Mit Trauernden beten – Gestaltungshilfen für Totenwachen

 

Im vergangenen Jahrzehnt sind die Nachfragen nach alternativen Abläufen für Totenwachen stark gestiegen. Erwin Löschberger hat als Liturgiereferent der Diözese Graz-Seckau positive Erfahrungen unterschiedlicher Pfarrgemeinden in der Gestaltung von Totenwachen gesammelt.

Es ist ein umfangreicher Behelf entstanden, in dem auf 149 Seiten unterschiedliche Abläufe von konkret gefeierten Totenwachen (mit oder ohne Rosenkranz), Gebetsstunden für Unfallopfer oder verstorbene Kinder, Gedenkfeiern nach dem Begräbnis sowie verschiedene Textbausteine zu finden sind (Eröffnung, Kyrielitanei, Fürbitten, Segensgebete, Litaneien, Texte der Trauer und des Vertrauens).

 

Bestelladresse:

Bischöfliches Pastoralamt

Bischofplatz 4

8010 Graz

andrea.kallab@graz-seckau.at

0316/8041-285

 

Preis: € 10.-

 

 

 

Beispieltext:

 

Vertrauen auf Leben!

Jesus Christus,

es wird uns zugesagt, dass Du von den Toten auferstanden bist.

Weil wir das glauben, können wir darauf vertrauen,

dass Du unsere Sorgen und Ängste kennst,

dass Du uns so annimmst wie wir gerade sind,

dass Du uns mit unseren Verstorbenen verbindest,

dass Du unsere Verstorbenen zum ewigen Leben führst,

dass alles gut wird.

 

Wir lassen uns gerne trösten mit dem Vertrauen,

dass N.N. bei Dir ihr/sein Ziel gefunden hat

Stärke unseren Glauben an Dich, den Erlöser und Heiland.

Darum bitten wir Dich,

der Du die Auferstehung und das Leben bist.

Amen.

 

 

 

Beispiel einer Totenwache aus Murau

 

Wachtgebet für ein sechsjähriges Mädchen, plötzlich verstorben

 

Musik

 

Begrüßung

 

Wir begrüßen Sie und Euch zum Wachtgebet für N.

Wachtgebete werden gehalten in der Zeit zwischen dem Tod des geliebten Menschen und dem Begräbnis.

Es ist dies eine Zeit, die geprägt ist von Nicht-fassen-können, von tiefer Traurigkeit, von Nicht-schlafen-können, von Sprachlosigkeit.

Durch die Teilnahme am Wachtgebet setzen wir ein Zeichen: Auch wenn jedes Wort zuviel ist, wenn wir Betroffenheit und Trauer spüren, zeigen wir einander mit unserer Anwesenheit, dass wir da sind, dass wir gemeinsam trauern, dass wir mittragen und gemeinsam beten wollen.

Mit der Osterkerze in der Mitte zeigen wir, dass wir auf die gleiche Hoffnung setzen. Sie sagt uns, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

 

1. Teil: EINLEITUNG

 

Kreuzzeichen

Und so beginnen wir dieses Wachtgebet mit dem Zeichen unseres Glaubens: +

 

Einführung und Kyrierufe

Weine, weil du verlassen bist, denn du bist es.

Weil dir kalt ist. Es ist wirklich kalt.

Weil dir das Weh das Herz zusammenzieht,

mehr, als irgendeiner von uns ermessen kann.

 

Klage, auch wenn es jemand hört.

Wenn du zornig bist über das Unrecht, das dich getroffen hat.

Wenn du wütend bist auch auf Gott, der das zugelassen hat.

Auch Hiob klagte Gott mit harten Worten an.

 

Eines Tages wird es nicht mehr so wichtig sein zu weinen oder zu klagen.

Aber jetzt ist es gut.

Und jetzt soll es dir niemand verwehren.                                        

(Autor unbekannt)

 

Unsere Herzen sind schwer.

In uns sind viele Fragen, Gedanken und eine große Leere.

Herr, erbarme dich unser. A: Herr, erbarme dich unser.

 

Verstehen können wir das Sterben von N. nicht.

Sinn finden wir keinen darin.

Christus, erbarme dich unser. A: Christus, erbarme dich unser.

 

Betroffenheit und Trauer lässt uns verstummen.

Herr, erbarme dich unser. A: Herr, erbarme dich unser.    

Gott, all das übergeben wir dir.

Nimm du all diese Fragen, damit wir lernen, damit zu leben.

Durch Christus, unseren Herrn, Amen.

 

2. Teil: MICH DES LEBENS ERINNERN

 

Ein- und Überleitung

Die Stille des Wachtgebetes schenkt uns die Zeit, uns zu erinnern.

Erinnern ist, wie die Schatzkiste der Vergangenheit zu öffnen.

Dieser Schätze wollen wir uns mittels Symbolen erinnern.


Dieses Foto zeigt N., wie sie alle gekannt haben: Ein aufgewecktes fröhliches Mädchen, das gar nicht damit einverstanden war, wenn ihr Vorname irgendwie abgekürzt wurde: "Ich heiße N.!" – so reagierte sie auf solche Verkürzungsversuche.

 

Kurzes Harfenspiel


Diese Puppe erzählt davon, dass sie ein "richtiges Mädchen" war: Ihre Lieblingsfarbe war rosarot; hellblau käme für ein Mädchen doch gar nicht in Frage. Sie spielte gern mit ihren Puppen und der Puppenküche. Viel Routine hatte sie beim Schminken: Perfekt gezogene Lippen und lackierte Fingernägel gehörten dazu – was machte es da, wenn auch der Boden manchmal etwas davon abbekam.

