens, der alles Leben ins Unvergängliche führen will.

    3. Allerheiligen ist ein Fest der Kirche. Alle Vollendeten bei Gott gehören zur Kirche. Die "pilgernde Kirche" hier in der vergänglichen Welt richtet ihren Blick auf die "triumphierende Kirche" und schöpft daraus immer neue Hoffnung und neuen Mut zur Verkündigung der Heilstaten Gottes.

 

Unterlagen zur Feier des Allerheiligenfestes am Friedhof

Der Ablauf der Prozession richtet sich nach den Ortsumständen. Das Gebet kann auf mehrere Stationen aufgeteilt werden (z. B.: Friedhofshalle, Friedhofskreuz, Kriegerdenkmal). Bei der Feier achte man auf gute Verständlichkeit.

 

 

Modell A:

Wort-Gottes-Feier am Nachmittag des Allerheiligenfestes / Totengedenken

Zur Eröffnung: 

ev.Choral (Musikkapelle) oder ein Lied (Texte vorbereiten!)

 

Begrüßung

 

Kyrielitanei

Herr Jesus Christus, Du hast uns einen Weg über Zeit und Welt hinaus in die Ewigkeit gezeigt. Wir, als in Zeit und Welt lebende bitten Dich:

Herr, erbarme dich unser.

Du hast Dich selbst in Deinem Tod und Deiner Auferstehung allen Menschen geschenkt. Wir, als die von Dir Beschenkten, rufen zu Dir:

Christus, erbarme dich unser.

Du hast uns in Deiner Auferstehung zum ewigen Leben berufen. Wir, denen Du in der Taufe dieses Geschenk schon gemacht hast, erhoffen von Dir:

Herr, erbarme dich unser.

 

Gebet:

Gütiger Vater, bei Dir finden wir das Leben,

denn durch den Tod und die Auferstehung Deines Sohnes

hast Du uns vom ewigen Tod befreit.

Sei gnädig mit den verstorbenen Brüdern und Schwestern unserer Stadt (unserer Gemeinde ... ), die die Auferstehung Deiner Gläubigengemeinsam mit uns bekannt haben.

Gib ihnen Teil an den Freuden der ewigen Seligkeit.

Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Lesung:

1Kor 15,51-58

 

Seht, ich enthülle euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, aber wir werden alle verwandelt werden- plötzlich, in einem Augenblick, beim letzten Posaunenschall. Die Posaune wird erschallen, die Toten werden zur Unvergänglichkeit auferweckt, wir aber werden verwandelt werden. Denn dieses Vergängliche musssich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. Wenn sich aber dieses Vergängliche mit Unvergänglichkeit bekleidet und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, dann erfüllt sich das Wort der Schrift:

Verschlungen ist der Tod vom Sieg.

Tod, wo ist dein Sieg?

Tod, wo ist dein Stachel?

Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unsern Herrn. Daher, geliebte Brüder und Schwestern, seid standhaft und unerschütterlich, nehmt immer eifriger am Werk des Herrn teil, und denkt daran, dass im Herrn eure Mühe nicht vergeblich ist.

 

Antwortgesang:

(Vorsänger und Volk): GL 719/1/2: ‚Der Herr ist mein Licht und mein Heil; mit Psalm 27

 

Ruf vor dem Evangelium:

Halleluja (z. B.: GL 530/8)

Vers: So spricht der Herr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Jeder, der an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.

 

Evangelium: Joh 11,17-27

Als Jesus in Bethanien ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Bethanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

 

Predigt

Fürbitten:

Lasst uns beten zu Gott, von dem wir das Leben haben und zu dem wir ein Leben lang unterwegs sind:

 

- Für alle unsere Verstorbenen, die in diesen Gräbern oder fern der Heimat ruhen. Sie leben in unserer Erinnerung fort, weil sie uns Gutes getan haben.

 

- Für unsere Eltern und alle, die uns das Gute lehrten: dass sie nach diesem Erdenleben die Krone des ewigen Lebens empfangen.

 

- Für alle, die ihr Leben für andere und für die Heimat hingegeben haben: dass Gott ihr Opfer annehme und ihnen das ewige Leben schenke.

 

- Für alle, die einen plötzlichen Tod fanden, im Straßenverkehr oder bei ihrer Arbeit: dass Gott sie aufnehme in sein Reich, wo weder Schmerz ist noch Trauer, wo Gott selbst ihre Erfüllung und ihre Freude ist.

 

- Für uns selbst, die wir uns hier versammelt haben, um im Glauben an die Auferstehung das Andenken unserer Toten zu ehren: dass wir Mut finden, ein Leben lang das Wagnis der Liebe auf uns zu nehmen, um dann selbst zu erfahren, was keines Menschen Auge geschaut, was kein Ohr gehört, was Gott jedoch denen bereitet hat, die ihn lieben.

 

Guter Vater, wir stehen vor Dir in der Gewissheit, dass unser Leben vergänglich ist und dass der Tod uns alle Tage begleitet.

Bleibe Du bei uns, damit wir es stets besser lernen, den Weg Deines Sohnes zu gehen und unser Leben füreinander zu leben.

Dann wird uns nichts von Deiner Liebe trennen, und wir werden in Dir einmal das Leben haben auf ewig.

Durch unseren Herrn Jesus Christus ...

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Oder:

Alternative Fürbitten

Gott, wir glauben, dass Du das Leben bist, über den Tod hinaus.

Wir vertrauen Gott unsere Verstorbenen an und sprechen gemeinsam:

schenke ihnen das ewige Leben

A: Schenke ihnen das ewige Leben.

:

Wir gedenken jener Menschen unserer Gemeinde, die im letzten Jahr verstorben sind.

Du unser Gott:

A Schenke ihnen das ewige Leben.

Wir gedenken jener Menschen, die einen gewaltsamen Tod erleiden mussten, im Krieg, im Straßenverkehr, durch Naturkatastrophen oder durch Terrorakte.

Du unser Gott:

A Schenke ihnen das ewige Leben.

Wir gedenken der Kinder und Jugendlichen die aus dem Leben gerissen worden sind.

Du unser Gott:

A Schenke ihnen das ewige Leben.

Wir gedenken all unserer Verwandten, die uns vorausgegangen sind in das Reich des Lichtes und des Friedens.

Du unser Gott:

A Schenke ihnen das ewige Leben.

Wir gedenken aller Menschen, die schon länger verstorben sind und an die niemand mehr denkt.

Wir gedenken aller Menschen, die hier auf dem Friedhof begraben worden sind.

Du unser Gott:

A Schenke ihnen das ewige Leben.

Wir gedenken jener Menschen, die einsam und allein sterben mussten.

Du unser Gott:

A Schenke ihnen das ewige Leben.

Wir gedenken aller Menschen, die hier auf dem Friedhof begraben worden sind.

Du unser Gott:

A Schenke ihnen das ewige Leben.

 

Vater unser

Gott, auch wenn der Gedanke an unseren Tod uns manchmal erschreckt, wir glauben und vertrauen darauf, dass Du unsere Zukunft bist. So wollen wir zu Dir beten wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel ...

Mag. Erwin Löschberger

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Vater unser:

 

Lied:

Lied, z.B. Herr, ich bin dein Eigentum

 

Kranzniederlegungen:

(siehe Benediktionale S. 72ff

 

Gräbersegnung:

 

Abschluss:

Segen und Entlassung

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Modell B:

Wort-Gottes-Feier am Nachmittag des Allerheiligenfestes / Totengedenken

 

Zur Eröffnung:

Choral (Musikkapelle) oder ein Lied

 

Begrüßung:

Sinn des Friedhofsganges ist der Glaube an das Leben. Jeden Tag erfahren wir die Vergänglichkeit dieser Schöpfung und das Hinsterben unseres eigenen Lebens. Unzählige Menschen versuchen sich heute über diese Tatsachen hinwegzutäuschen. Sie suchen Hoffnung und Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, manche in der Esoterik, manche in der Vorstellung der Wiedergeburt, manche im Konsumrausch.

Wenn wir hier auf diesem Friedhof stehen wird uns bewusst, dass all die Menschen, die wir hier begraben haben, endgültig aus dieser Welt gegangen sind. Aber wohin? Eine bange Frage, die die ganze Welt durchhallt. Vor 2000 Jahren sagte einer an einem Ort, der unbedeutender Nebenschauplatz der großen Geschichte war: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Diese letzte Frage ist jetzt an uns gerichtet. Glaubst du das, wenn du hierher kommst und vor den steinernen Grabmälern menschlicher Vergänglichkeit stehst? Lassen wir uns jetzt auf diese Frage einl!

Lied:

GL 657 "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ..." 3 Strophen

 

Kyrielitanei:

Herr Jesus Christus, du hast allen Glaubenden das Leben in Fülle versprochen:

Herr, erbarme dich unser.

 

Herr Jesus Christus, du hast dich nicht gescheut, den menschlichen Tod auf dich zu nehmen:

Christus, erbarme dich unser.

 

Herr Jesus Christus, du hast in deiner Auferstehung die ganze Schöpfung zu neuem Leben erweckt und bestimmt:

Herr, erbarme dich unser.