 

Kurzes Harfenspiel

 

Diese Flöte erzählt von ihrer Liebe zur Musik. Bei Tante N. lernte sie das Blockflöte spielen, später einmal wollte sie auch Querflöte spielen. Jede Art von Musik, die sie hörte, animierte sie zum Mitsingen. Auch englische Texte waren dabei kein Hindernis. Ergebnis ihrer Musikalität waren auch Tanzvorführungen in der Siedlung mit N. u. N.

 

Kurzes Harfenspiel


Dieser Diddle erzählt von einer anderen Liebe: Ihre Liebe zur Diddle-Familie. Dazu kannte sie alle Namen – Ihre Lieblinge Diddle, Minihops und Fuchskaninchen schmücken auch die Parte als Erinnerung daran.

 

Kurzes Harfenspiel


Dieser Drache erzählt von einem ihrer letzten Ärgernisse: "Warum kann man nicht gleichzeitig Drachen steigen lassen und Fahrrad fahren? Es ist doch beides lustig." Dieses Anliegen war typisch für N.: Immer wollte sie vieles gleichzeitig machen. Warum sollte es auch nicht gehen, dass man gleichzeitig die Strumpfhose anzog und mit der Puppe spielte?

Auch Lachen und Weinen lagen nah beieinander. Im Nachhinein scheint es, als habe sie möglichst viel in ihre kurze Lebenszeit hineinpacken wollen.

 

Kurzes Harfenspiel


Diese Schultüte und das Buch erzählen davon, dass sie Schulanfängerin war und die erste Klasse besucht hat. Sie hatte sich schon sehr auf die Schule gefreut, denn sie wollte endlich schreiben lernen – das Lesen hatte sie sich schon im vorigen Sommer beigebracht.

Sie war in vielen Dingen ihrer Zeit voraus.

Nun ist sie uns auch in ihrem Sterben voraus.

 

Kurzes Harfenspiel

 

3. Teil: EIN ZEICHEN SETZEN

 

Einladung, Kerzen zu entzünden

Jeder und jede von uns wird noch viele solcher Erinnerungen an N. mitgebracht haben. Wir möchten Euch nun einen Raum des Erinnerns öffnen.

Wir laden Euch ein, in Stille nach vor zu kommen, um ein Teelicht zu entzünden.
In Stille könnt Ihr damit ein Zeichen setzen:

das Teelicht kann sein ein Zeichen der Dankbarkeit für ihr Dasein,

oder ein Zeichen der Verbundenheit

oder das Teelicht könnte für einen Satz stehen, der so beginnen könnte: Das hätte ich dir noch so gern gesagt ...

 

Teelichter entzünden - Im Hintergrund Harfe

4. Teil: HÖREN AUF DAS WORT GOTTES

 

Überleitung

Es ist hell geworden für uns durch N. Der folgende biblische Text möchte uns in unserer Trauer begleiten und uns für unser weiteres Leben ermutigen.

 

Lesung nach dem Psalm 31

Herr, mein Leben lege ich in deine Hände:

Die glücklichen und die frohen Stunden,

das Leid, das mich traf und das mir in Mitmenschen begegnete.

Das frohe Miteinander in Liebe und Güte,

aber auch die Stunden der Zwietracht,

die Zeichen der Versöhnung,

die Tränen und das Lachen.

Herr, mein Leben lege ich in deine Hände:

Die Erfolge und die Misserfolge,

die durchkreuzten Pläne und die geglückten Unternehmungen,

die Feste und den Alltag,

die kleinen Freuden und die stillen Leiden.

Meinen Glauben und meine Zweifel,

meine erfüllten Hoffnungen und meine enttäuschten Erwartungen.

Herr, ich lege mich und meine Zeit in deine Hände.

 

Wort des lebendigen Gottes

 

5. Teil: Rosenkranzgebet mit Vaterunser

 

Beten wir gemeinsam je fünf Gesätzchen des Rosenkranzes.

Wir haben drei Geheimnisse ausgewählt:

Jesus, den du in Bethlehem geboren hast –

            in Erinnerung, dass Gott einer von uns geworden ist.

Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist –

            es erinnert, dass Gott selbst in Jesus Christus Leid und Tod kennt.

Jesus, der von den Toten auferstanden ist –

            es steht dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

 

6. Teil: Abschluss

 

Ich bin nicht fort

Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.

Ich bin ich, ihr seid ihr.

Das, was ich für dich war, bin ich immer noch.

Gebt mir den Namen, den ihr mir gegeben habt,

sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.

Gebraucht nie eine andere Redeweise.

Seid nicht feierlich oder traurig, lacht weiterhin über das,

worüber wir gemeinsam gelacht haben.

Betet, lacht, denkt an mich,

betet für mich, damit mein Name im Hause ausgesprochen wird,

so wie es immer war,

ohne irgendeine besondere Bedeutung,

ohne die Spur eines Schattens.

Das Leben bedeutet das, was es immer war,

der Faden ist nicht durchschnitten.

Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,

nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?

Ich bin nicht weg.

Ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.

(Charles Péguy)

 

Segensgebet

Um diese Zuversicht und um den Beistand und Segen Gottes für die kommende Zeit wollen wir nun bitten.

So segne und behüte und begleite uns Gott, dem kein Leid fremd ist.

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Auszug

Harfe

 

 
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Stand: 22. August 2011