 

Gebet:

Dreifaltiger Gott, Du bist die unendliche Liebe und damit Gott des Lebens. In Jesus Christus, deinem Sohn, hast du dich selbst der Geschöpflichkeit und Vergänglichkeit des Menschseins unterworfen. Es ging dir um uns. Dafür wolltest du alles einsetzen. Darum bist du bei uns geblieben und auch jetzt mitten unter uns. Wir wissen um unsere Schwächen, Fehler und Todesgebundenheit. Frage uns immer wieder an, ob wir das Leben aus deiner Hand annehmen. Es ist das Leben, das schon in uns ist, aber von uns erst entfaltet werden muss. Zeige uns den richtigen Weg über den Tod hinaus. Alle unsere Verstorbenen beschenke mit diesem Leben, das nicht mehr im Tod gebrochen werden kann. Amen.

 

Lesung:

Jesus Sirach 2,6-11

 

Vertrau auf Gott, er wird dir helfen, hoffe auf ihn, er wird deine Wege ebnen.

Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, hofft auf sein Erbarmen, weicht nicht ab, damit ihr nicht zu Fall kommt.

Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf ihn, und er wird euch den Lohn nicht vorenthalten.

Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, hofft auf Heil, auf immerwährende Freude und auf Erbarmen!

Schaut auf die früheren Generationen und seht: Wer hat auf den Herrn vertraut und ist dabei zuschanden geworden? Wer hoffte auf ihn und wurde verlassen? Wer rief ihn an, und er erhörte ihn nicht?

Denn gnädig und barmherzig ist der Herr; er vergibt die Sünden und hilft zur Zeit der Not.

Antwortgesang:

GL 746/1/3: Kv Beim Herrn ist Barmherzigkeit; mit Psalm 116A

Ruf vor dem Evangelium: GL 564 (Kv); Vers: Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter. (Phil 3,20)

 

Evangelium:

Lk 12,36-37

Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.

Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.

 

Predigt

 

Glaubensbekenntnis

 

 

Gang zum Kriegerdenkmal mit Gräbersegnung

 

Musik:

Trauermarsch

 

Beim Kriegerdenkmal

 

Lied:

GL 662, "Christus, der ist mein Leben ..." 3 Strophen

 

Fürbitten:

Lasst uns beten zu Gott, von dem wir das Leben haben und zu dem wir ein Leben lang unterwegs sind:

Für alle Menschen, mit denen wir ein Stück unserer eigenen Lebensgeschichte geteilt haben und die jetzt in diesen Gräbern oder fern der Heimat ruhen. Im glaubenden Bewusstsein der Auferstehung sind wir mit ihnen immer verbunden und bitten: Herr, nimm sie bei Dir in Deiner Herrlichkeit auf.

 

Für unsere verstorbenen Eltern, die uns das Leben geschenkt haben und denen wir viel in unserem Leben verdanken: Herr, wir bitten Dich für sie! Zeige ihnen im ewigen Leben, dass all ihre Liebe in Mühen und Sorgen um uns einen Sinn gehabt hat.

 

Für alle Menschen, die Opfer der Kriege und gewalttätigen Ideologien geworden sind: Herr, schenke ihnen bei dir Heimat und Frieden.

 

Für alle Menschen, die bei Gewaltverbrechen, im Straßenverkehr oder bei ihrer Arbeit einen plötzlichen Tod gefunden haben: Herr, wir bitten Dich: Tröste die Angehörigen in ihrem Leid und stärke in uns allen die Sensibilität für das Leben der Mitmenschen, besonders im Straßenverkehr.

 

Für alle Menschen, die sich selbst das Leben genommen haben, weil sie jede Sinnperspektive ihrer Lebenszukunft verloren hatten: Herr, wir bitten Dich: Öffne unsere Augen, Ohren, Hände und Herzen für die große geistige und seelische Not unserer Zeit.

 

Für uns selber, die wir uns hier versammelt haben, um unserer Verstorbenen zu gedenken: Herr, wir bitten Dich aus Deiner Gegenwart heraus um die Ermutigung, dass wir jeden Tag das Wagnis des Lebens neu auf uns nehmen können und zum Wohle des Nächsten und zu Deinem Lob imstande sind, Zeugnis von Deiner liebenden Zuwendung zu geben.

 

Dreifaltiger Gott, Du Gott der Liebe: Wir stehen heute vor Dir als sterbliche Wesen, die Du zur erlösten Vollendung berufen hast. Wir dürfen auf Deine Nähe vertrauen. Das gibt uns neuen Mut und neue Hoffnung bei aller Konsequenz des Todes, der wir täglich begegnen. Du bist ja ein Gott der Lebenden und hast uns zum ewigen Leben bestimmt. Amen.

 

Vater unser:

 

Lied:

Lied oder ev. "Ich hatt' einen Kameraden..." (Musikkapelle)

 

Kranzniederlegungen

 

Segen und Entlassung

 

Dr. Gustav Pirich, Hollabrunn, 2002 09

 

 
 
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Stand: 25. August 2008